Der Richter und sein Henker ist auf den ersten Blick ein fast gewöhnlicher Kriminalroman. Doch die verzwickte Geschichte hat mehr zu bieten.

Inhaltliche Zusammenfassung Der Richter und sein Henker

Hans Bärlach arbeitet als Kriminalkommissar in Berlin. Sein aktueller Fall berührt ihn persönlich, denn einer seiner Mitarbeiter wird erschossen. Ulrich Schmied war der beste Ermittler unter Bärlach. Da dieser unter einem Magengeschwür leidet und sich krankschreiben lässt, setzt er seinen Mitarbeiter Tschanz auf den Fall an, der Schmieds Stelle einnimmt. Tschanz hat auch bald einen ersten Hinweis: In Schmieds Kalender findet sich am Tag seines Todes der Eintrag „G.“. Damit kann – so Tschanz – nur Gastman gemeint sein, ein einflussreicher Bürger der Stadt, der seine Macht und sein Geld für den Lobbyismus nutzt.

Bärlach und Tschanz statten Gastmann einen Besuch ab. Bärlach wird dabei von Gastmanns Hund so angegriffen, dass Tschanz nur noch eingreifen kann, indem er den Hund erschießt. Gastmann verweigert sich den Beamten ansonsten, und der Polizeichef fordert Tschanz und Bärlach auf, den Mann in Ruhe zu lassen.

Bärlach erhält Besuch von Gastmann. Offensichtlich kennen die beiden sich schon seit Jahrzehnten, auch wenn Gastmann nicht der richtige Name des einflussreichen Mannes ist. Vor mehr als vierzig Jahren hat Gastmann mit Bärlach gewettet, dass er ein Verbrechen vor dessen Augen begehen könne und Bärlach nichts dagegen tun kann. Tatsächlich hat Gastmann einen Unbeteiligten von einer Brücke gestoßen. Seitdem versucht Bärlach, Gastmann dieses Verbechen nachzuweisen. Er gibt zu, Schmied auf Gastmann angesetzt zu haben.

Tschanz, der immer mehr seinem Vorgänger ähnelt und auch dessen Auto gekauft hat, will Gastmann wegen des Mordes an Schmied verhaften. Bärlach sagt ihm jedoch, dass sie die Ermittlungen einstellen. Tschanz fährt daraufhin auf eigene Faust zum Anwesen von Gastmann, wo er von ihm und zwei Dienern gestellt wird. Es kommt zu einer Schießerei, in deren Verlauf Tschanz verletzt wird, die anderen drei Männer aber tötet.

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Bärlach lädt Tschanz zu einem Dinner ein, bei dem er ihm erklärt, dass er weiß, dass Tschanz Schmied aus Eifersucht getötet hat. Er weist dies anhand der Kugel nach, mit der Tschanz Gastmanns Hund getötet hat. So aht Bärlach von Anfang an geplant, Gastmann für sein Verbrechen zu strafen, und Tschanz war sein unwissender Handlanger.

Am nächsten Tag begeht Tschanz Selbstmord. Bärlach wird am Magen operiert.

Die wichtigsten Figuren in Der Richter und sein Henker

Bärlach

Bärlach ist Kriminalkommissar und von einem Fall besessen, der mehr als vierzig Jahre zurückliegt. Nach einer Wette hatte Gastmann einen Unbeteiligten getötet und ist dafür nie bestraft worden. Bärlach hat sein ganzes Leben auf diesen Vorfall hin ausgerichtet, um doch noch Gerechtigkeit walten zu lassen. Er wurde Kriminalkommissar und verfolgte Gastmann, der zu einer einflussreichen Persönlichkeit aufstieg. Am Ende helfen Bärlach nur Tricks und Finten, um doch noch sein Ziel zu erreichen und Gastmann zu bestrafen.

Gastmann

Gastmann hat als junger Mann einen Mord verübt, für den er nicht bestraft wurde. Genau wie bei Bärlach wurde sein weiteres Leben von diesem Vorfall bestimmt. Die Erfahrung, dass er ungestraft tun kann, was er will, sorgte dafür, dass er skrupellos wurde und sich eien Machtposition erarbeitet. Er war Bärlach immer ein paar Schritte voraus und rechnete nicht mehr damit, von ihm bestraft zu werden.

Tschanz

Tschanz ist Bärlachs Mitarbeiter. Aus Eifersucht auf dessen Stelle, Leben und Freundin bringt Tschanz Ulrich Schmied um. Bärlach ist dies schon früh klar, er nutzt diese Information jedoch, um Tschanz zu instrumentalisieren. Während Tschanz also glaubt, dass er Gastmann ein Verbrechen anhängt, dass er selbst begangen hat, ist er in Wahrheit der Handlanger seines Vorgesetzten und begleicht dessen Jahrzehnte alte Rechnung.

Als Tschanz erfährt, dass er einer ganzen Reihe von Fallen Bärlachs auf den Leim gegangen ist und nun mehrere Morde verübt hat, nimmt er sich das Leben.

Themen und Aussagen

Selbstjustiz

Kommissar Bärlach ist – anders als sein Beruf das vermuten lässt – nicht an der Wahrheit interessiert. Sein einziges Ziel ist es, Gastmann nach über vierzig Jahren doch noch zur Rechenschaft zu ziehen. Da er über einen juristischen Weg nichts ausrichten konnte und Gastmann von höchster politischer Stelle geschützt wird, ergreift Bärlach die Chance, seinen Mitarbeiter zu instrumentalisieren und Gastmann so für ein anderes Verbrechen zu bestrafen.

Um Gerechtigkeit geht es ihm dabei offensichtlich nicht mehr. Vielmehr will er am Ende damit Recht behalten, dass es kein perfektes (= ungesühntes) Verbrechen gibt. Ihm geht es also immer noch darum, seine Wette zu gewinnen, er glaubt sich damit aber gleichzeitig auf der Seite der Gerechtigkeit.

Dabei stellt er mit seinen Fallen und Intrigen eigentlich das Gegenteil unter Beweis. Denn Gastmann wird von Tschanz nicht für das Verbrechen getötet, das er tatsächlich begangen hat. Tschanz will sich nur selbst schützen und seinen Mord vertuschen. Eigentlich hat Gastmann also doch das perfekte Verbrechen begangen. Wofür er mit seinem Leben bezahlen muss ist die Beharrlichkeit Bärlachs.

Bärlach ist das egal. Dadurch, dass Gastmann tot ist, ist für ihn die Gerechtigkeit wieder hergestellt. Er hat nicht einmal vor, Tschanz für seinen Mord an Schmied zu bestrafen. Dieser Kommissar verkörpert also das Gegenteil von Recht und Gerechtigkeit. Er definiert selbst, wer welche Strafe erhalten sollte, und manipuliert sein Umfeld so, dass er seine Ziele erreicht.

Weitere Infos zum Buch

Der Richter und der Henker ist der erste Roman von Friedrich Dürrenmatt. Er erschien zunächst in einer Zeitschrift, bevor er als Buch verlegt wurde. Es gibt mehrere Adaptionen des Romans für Film, Fernsehen, Radio und sogar als Comic.

Über den Autor

Hier findest du mehr Informationen über den Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt.