Juli Zeh ist eine deutsche Schriftstellerin und Juristin, die sich außerdem durch journalistische Tätigkeit und politisches Engagement auszeichnet.

Vita

Juli Zeh wurde 1974 in Bonn geboren. Sie studierte Jura in Passau und Leipzig sowie – zeitweise parallel – Literatur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig (DLL), wodurch ihre schriftstellerische Karriere begann. Zahlreiche Auslandsaufenthalte brachten sie unter anderem nach Bosnien und Herzegowina. Die Erlebnisse dort beeinflussten vor allem ihre frühen Bücher.

Nach ihren Abschlüssen 1998 und 2003 (1.und 2. juristisches Staatsexamen) bzw. 2000 (DLL) betätigte sie sich sowohl juristisch als auch schriftstellerisch und journalistisch. Einige Essays von ihr erschienen unter anderem in der Zeit. Darüber hinaus ist sie politisch engagiert, legte Verfassungsbeschwerde gegen den biometrischen Reisepass ein, äußerte sich wiederholt kritisch zu Überwachung durch den Staat und ist außerdem Tierschutzbotschafterin für eine Tierschutzstiftung.




Zudem ist Juli Zeh immer wieder als Dozentin tätig, sowohl im juristischen als auch im literarischen Bereich. So kehrte sie unter anderem ans DLL zurück, um dort zu unterrichten, und war als Gastdozentin in Düsseldorf und Witten/Herdecke tätig. Neben ihrem schriftstellerischen Wirken treibt sie weiterhin ihre juristische Karriere voran und ist 2010 in Saarbrücken zum Dr. jur. promoviert worden.

Veröffentlichungen

Die Bücher von Juli Zeh, die bislang erschienen sind, umfassen sowohl Romane als auch Sachbücher. Ihre erste Veröffentlichung Adler und Engel (2001) bildete gleichzeitig ihre Abschlussarbeit am DLL und wurde mittlerweile in über 30 Sprachen übersetzt.

Zudem veröffentlicht sie regelmäßig Essays und Artikel in den großen Zeitungen wie Zeit, Spiegel, Süddeutsche Zeitung und FAZ, die zum Teil als Sammelwerk unter dem Titel Alles auf dem Rasen herausgegeben wurden. Hinzu kommen veröffentlichte Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien, darunter in verschiedenen Sammelwerken des Rowohlt Verlags.

Mit Das Land der Menschen legte sie 2008 außerdem ihr erstes Kinderbuch vor. Sowohl der Entwicklungsroman Spieltrieb (2004) als auch die Gesundheitsdystopie Corpus Delicti (2009) wurden mittlerweile für das Theater adaptiert. Daneben hat sie unter anderem für das Schauspielhaus Düsseldorf weitere Theaterstücke verfasst. Außerdem liegen Hörbuchfassungen der meisten ihrer Romane vor. Die Verfilmung ihres Romans Schilf von 2007 kam 2012 in die Kinos.

Ihre Sprache zeichnet sich durch Klarheit und vor allem durch viele und ungewöhnliche Bilder aus. Für diesen besonderen Stil wird sie regelmäßig sowohl gefeiert als auch kritisiert.




Auszeichnungen

Bei den zahlreichen Auszeichnungen, die Juli Zeh mittlerweile verliehen wurden, sind besonders hervorzuheben der Deutsche Bücherpreis 2002 in der Kategorie Erfolgreichstes Debüt für Adler und Engel sowie der Ernst-Toller-Preis 2003, der für besondere literarische Leistungen im Grenzbereich von Literatur und Politik vergeben wird. 2009 erhielt sie den Solothurner Literaturpreis, der hervorragende literarische Leistungen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren auszeichnet.

Privates

Juli Zeh ist verheiratet und lebt in Brandenburg.

Überblick über die Bücher von Juli Zeh (Auswahl)

Adler und Engel (2001)

Max macht als Junganwalt und Spezialist für Völkerrecht Karriere, bis der Selbstmord seiner Freundin Jessie ihn aus der Bahn wirft und in die Drogensucht abdriften lässt. Die Radioreporterin Clara wird auf Max aufmerksam und will seine Geschichte erfahren.

Die Stille ist ein Geräusch (2002)

Bericht über eine Reise nach Bosnien, auf der Juli Zeh sich selbst ein Bild über das vom Krieg gebeutelte Land macht. Mit ihrem Hund fährt sie offenen Auges durch das Land und versucht, von den Menschen zu erfahren, was wirklich geschehen ist.

Ein Hund läuft durch die Republik (2004)

Unter anderem von Juli Zeh herausgegebener Sammelband mit literarischen Texten von jungen bosnischen Autorinnen und Autoren, die ihre Lebenswirklichkeit in dem vom Krieg geschundenen Land in den Mittelpunkt ihrer Texte stellen und so verarbeiten.

Spieltrieb (2004)

Einzelgängerin Ada und der charismatische Alev lernen sich in der Schule kennen und schätzen. Da keiner den beiden geistig das Wasser reichen kann, bilden sie schnell eine Art intellektuelle Zweckgemeinschaft. Auf Alevs Initiative hin beginnen die beiden ein „Spiel“ mit ihrem Lehrer Smutek.

Kleines Konversationslexikon für Haushunde (2005)

In Wörterbuchform und aus Hundesicht geschriebene Satire, in der dem durch den Menschen verwirrten Haushund die skurrilen Eigenarten von Frauchen bzw. Herrchen näher gebracht werden, um ihn vor folgenschweren Missverständnissen zu bewahren.

Alles auf dem Rasen (2006)

Sammlung von dreißig Artikeln und Essays, die in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, darunter Spiegel, Stern und Zeit, zuerst veröffentlich wurden. Eine Vielzahl an Themen taucht in den Texten auf und reicht von rechtlichen Fragen über Politik und Literatur bis hin zur Liebe.

Schilf (2007)

Sebastian und Oscar, zwei Physiker und Freunde aus Studientagen, stehen sich nicht mehr so nah, wie sie es früher taten, seit Sebastian geheiratet und eine Familie gegründet hat. Sebastian wird durch die Entführung seines Sohns erpresst, einen Mord zu begehen, den Kommissar Schilf aufklären soll.

Das Land der Menschen (2008)

Eine Wintergeschichte für Kinder über den Jungen Robs, der den Schnee liebt und sich fragt, warum er in diesem Jahr ausbleibt. Er träumt sich nach Grönland, wo das ganze Jahr Schnee liegt und wo er das Eskimomädchen Nitta trifft, die ihm alles über den Schnee erzählt.

Corpus Delicti (2009)

In einer nicht allzu fernen Zukunft sind alle Menschen verpflichtet, streng auf ihre Gesundheit zu achten und darüber dem Staat Rechenschaft abzulegen. Mia Holl ist seit dem Selbstmord ihres Bruders nicht mehr dazu in der Lage. Sie lässt ihre gesundheitlichen Pflichten schleifen und gerät so ins Visier der staatlichen Behörden.

Nullzeit (2012)

Sven und Antje haben sich ihren Lebenstraum erfüllt und eine Tauchschule auf Lanzarote eröffnet. Doch ihre Lebensvorstellungen gehen irgendwann so stark auseinander, das ihr Glück davon bedroht scheint.




Unterleuten (2016)

Im kleinen Dorf Unterleuten stehen große Veränderungen an: Windräder sollen für sauberen Strom sorgen. Die Dorfbewohner wollen sich ihre schöne Landschaft jedoch nicht verschandeln lassen. Gleichzeitig gehen einige davon aus, Profit aus dieser Sache schlagen zu können.

Leere Herzen (2017)

Im Jahr 20125 betreibt Britta ein ganz besonderes Geschäft: Sie organisert Selbstmordanschläge für zahlende Kunden. Und sie schafft es sogar, sich selbst einzureden, dass sie damit etwas Gutes tut. Allerdings tritt plötzlich ein Wettbewerber auf den Markt, der alles zu verändern drot.

Von Heike Huslage-KochSelbst fotografiert, CC BY-SA 4.0, Link