SPIELTRIEB von Juli Zeh

Yvonne Kraus


Hier stellen wir dir den Roman Spieltrieb von Juli Zeh vor.

So beginnt Spieltrieb

Der erste Satz von Spieltrieb lautet: „Ada war ein junges Mädchen und nicht schön.“

Dass eine Hauptfigur, die so eingeführt wird, eine Außenseiterrolle einnimmt, verwundert nicht. All die anderen Eigenschaften, die die 14-jährige Ada kennzeichnen – ihre Intelligenz, ihre Eloquenz und ihr Mangel an Verbundenheit – erfährt man erst später.




Freiwillige Außenseiterin

Nachdem sie aus ihrer alten Schule rausgeschmissen wurde, wechselt Ada in die 10. Klasse des (fiktiven) Ernst-Bloch-Gymnasiums in Bonn. Die Schülerschaft setzt sich in erster Linie aus auf Äußerlichkeiten bedachten Kindern aus „gutem Hause“ zusammen. Ganz im Sinne des Namensgebers werden jedoch auch die nahezu hoffnungslosen Fälle gerne in die Schule aufgenommen: Jugendliche, die wie Ada woanders rausgeflogen sind und auch nicht mehr an anderen Schulen unterkommen.

Wirklichen Anschluss findet Ada nicht. Aber sie interessiert sich ohnehin mehr für Bücher als für Menschen. Sie fühlt sich den Mitschülern überlegen und stört sich nicht daran, nicht zu den „Prinzessinnen“ zu zählen, von denen es so viele am Ernst-Bloch gibt. Lediglich zu Olaf, dessen Band-Proben sie regelmäßig besucht, entwickelt sich eine Freundschaft. Diese endet jedoch, als Ada ihn als Geburtstagsgeschenk seiner Band-Kollegen entjungfert.

Neuer Mitschüler mit Spieltrieb

Adas Leben und Interesse ändern sich, als der drei Jahre ältere Alev in ihre Klasse kommt. Belesen wie Ada, dabei selbstbewusst und charmant, ist er ein wahrer Magnet für seine Mitschüler. Und Ada findet in ihm erstmalig einen (fast) Gleichaltrigen, zu dem sie aufschaut, der sich wie sie für Philosophie und Bücher interessiert und bei dem sie das Gefühl hat, dass er selbst denkt und nicht nur nacherzählt, was er woanders gehört hat. Sie ist restlos fasziniert von diesem einen Menschen, der ihr noch etwas beibringen kann. Diese Faszination zeigt sich beispielsweise in folgendem Satz: „Ada zog den Blick aus seinem Gesicht wie ein Messer aus einem Stück Butter […].“

Sie wird einer seiner vielen Fans. Alev genießt es, Einfluss auf Ada zu haben. Er gibt ihr Bücher zur Spieltheorie und denkt sich selbst ein „Spiel“ aus, mit dem er den beliebten und engagierten Lehrer Smutek erpressen will – und für das er Ada braucht. Dabei spielen für ihn keine persönlichen Interesse eine Rolle, sondern lediglich kühles Kalkül und die Frage, was möglich und erreichbar ist. Oder wie Juli Zeh schreibt: „Alev arbeitete wie ein Nachrichtendienst, der den Gesamtplan hinter seinen Aufträgen nicht kennt.“

Ada, die sich trotz ihrer Intelligenz und Belesenheit von Alev zu diesem Spiel verführen lässt, fühlt sich bald zwischen den Stühlen, da sie Smutek gegenüber nicht die gleiche Kälte aufbringen kann wie ihr Mitspieler.




Entwicklungsroman und Geschichte einer Abhängigkeit

Spieltrieb von Juli Zeh ist eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte, da die Protagonisten, und allen voran natürlich Ada, weit reflektierter sind als das in ihrem jugendlichen Alter üblich ist. Gerade ihre Intelligenz führt zeitweise zu einer emotionalen Gleichgültigkeit, die das „Spiel“, das Alev sich ausgedacht hat, erst möglich macht. Wie alle Bücher von Juli Zeh lebt auch Spieltrieb nicht nur von einer starken Geschichte, sondern ebenso sehr von einer klaren und doch bildreichen Sprache. Viele der Vergleiche sind so ungewöhnlich und doch passend, dass sich allein deswegen die Lektüre lohnt.

Infos zum Buch

Spieltrieb
Juli Zeh
576 Seiten
Erstausgabe 2004

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