Ingeborg Bachmann

Redaktion


Ingeborg Bachmann (auch bekannt unter ihrem Pseudonym Ruth Keller) war eine österreichische Schriftstellerin. Die Autorin, die ursprünglich Musikerin werden wollte, begann schon in jungen Jahren Gedichte zu schreiben. Als prägend für ihre Arbeit und ihr Sprachgefühl darf ihre Herkunft aus dem Gailtal bezeichnet werden. Dort begegnen sich drei große Sprachfamilien. Ingeborg Bachmann hat sich als eine der wichtigsten Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerin des 20. Jahrhunderts einen besonderen Namen gemacht. Einmal im Jahr wird ein nach ihr benannter Preis verliehen.

Leben

Ingeborg Bachmann kam als erstes Kind von Mathias und Olga Bachmann (geborene Haas) am 25. Juni 1926 in Klagenfurt zur Welt. Hier besuchte sie auch die Volksschule und das katholische Ursulinengymnasium. Mit ausdrücklicher Unterstützung der Eltern, denen ein Studium nicht vergönnt war, studierte sie später Philosophie, Psychologie, Germanistik und Rechtswissenschaften an den Universitäten von Innsbruck, Graz und Wien.

In ihrer Doktorarbeit setzte sie sich 1950 kritisch mit dem Werk des deutschen Philosophen Martin Heidegger auseinander. Nach ihrem Studium war Bachmann von 1951 bis 1953 auch als Hörspielredakteurin in Wien tätig. Danach zog sie nach Rom und arbeitete dort unter ihrem Pseudonym Ruth Keller für Radio Bremen und die Westdeutsche Allgemeine. Der Zeitpunkt ihres literarischen Durchbruches lässt sich zweifelsfrei auf das Jahr 1952 datieren. Eine Lesung bei der Gruppe 47 verhalf ihr zu internationaler Bekanntschaft.




Ihr Privatleben kann hingegen als bewegt beschrieben werden. Ingeborg Bachmann wird als Frau von auffallender Gegensätzlichkeit beschrieben (…) „Schüchtern und karrierebewusst, liebesabenteuerlustig und einsam, hilflos und selbstbestimmt, vielsprachig und desorganisiert“*. (…) Bachmann war mehrfach unglücklich mit dem Dichter Paul Celan liiert. Dieser Beziehung folgt eine intensive Liaison mit dem Schriftsteller Max Frisch.

Infolge der schweren Verletzungen, die sie sich bei einem durch eine brennende Zigarette ausgelösten Hausbrand im September 1973 zuzog, wurde Ingeborg Bachmann in ein römisches Krankenhaus eingewiesen. Dieses sollte sie nicht mehr lebend verlassen. Am 17. Oktober 1973 starb sie nicht nur aufgrund der schweren Verbrennungen, die sie erlitten hatte. Zusätzlich trugen schwere Entzugserscheinungen zu ihrem frühen Ableben bei: die sie betreuenden Ärzte hatten nicht adäquat ihre schwere Medikamentenabhängigkeit behandelt. Bachmann wurde nur 47 Jahre alt.

Frühwerk

Das Werk von Ingeborg Bachmann lässt sich weder von ihrem Erfolg als Lyrikerin noch von ihrem teils sehr bewegten Privatleben trennen. Ihre Aufgabe sah sie grundsätzlich darin, (…) „die Menschen dorthin zu bringen oder mitzureißen, in die Erfahrungen, die die Schriftsteller machen“ (…) (neue Leid-Erfahrungen).

Wichtig zum Verständnis von Ingeborg Bachmann ist auch ihre Präsenz in einer überwiegend männlich dominierten Gesellschaft. Mit der ihr eigenen und ganz besonderen Färbung ist es ihr gelungen, künstlerisch einen Typus von Frau zu prägen, der seine Weiblichkeit selbstbewusst und bisweilen mit einer schroffen Direktheit präsentiert. Die Arbeit „Ein Schritt nach Gomorrha“ lässt sich als ebenso gutes Beispiel aufführen wie „Undine geht“.




Beiden Werken sind ihre für die Nachkriegszeit sehr direkte und selbstbewusste feminine Positionen gemein. In ihren Arbeiten setzte sich Bachmann außerdem immer wieder intensiv mit den Widersprüchen und Spannungsbögen auseinander, die bestimmten Systemen eigen sind. Zu diesen Systemen zählte die Autorin sowohl Sprache oder Politik oder auch Geschlechterrollen schlechthin.

Spätwerk

Bis 1971 war Ingeborg Bachmann dem Publikum hauptsächlich aufgrund ihrer lyrischen Arbeit bekannt. Es war erst in diesem Jahr, dass ihr Debütroman „Malina“ erschien, der ihr zur weiteren Bekanntschaft verhilft.

Ihr Spätwerk lässt sich als besonders progressiv und stilprägend bezeichnen. Hart ging sie in dieser Phase nicht nur mit dem Patriarchat zu Gericht. Ebenso aufrüttelnd sollten ihre Werke Frauen ansprechen und sie aus dem sich immer wieder etablierenden Mann-Frau-Verhältnissen schonungslos lösen helfen.

Dabei ging Bachmann mitunter radikal-provokativ vor, indem sie beispielsweise den Faschismus mit der Art und Weise verglich, wie Männer und Frauen sich begegnen und behandeln. Ein gewisser Selbstbezug ist ihren Betrachtungen ebenso gemein wie eine speziell auf Wiener Verhältnisse gemünzte Kritik.

Werke

Gedichte (Auswahl)

  • Alle Tage
  • Die gestundete Zeit
  • Erklär mir, Liebe
  • Reklame
  • Wahrlich



Gedichtsammlungen (Auswahl)

  • Die gestundete Zeit
  • Anrufung des Großen Bären

Prosa (Auswahl)

  • Die Fähre
  • Im Himmel und auf Erden
  • Auch ich habe in Arkadien gelebt
  • Portrait von Anna Maria
  • Der Hinkende
  • Der Fall Franza
  • Malina
  • Requiem für Fanny Goldmann
  • Simultan

Auszeichnungen (Auswahl)

  • Preis der Gruppe 47 (1953)
  • Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen (1957)
  • Hörspielpreis der Kriegsblinden (1959)
  • Deutscher Kritikerpreis (1961)
  • Georg-Büchner-Preis (1964)
  • Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur (1968)
  • Anton-Wildgans-Preis (1971)

*Wochenmagazin Die Zeit Nr. 48/2017

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