DEATH OF A SALESMAN von Arthur Miller

Yvonne Kraus


Willy Loman, Hauptfigur im Stück Death of a Salesman (Der Tod eines Handlungsreisenden) von Arthur Millier, hat schon bessere Zeiten gesehen. Der 63-jährige fährt wie in den Jahrzehnten zuvor auch jede Woche mit seinem Auto durch Neuengland, um als Vertreter die Produkte seines Arbeitgebers an den Mann zu bringen.

Doch es wird immer schwieriger, von seinem Beruf zu leben. Seine Frau Linda wünscht sich längst, dass er einen Bürojob annimmt. Immer öfter kommt es vor, dass Willy kleinere Unfälle oder Fast-Unfälle unterwegs hat. Und ob es sich dabei wirklich um Unfälle handelt, ist ziemlich zweifelhaft.

Von Willys Söhnen, die sich für einen Besuch wieder zuhause einquartiert haben, ist keine Hilfe zu erwarten. Biff, der Liebling des Vaters, auf den alle große Hoffnungen gesetzt haben, hadert mit seinem eigenen Leben und hält es in keinem Job allzu lange aus. Happy hat zwar sein Leben lang darunter gelitten, nur die Nummer Zwei seines Vaters zu sein – wenn überhaupt – scheint aber zumindest jetzt einigermaßen in seinem Leben zurechtzukommen.

Doch Linda macht sich große Sorgen. Nicht nur die Unfälle mehren sich, auch Willys Tagträumereien von früheren, besseren Zeiten deuten immer mehr darauf hin, dass ihren Mann der Lebenswille verlassen hat. Das Aufeinanderprallen von gewünschtem (und sozial erwartetem) Erfolg und stetigem Scheitern in seinem Leben hat Willy Loman an den Rand des Ertragbaren gebracht.

Die Figuren in Death of a Salesman

Arthur Miller kam in seinem Stück Der Tod eines Handlungsreisenden mit einer guten Handvoll Figuren aus. Da ist zunächst der titelgebende Willy Loman. Dieser jagt dem amerikanischen Traum nach, der nichts anderes bedeutet, als möglichst viel Geld zu verdienen. Doch für jemanden in seinem Alter ist kein Platz mehr in seinem Job. Und so erinnert sich Willy immer wieder an die Zeit zurück, als die Kinder noch jünger waren und zu ihm aufblickten.

Willy ist klar, dass er seine Träume selbst nicht mehr verwirklichen können wird, aber vor allem für seinen Sohn Biff Loman wünscht er sich ein besseres – materiell reicheres – Leben. Doch dieser hat eine eigentlich aussichtsreiche Football-Karriere an den Nagel gehängt, als er Willy im Hotel mit einer Geliebten überraschte. Und so fühlt sich Willy nicht nur für sein eigenes Scheitern, sondern auch für das seines Sohnes verantwortlich.

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Happy Loman hat immer darunter gelitten, dass er kaum Beachtung durch Willy bekommt, Er hat all seine Bemühungen darauf ausgerichtet, seinen Vater zu beeindrucken. Insofern folgt er diesem beim Versuch, Karriere zu machen, obwohl allen klar ist, dass niemand so erfolgreich oder glücklich werden kann.

Die einzige wirkliche Stütze, die Willy hat, ist seine Ehefrau Linda Loman. Diese versucht alles, um ihren Mann davon abzuhalten, sich selbst das Leben zu nehmen, und sie ist schwer enttäuscht von ihren Söhnen, die nur ihren eigenen Spaß im Kopf haben.

Gesellschaftskritik in Der Tod eines Handlungsreisenden

„Once in my life I would like to own something outright before it’s broken!“
(Willy Loman, Death of a Salesman)

Das Zitat, das unserer Meinung nach die Aussage von Death of a Salesman am besten zusammfasst, bezieht sich rein inhaltlich darauf, dass all die Dinge, die Willy Loman auf Kredit gekauft hat, genau dann kaputt gehen, wenn die letzte Rate fällig wird. Ein Teufelskreis des Kapitalismus: Man muss so lange arbeiten gehen und weiter Geld verdienen, bis die letzte Rate gezahlt ist. Und dann muss man sich etwas Neues kaufen. Von Eigentum kann also keine Rede sein. Im Grunde hat Willy Loman seinen gesamten Besitz gemietet.

Der Satz hat allerdings noch eine tiefere Bedeutung. Denn Willys Leben gehört ihm auch nicht. Und mit seinen Koffern, die er sinnloserweise nach Norden und wieder zurück schleppt, versucht er, eine Schuld zu begleichen, die ihm das System, in dem er lebt, für seine bloße Existenz abverlangt. Natürlich besitzt Willy sein Leben auch erst dann, als es zerbricht – und niemand anderes mehr etwas damit anfangen kann.

Diese Kapitalismuskritik ist typisch für Arthur Miller. Immer wieder entlarvte er den American Way of Life, das Streben nach mehr Geld, Erfolg und Anerkennung, nicht als die größtmögliche Freiheit, sondern als ein selbst gewähltes Gefängnis.

Beziehungen in der Familie, die eigentlich die Stütze der Gesellschaft sein sollte, werden durch Geld ersetzt. Kommunikation ist nicht mehr möglich. Natürlich findet das ganze in New York statt, der Stadt, in der jeder einen großen Traum hat und eine Handvoll Gieriger es schafft, die Wirtschaft der gesamten Welt zu erschüttern.

Für Death of a Salesman erhielt Arthur Miller 1949 den Pulitzerpreis in der Kategorie Dramatik. Das Stück wird nach wie vor weltweit aufgeführt und wurde insgesamt neun Mal verfilmt.

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