Alfred Döblin lebte von 1878 bis 1957 und war ein deutscher Psychiater sowie Schriftsteller. Er versuchte sich in einer Vielzahl von Gattungen, schrieb Romane, Novellen, Erzählungen, Dramen und Essays und verarbeitete stets unterschiedliche Themen. War er zu Beginn seines Schaffens noch der Epoche des Fin de Siècle zuzuordnen, wurde er später einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus. Seinen  größten Erfolg feierte der Autor mit seinem Großstadtroman Berlin Alexanderplatz.

Leben

Am 10. August 1878 wurde Alfred Döblin in Stettin in ein jüdisches Elternhaus geboren. Dort wuchs er mit vier Geschwistern in einem täglichen Konflikt zwischen dem künstlerisch-begabten Vater und der pragmatischen Mutter auf.

Schon zu Schulzeiten versuchte sich der junge Döblin an literarischen Texten. Als er 10 Jahre alt war, ging sein Vater fort und ließ die Familie in ärmlichen Verhältnissen zurück. Kurz darauf siedelte die Familie nach Berlin um, wo der spätere Schriftsteller im Jahre 1900 mit seinem Medizinstudium begann. Nach seiner Promotion gründete Alfred Döblin eine kassenärztliche Praxis, in der er für 30 Jahre als Nervenarzt arbeitete. Nebenbei konzentrierte er sich jedoch mehr und mehr auf das Schreiben und galt seit seinem Erzählband Die Ermordung einer Butterblume aus dem Jahre 1915 als ein Vorreiter des Expressionismus.




Zu Beginn des 1. Weltkrieges meldete Döblin sich freiwillig zum Kriegsdienst und arbeitete als Lazarettsoldat an der Westfront. In den Jahren der Weimarer Republik gehörte er zur Gruppe der linksbürgerlichen Intellektuellen und setzte sich stark für die Demokratie ein. Im Jahre 1929 veröffentlichte er seinen populärsten Roman Berlin Alexanderplatz, der eine breite Leserschaft fand.

Am Tag nach dem Reichstagsbrand flüchtete Alfred Döblin 1933 wegen seiner jüdischen Wurzeln nach Paris, wo er sich im Exil weiter der Literatur widmete. Nach dem Krieg kehrte der Autor nach Deutschland zurück, fühlte sich jedoch überflüssig und zog schlussendlich nach Paris. Von dort aus veröffentlichte er seinen letzten Roman Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende und verstarb ein Jahr später am 26. Juni 1957 in Süddeutschland.

Themen

Anfang des 20. Jahrhunderts fühlten sich viele Menschen durch die fortschreitende Industrialisierung sowie die Urbanisierung und Technologisierung überfordert. Dadurch entstand in der Künstlerszene der Expressionismus. Alfred Döblin gehört zu den wichtigsten Vertretern dieser Stilepoche.

Ähnlich wie seine Mitstreiter Gottfried Benn, Georg Trakl oder Paul Zech ließ er viele gesellschaftliche und politische Themen dieser Zeit in seine Texte einfließen. Sein Werk handelt von der Großstadt, in welcher der Mensch anonym lebt und Elend sowie Armut ausgesetzt ist. Dieser Schwerpunkt geht wohl auf Döblins Jugendzeit und seine Erfahrungen in Berlin zurück.

Auch Angst, Hass und Zerfall spielen immer wieder eine Rolle und charakterisieren viele seiner Erzählungen. Oftmals leidet der Mensch an Ich-Verlust, da er durch das Kollektiv, die einheitliche Masse, verdrängt wird. Zwischen beiden Parteien herrscht ein Kampf um Individualität und Selbstbehauptung. Diesen Kampf kann der Einzelne jedoch nicht gewinnen. Wie viele andere Expressionisten nutzte auch er andere Medien wie das Hörspiel, das Drehbuch sowie den Film und zerstückelte seine Texte teilweise mit Hilfe der Montagetechnik, einem Element des Films.

Auch das Thema des Krieges fand Einzug in Döblins Literatur. Seine Erfahrungen, die er als Lazarettsoldat im 1. Weltkrieg machte, verarbeitete er literarisch beispielsweise in seinem Roman Wallenstein. Der Text beschäftigt sich zwar mit dem Dreißigjährigen Krieg, weist jedoch starke Assoziationen zum 1. Weltkrieg auf.




In seinen Kriegsszenarien steht Döblin stets auf der Seite der Verlierer, der Schwächeren und Leidenden. Die heroischen Gewinner erhalten bei ihm Ablehnung. Ein weiteres wichtiges Thema für Döblin ist die Medizin. Da er durch sein Studium ein enormes Fachwissen angehäuft hatte und sich als Arzt täglich mit Krankheiten auseinandersetzte, ist es nicht verwunderlich, dass auch dieses Feld in seinem Werk erscheint. Er schreibt von Wahnsinn, Sexualität und Tod und konzentriert sich oft auf die psychische Verfassung seiner Figuren.

Neben epischen Texten schrieb Alfred Döblin auch einige essayistische Werke, in denen er sich der Romantheorie widmete. In Texten wie An Romanautoren und ihre Kritiker. Berliner Programm oder Der Bau des epischen Werks setzt er sich mit den Regeln in der erzählenden Prosa auseinander.

Werke

Alfred Döblin publizierte eine Vielzahl von Texten aus unterschiedlichen Gattungen. Er schrieb Romane, Erzählungen, Novellen, Dramen, Essays, Reiseberichte und ein Versepos. Eine Auswahl seiner wichtigsten Veröffentlichung findet ihr hier:




Romane

  • Berlin Alexanderplatz
  • Die drei Sprünge des Wang-Iun
  • Berge, Meere und Giganten
  • Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende

Erzählungen

  • Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen
  • Die beiden Freundinnen und ihr Giftmord

Essays

  • Bemerkungen zum Roman
  • Der Bau des epischen Werks

Auszeichnungen

Bis auf seinen Roman Berlin Alexanderplatz blieb Alfred Döblin zu Lebzeiten ein wenig beachteter Autor. Trotzdem erhielt er 1916 für seinen Roman Die drei Sprünge des Wang-Iun den Fontane-Preis, im Jahre 1954 den Literaturpreis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und 1957 den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Auch wurde er mehrmals für den Literaturnobelpreis gehandelt, doch erhielt ihn nie. Da sein komplettes Werk seit 1960 wieder zugänglich ist, erfreuen sich heutzutage nicht nur Germanisten an seinen Texten.