Paul Celan

Redaktion


Paul Celan war ein deutschsprachiger Dichter. Er zählt zu den bedeutendsten Lyrikern nach dem Zweiten Weltkrieg. Sein Gedicht Todesfuge ist eines der wichtigsten Werke, die sich mit dem Holocaust auseinandersetzen, und wurde in viele Sprachen übersetzt.

Leben

Paul Celan wurde am 23. November 1920 in Czernowitz, Rumänien (heute Ukraine) als Paul Antschel in eine deutschsprachige jüdische Familie geboren. Er änderte seinen Nachnamen später in Celan um, ein Anagramm von Ancel, der rumänischen Variante seines Nachnamens.

Seine Schulzeit war geprägt von unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Einflüssen. Er besuchte eine deutsche, dann eine jüdische Grundschule. Danach ging er auf ein rumänisches und bis zu seinem Abschluss auf ein ukrainisches Gymnasium. Nach dem Abitur begann er 1938 ein Medizinstudium in Frankreich, das er abbrach. Er kehrte ein Jahr später nach Czernowitz zurück und studierte Romanistik.




Während des Zweiten Weltkriegs besetzten rumänische und deutsche Truppen seinen Heimatort und 1942 wurden Celans Eltern deportiert. Beide starben im selben Jahr. Sein Vater erkrankte an Typhus und seine Mutter wurde erschossen. Paul Celan musste bis 1944 Zwangsarbeit in einem Lager leisten und konnte den grausamen Tod seiner Eltern nie überwinden. Krieg, der Verlust seiner Eltern und seine deutsch-jüdische Herkunft spiegelten sich später in seinen Gedichten wider.

Celan überlebte den Krieg und lernte 1948 Ingeborg Bachmann in Wien kennen, mit der er ein Liebesverhältnis einging. Danach zog er nach Paris und lebte bis zu seinem Tod in der französischen Hauptstadt. Neben dem Dichten arbeitete er als Lektor für Deutsch. 1951 begegnete er der Künstlerin Gisèle Lestrange, die er ein Jahr später heiratete. 1955 kam der gemeinsame Sohn Eric auf die Welt und Celan erhielt die französische Staatsbürgerschaft.

1960 freundete sich Paul Celan mit dem französischen Dichter Yvan Goll an. Nach Golls Tod beschuldigte dessen Witwe Celan des Plagiats. Die falschen Anschuldigungen belasteten Celan bis zu seinem eigenen Tod.

Der Dichter hatte immer wieder psychische Problemen und wurde im Verlauf seines Lebens mehrmals in psychiatrische Kliniken eingewiesen. Einmal bedrohte er in einem Zustand von Wahn seine Frau mit einem Messer. Das Paar trennte sich 1967.

Am 1. Mai 1970 wurde Paul Celans Leiche einige Kilometer von Paris entfernt in der Seine gefunden. Vermutlich nahm er sich Tage zuvor das Leben, indem er sich in den Fluss stürzte. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief.

Themen

Der Zweite Weltkrieg prägte das künstlerische Schaffen vieler jüdischer Autoren, die den Holocaust überlebt hatten, ein Leben lang. Sie litten unter anderem an der Überlebensschuld. So empfand auch Paul Celan diese Schuld gegenüber Juden, die den Krieg nicht überlebt hatten. Da er den Tod seiner Eltern nie überwinden konnte, waren die Schuldgefühle ihnen gegenüber besonders stark.

Die Gräuel des Holocausts lyrisch zu verarbeiten stieß zum Teil auf Ablehnung unter Autorenkollegen. Celan trug die Todesfuge vor der Gruppe 47 vor. Die Gruppe bestand aus bedeutenden Schriftstellern der Nachkriegszeit. Viele Dichter und Autoren forderten nach dem Krieg einen sachlichen Umgang mit dem Holocaust oder verfielen in Sprachlosigkeit. Die Todesfuge war der Gruppe zu leidenschaftlich und pathetisch. Auch der Philosoph Theodor W. Adorno kritisierte Paul Celan, da er der Meinung war, dass niemand ein Gedicht über den Holocaust schreiben solle.




Paul Celans Verhältnis zur deutschen Sprache war ambivalent. Mit dem Deutschen verband er Tod und Vernichtung. Dennoch versuchte er, mit der deutschen Sprache die Grausamkeiten des Krieges in Worte zu fassen. Er verfremdete die deutsche Sprache immer mehr.  Vor allem seine spätere Lyrik wurde zunehmend kryptisch und geheimnisvoll und der Dichter erfand eigene Begriffe. Sein Werk wurde vielfach interpretiert und kommentiert. Dennoch bleibt seine Lyrik oft dunkel und rätselhaft.

Neben den wiederkehrenden Themen Tod und Holocaust setzte sich Paul Celan lyrisch mit der Liebe auseinander. In vielen Gedichten lassen sich Anspielungen auf Ingeborg Bachmann und andere Geliebte finden. Seiner Frau widmete er eine Gedichtsammlung.

Werke

Trotz der vorzeitigen Ablehnung von anderen Autoren wurde die Todesfuge sein bekanntestes und wichtigstes Gedicht. Es gilt als Maßstab für die lyrische Aufarbeitung mit dem Holocaust. Es wurde in unzähligen Gedichtbänden und Schulbüchern abgedruckt und gilt bis heute als eines der wichtigsten Gedichte über den Zweiten Weltkrieg.

  • Der Sand aus den Urnen: Celans erste Gedichtsammlung, erschienen 1948, enthält den Erstdruck der Todesfuge
  • Mohn und Gedächtnis: Gedichtband, erschienen 1952, enthält die Todesfuge und Corona, ein Gedicht beeinflusst von seinem Verhältnis mit Ingeborg Bachmann
  • Von Schwelle zu Schwelle: Gedichtband, erschienen 1955, seiner Ehefrau Gisèle Lestrange gewidmet
  • Sprachgitter: Gedichtband, erschienen 1959
  • Atemwende: Gedichtband, erschienen 1967

Viele seiner Briefwechsel wurden nach seinem Tod abgedruckt, darunter Korrespondenzen mit Ingeborg Bachmann und der Nobelpreisträgerin Nelly Sachs.




Neben seinen Gedichten arbeitete Paul Celan als Übersetzer. Er beherrschte viele Sprachen und übertrug zahlreiche Werke ins Deutsche. Er übersetzte unter anderem Charles Baudelaire, William Shakespeare und Pablo Picasso.

Auszeichnungen

  • 1957: Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im Bundesverband der Deutschen Industrie
  • 1958: Bremer Literaturpreis
  • 1960: Georg-Büchner-Preis
  • 1964: Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
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