In diesem Artikel erklären wir dir, was man unter Exilliteratur versteht und welche Autor*innen und Werke man zu dieser Epoche zählt.

Was ist Exilliteratur?

Als Exilliteratur werden Bücher und andere Literatur von Schriftsteller*innen bezeichnet, deren Werke nicht in ihrem Heimatland geschrieben und veröffentlicht werden können. Das hat oft mit der politischen oder religiösen Lage im Heimatland des Schriftstellers  bzw. der Schriftstellerin zu tun. Besonders in Diktaturen werden literarische Veröffentlichungen stark kontrolliert und Werke, die sich kritisch über die Regierung oder einen bestimmten Teil der vorherrschenden Ideologie äußern, werden von dieser verboten. Oft müssen die Autor*innen auch selbst das Land verlassen, weil sie sich von der Regierung wegen ihrer öffentlichen Meinung bedroht fühlen. Die Schrifsteller*innen emigrieren dann in ein anderes Land und veröffentlichen dort ihre Werke.

So soll verhindert werden, dass die Menschen sich kritisch mit der eigenen Regierung auseinandersetzen oder sogar zum Widerstand aufrufen. Das Verbot von regierungskritischen Büchern ist eine große Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit und wird daher international sehr kritisch gesehen.

Die bekannteste Epoche der Exilliteratur in der deutschen Geschichte fand von 1933 bis 1945 unter der Herrschaft der Nationalsozialisten statt. Aber überall auf der Welt gab es, und gibt es noch, Regime, die regierungskritische Werke verbieten lassen.

Merkmale der Exilliteratur

Oft sind die Inhalte von im Exil geschriebenen Büchern politisch oder religiös geprägt. Die Autor*innen wollen sich im Schriftstück aktiv mit der politischen Lage auseinandersetzen und ihre Leser*innen  über die aktuelle Situation aufklären. Es kommt aber auch vor, dass scheinbar harmlose Texte von einer Regierung verboten werden, da allein durch Metaphern im Text oder eine Interpretation des Schriftstücks eine schlechte Meinung über das Land oder die Regierung entstehen kann.

Neben dem politischen Aspekt setzen sich Autor*innen auch mit dem Verlust der eigenen Identität und Kultur auseinander. Die Schriftsteller*innen, die davor friedlich in ihrem Heimatland leben konnten, wurden jetzt aus diesem vertrieben. Sie fühlen sich ihrer eigenen Kultur nicht mehr zugehörig und müssen nun selbst ihren Platz in der Welt finden. Auch ihre bisherige Identität und ihr normales Leben wurden auf den Kopf gestellt. Nun müssen die Autor*innen ein neues Leben im Exil beginnen und verarbeiten das oft im Text.

Auch existenzielle Probleme tauchen in der Exilliteratur häufig auf. Wie kann das Leben nun weitergehen, wie kann der Mensch in seiner neuen Lage überleben? Das wird in der Literatur dann auch häufig aufgegriffen.

Trotz der Vertreibung aus dem Heimatland taucht in den Texten aber auch manchmal die Sehnsucht nach der alten Heimat auf. Gute Erinnerungen an vergangene Zeiten oder Freund*innen, die noch in diesem Land leben, sind oft der Grund dafür, dass Schriftsteller*innen Heimweh verspürt. Auch der Glaube daran, dass im Heimatland trotz der aktuellen Lage noch etwas Gutes steckt, ist oft in den Texten zu finden.

Während des Nationalsozialismus

Einige deutsche Autor*innen mussten Deutschland schon wegen ihrer Herkunft oder ihrer politischen Überzeugungen verlassen, nicht wegen der Veröffentlichung eines Buches. Darunter waren viele jüdische über kommunistische Autor*innen, die sich wegen der Herrschaft der Nazis und deren Diskriminierung gegen diese Gruppen nicht mehr sicher fühlten.

Andere Autor*innen wie Thomas Mann erkannten die politische Lage und flüchteten, um ihre Meinungsfreiheit zu bewahren, obwohl sie aufgrund ihrer Herkunft nicht von den Nazis wären verfolgt worden.

Zunächst flüchteten diese Exilautor*innen in die Nachbarstaaten Deutschlands wie Frankreich, die Niederlande oder die Tschechoslowakei. Als Europa aber von den Nazis in den Krieg gestürzt wurde, flüchteten sie auf andere Kontinente, wie nach Nordamerika in die USA, nach Südamerika nach Brasilien oder in das heutige Israel.

Diese Schriftsteller*innen hatten in ihren neuen Heimaten oft Probleme, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Grund dafür waren die wenigen Verlage, die bereit waren, deutsche Literatur zu drucken, und die komplizierte Bürokratie. Viele Exilautor*innen litten daher an Depressionen. Einige nahmen sich sogar das Leben.

Andere Beispiele aus der ganzen Welt

In Russland mussten vor 1917 kommunistische Autor*innen aus dem Exil heraus ihre Werke verfassen, nach der Revolution mussten Unterstützer*innen des Zars oder andere konservative Autor*innen im Exil schreiben.

Nach der Machtausweitung der Sowjetunion in Osteuropa nach dem 2. Weltkrieg verließen vor allem in der Tschechoslowakei viele regierungskritische Schriftsteller*innen das Land. So war es auch in Estland, von wo aus viele Schriftsteller*innen nach der Machtübernahme durch die Sowjets nach Schweden, Deutschland, die USA oder Kanada flüchteten.

Heute schreiben Autor*innen aus der Türkei, China oder Russland im Exil und äußern sich kritisch gegenüber ihrer Regierung.

Bekannte Werke der Exilliteratur

Bertolt Brecht war ein weiterer Autor, der vor den Nazis in Exil fliehen musste. Die heilige Johanna der Schlachthöfe, in dem eine Frau der Heilsarmee Fabrikarbeiter zu religiösen Menschen machen will, wurde noch in Deutschland veröffentlicht, danach aber schnell verboten. Leben des Galilei, ein weiteres Theaterstück Brechts, wurde im Ausland geschrieben und setzt sich mit dem Leben Galileo Galileis auseinander.

Auch andere deutsche Autor*innen wie Thomas Mann, Alfred Döblin oder Anna Segher zeichneten sich durch ihre Exilliteratur aus. Neben der Emigration in ein anderes Land gab es auch Schriftsteller*innen, die eine innere Emigration vollzogen. Sie bleiben zwar in Deutschland, zogen sich aber aus der Gesellschaft zurück und veröffentlichten ihre Werke im Geheimen und unter falschem Namen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist Erich Kästner.