Thomas Mann

Redaktion


Thomas Mann gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Leben und seine Werke prägen die Literaturwissenschaft bis heute. Thomas Mann war ein Mensch, der seine Meinung offen äußerte, obwohl er sich damit zeitweise in Lebensgefahr brachte. Eigene Schicksalsschläge und Sehnsüchte sorgten immer wieder für neue Inspirationen.

Ein Leben zwischen Kunst und Bürgertum

Als Sohn einer wohlhabenden Familie wurde Thomas Mann am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. Seine Kindheit beschrieb er selbst später als paradiesisch. Da sein Vater Senator von Lübeck war, mangelte es der Familie an nichts und er genoss eine sehr gute Schulbildung.

Mit 16 Jahren verlor Thomas Mann seinen Vater. Es folgte ein Umzug der restlichen Familie nach München. Dort begann der talentierte Jugendliche für die von seinem Bruder ins Leben gerufene Schülerzeitung Der Frühlingssturm zu schreiben und entwickelte den Wunsch, Journalist zu werden. Seine ersten Veröffentlichungen hießen Gefallen und Der Wille zum Glück.




1896/97 startete der junge Thomas Mann mit der Niederschrift seines wohl bekanntesten Werkes – Die Buddenbrooks.

Als er mit Mitte 20 seinen Militärdienst begann, wurde er kurze Zeit später entlassen. Der Grund: Untauglichkeit. So konnte er sich erneut seiner Lieblingsbeschäftigung widmen und den Roman Die Buddenbrooks fertigstellen.

Katia Pringsheim wurde Thomas Manns Frau. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder, drei Mädchen und drei Jungen. Kurz vor dem Tod seiner Mutter veröffentlichte Mann Der Tod in Venedig, und noch bevor sich seine geliebte Schwester Julia das Leben nahm, schrieb er Der Zauberberg. Neben dem Selbstmord seiner Schwester war auch der Freitod seines Bruders Klaus ein Erlebnis, das ihn bis zu seinem Lebensende immens beeinflusste.

1933, vier Jahre nach seiner Nobelpreisverleihung für Literatur in Stockholm, musste Thomas Mann mit seiner Familie nach Küsnacht bei Zürich in die Schweiz flüchten. Seine Texte waren zu ehrlich, zu offen und zu provokant für das sich entwickelnde Nazideutschland. Sein Exil beginnt. Es folgten mehrere USA-Reisen, bis er 1941 tatsächlich, zusammen mit seiner Frau und den Kindern, nach Kalifornien zog.

In einer monatlichen Radiosendung nach Deutschland hielt Thomas Mann seine politische Einstellung nicht zurück und bekannte sich öffentlich zu seiner linksliberalen und antifaschistischen Sichtweise. Ein Jahr vor Kriegsende erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft, zog jedoch acht Jahre später wieder zurück nach Europa in die Schweiz. Deutschland erschien ihm nach der für ihn bedrohlichen Lage nicht sicher genug. Und obwohl er sich Zeit seines Lebens mit seiner Heimatstadt Lübeck verbunden fühlte, feierte er in der Schweiz seine Goldene Hochzeit und starb dort am 12. August 1955.

Der bekannte Schriftsteller schrieb über viele Jahre Tagebücher. Darin hielt er akribisch fest, was er dachte, fühlte, welche Themen ihn beschäftigten und welche Neuigkeiten es auf politischer und weltlicher Ebene zu besprechen galt.




Wenn Mann schreibt, dann auch immer von sich selbst

Familienschicksale, Individuen, die leiden und wieder aufstehen, das Künstler-Dasein und die Bürgerlichkeit, Geistiges und Materielles – das sind Themen, die Thomas Manns Werke durchziehen. Seine Bücher und Texte sind geprägt von hervorstechenden und einzigartigen Charakteren, die mit Hingabe beschrieben werden. Ironie pointiert und relativiert gleichzeitig. Und zwischen jedes Lachen und Lächeln der Lesenden mischt sich auch ein tiefgründiges Nachdenken, denn Thomas Mann schafft es mittels Untertönen, auch die Abgründe und Ambivalenzen der Figuren und Handlungen darzustellen.

Krankheit und Verfall, Kunst und Wahnsinn, erheiternde Mehrdeutigkeit (Ambiguität), aber auch Inzest, Sadomasochismus, Homosexualität, politisch provozierende Einstellung und Musik sind immer wiederkehrende Themen in Thomas Manns Werken und privatem Leben.

Denn hinter jedem Idyll liegt auch der Abgrund verborgen. Jeder Aufstieg bedeutet auch Verfall. Trotz scheinbar perfekten Lebensumständen bringen sich zwei seiner Geschwister um. Seiner Sehnsucht und Liebe zu Männern gibt er sich nie hin. Er nutzt sie als treibende Kraft für neue Werke und verarbeitet seine Schwärmereien in Figuren wie Gustav von Aschenberg (Der Tod in Venedig) oder Lord Kilmarnock (Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull).

Provokativ, wie er ist, reist er während einer Zeit durch Europa, in der die Lage immer angespannter wird, und beschreibt in seinen Büchern das Klima und die Landschaft, anstatt Hass und Intoleranz zu versprühen. Die Philosophen Nietzsche und Schopenhauer beschäftigen und prägen Mann sein gesamtes Leben. Besonders der Text Nietzsches Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik hat nachhaltige Wirkung auf viele seiner Schreibstücke. Hinter jedem scheinbar heiteren Paradies stecken zerstörerische Abgründe – auf der Welt, aber auch in jedem Individuum.

Die wichtigsten Werke

  • Die Buddenbrooks
  • Königliche Hoheit
  • Der Zauberberg
  • Joseph und seine Brüder
  • Lotte in Weimar
  • Doktor Faustus
  • Der Erwählte
  • Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
  • Der kleine Herr Friedemann
  • Tonio Kröger
  • Tristan
  • Ein Glück
  • Der Tod in Venedig
  • Mario und der Zauberer



Ausgezeichnungen (Auswahl)

  • 1929 Nobelpreis für Literatur in Stockholm
  • 1932 Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft
  • 1949 Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main
  • 1955 Ehrendoktorwürde der Friedrich-Schiller-Univeristät Jena
  • Ehrenbürgerschaft der Stadt Lübeck
  • Ehrenmitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

 

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