Mobbing an Schulen ist in den letzten Jahren zu einem großen Problem geworden. Wir erklären dir hier, was Mobbing ist, wie du Mobbing erkennst und was du dagegen tun kannst.

Immer häufiger ist von Fällen zu lesen und zu hören, in denen Schüler systematisch von einzelnen Personen oder ganzen Gruppen gemobbt werden. Die damit einhergehenden Probleme für die Opfer können nicht nur von kurzfristiger Natur sein, sondern langfristig für Schwierigkeiten mit der eigenen Psyche sorgen. Trotzdem ist der Umgang mit dem Thema noch immer nicht ganz einfach. Wie lässt sich mit dem Thema Mobbing in der Schule umgehen und auf welche Dinge ist zu achten?

Wie ist Mobbing in der Schule definiert?

Die Definition von Mobbing ist nicht immer ganz einfach, was es schwieriger macht, Betroffenen zu helfen oder problematisches Verhalten frühzeitig zu erkennen. Was wie ein kurzer Streit zwischen zwei Schülern aussieht, kann durchaus auch Mobbing sein, wenn der Konflikt sich bereits in einem Stadium befindet, in dem er systematische Züge angenommen hat und die entsprechenden Betroffenen aus ihrer Rolle als Täter bzw. Opfer heraus handeln. Auch für diejenigen, die aktiv Mobbing betreiben oder das Opfer von Mobbing sind, ist es nicht immer klar zu erkennen, in welcher Situation sie sich befinden. Das macht das Thema so sensibel und bringt entsprechende Herausforderungen mit sich.

Mobbing beginnt dann, wenn die Probleme eine gewisse Regelmäßigkeit aufweisen und sich auf eine bestimmte Person oder Personengruppe konzentrieren. Dabei suchen mobbende Schülerinnen und Schüler sich meist Kriterien heraus, für die ein Mitschüler gemobbt wird. Dies kann das Aussehen einer Person sein, die Kleidung, Hautfarbe, Religion oder auch bestimmte Verhaltensweisen. Da der wahre Grund für das Mobbing in der Schule ein anderer ist – Zugehörigkeit zu oder Augeschlossenheit von einer Gruppe – kann quasi alles als Auslöser für Ausgrenzung und Demütigung dienen. Rationale Beweggründe spielen dann keine Rolle mehr. Täter suchen sich Opfer, die sich in der Regel nicht gegen den Psychoterror wehren können. Die Folgen können für das Opfer drastisch sein, wenn das Mobbing unbemerkt bleibt.




Der erste Schritt: Mobbing erkennen

Die wohl größte Herausforderung beim Mobbing in der Schule liegt darin, dass dritte Personen – oder auch die Opfer – oft gar nicht erkennen, dass sie das Ziel von Mobbing sind. Wer das Ziel von Mobbing ist, sucht nicht selten die Schuld bei sich. Schließlich ist genau das die Logik beim Mobbing: Jemandem wird eingeredet, dass er anders, nicht gut genug, kein Teil der Gemeinschaft ist, und dass er selbst dafür verantwortlich ist. Gerade jüngere Schülerinnen und Schüler erkennen diese perfide Logik nicht, sondern beziehen tatsächlich alles auf sich selbst.

Selbst, wenn der Betroffene selbst es erkennt, wird er wahrscheinlich kaum Hilfe im Umfeld suchen. Bei wem auch? Mitschülerinnen und Mitschüler haben sich als nicht vertrauenswürdig erwiesen. Lehrkräfte werden auch oft nicht angesprochen, weil man glaubt, dass diese das Ganze längst durchschaut haben müssten und auf Seite der Angreifer stehen. Selbst zuhause verschweigen viele Schülerinnen und Schüler, die zur Zielscheibe von Mobbing geworden sind, was ihnen täglich in der Schule geschieht. Zum einen wollen sie häufig eine „Mobbing-freie“ Zone haben, in der sie zumindest ein wenig Abstand zu den Ereignissen in der Schule gewinnen können. Zum anderen besteht oft Scham darüber, dass man Angriffsfläche für andere biete, fast so, als würde die Tatsache, dass andere einen ausgrenzen genau den Grund für weitere Ausgrenzung liefern.

Da Betroffene selbst also wahrscheinlich nicht von sich aus das Mobbing öffentlich machen, liegt es an Mitschülern, Lehrkräften und Eltern, Anzeichen zu erkennen und professionell zu reagieren.

Diese Anzeichen stellt man häufig erst dann fest, wenn das Mobbing bereits eine Weile andauert. Zu leicht verwechselt man die Situation sonst mit einem Streit unter Freunden. Lehrkräfte können darauf achten, ob einzelne Schülerinnen oder Schüler isoliert werden, häufiger dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt werden, viel allein sind oder ganze Gruppen gegen sich haben.

Eltern sollten auf Wesensveränderungen ihres Kindes achten. Ist das Kind plötzlich zurückgezogener, erzählt weniger, hat selten bis nie Freunde zu Besuch? Dann sollten Eltern offen mit ihrem Kind über die Situation sprechen.

Mitschülerinnen und Mitschüler, die feststellen, dass eine Gruppe sich auf einen Einzelnen „eingeschossen“ hat, sollten die Unterstützung von Lehrern und Eltern suchen.




Warum ist Mobbing in der Schule zu so einem Problem geworden?

Forscher und Psychologen sind sich nicht sicher, warum es gerade in den letzten Jahren eine so deutliche Zunahme von Mobbing-Fällen gegeben hat. Fakt ist aber, dass Mobbing in der Schule inzwischen zu einem Hauptproblem für Schüler, Eltern und Lehrkräfte geworden ist und auch Aufklärungskurse und Intensivtraining der Verantwortlichen bisher keine wirkliche Besserung zeigen. Es ist davon auszugehen, dass es aufgrund der großen Diversität in den Schulen und nicht zuletzt aufgrund des Leistungsdrucks dazu kommt, dass das Mobbing in der Schule in den letzten Jahren eine deutliche Häufung erfährt. Während sich das Problem vielleicht an einzelnen Schulen eindämmen lässt, sind die möglichen Folgen für das Opfer fatal.

Hinzu kommt ein technischer Aspekt: Nie war es einfacher, sich ungesehen zu organisieren und über einzelne Schüler auszutauschen, als zu Zeiten von WhatsApp und SnapChat. Social Media wird außerdem gezielt eingesetzt, um Mitschüler zu demütigen.

Die Opfer von Mobbing sind in der Regel noch lange Zeit nach dem Ende ihrer Schulzeit von den Vorgängen traumatisiert. Sie verfügen oft über ein geringes Selbstbewusstsein, zeigen deutliche Probleme bei ihren schulischen Leistungen und fallen durch häufige Krankheits- und Fehltage auf. Im Berufsleben sind sie empfindlicher, wollen nicht anecken und verpassen dadurch manchmal wertvolle Chancen.

Nicht zuletzt kann Mobbing im schlimmsten Fall zu suizidalen Tenzden bei dem Opfer führen. Entsprechende Fälle gab es besonders in den USA in den letzten Jahren vermehrt, und besonders die Mischung mit dem Leistungsdruck wird von vielen Experten und Psychologen als eine kritische Verbindung angesehen.

Wie kann Mobbing in der Schule bekämpft werden?

Es gibt keine klare Formel für die Bekämpfung von Mobbing in der Schule. Die einzelnen Schicksale und Beweggründe sind zu unterschiedlich, um einen einfachen Fahrplan für die Bekämpfung auszugeben. Der Schlüssel dürfte hier vor allem in der Aufmerksamkeit liegen. Lehrer und Eltern müssen darüber aufgeklärt werden, was die typischen Anzeichen für Mobbing sind und wie sie sich in einem solchen Fall richtig verhalten.

Innerhalb der Schule sollte es klar definierte Ansprechpartner und Vertrauenspersonen geben, an die sich nicht nur die Betroffenen wenden können, sondern auch Schüler, die problematisches Verhalten beobachtet haben. Aufklärung ist mometan das wohl wichtigste Ziel an den Schulen. S

chüler, Lehrer und Eltern müssen sich darüber bewusst sein, dass das Mobbing inzwischen zu einem echten Problem geworden ist – und dass es Menschen gibt, die sich darum kümmern können und die in einem solchen Fall helfen. Eine positive Umgebung zu schaffen, hilft also den Opfern wie denjenigen, die das Gefühl haben, dass ein Mitschüler vielleicht das Opfer von Mobbing geworden ist.




Wo gibt es Hilfe gegen Mobbing in der Schule?

Wenn du selbst dich als Zielscheibe deiner Mitschülerinnen und Mitschüler fühlst, mache dir zunächst klar, dass es nicht deine Schuld ist. Nicht du verhältst dich falsch, sondern diejenigen, die dich gezielt ausgrenzen und verletzten wollen.

Es ist also dein gutes Recht und auch deine Verantwortung dir selbst gegenüber, dir Hilfe zu suchen. Sprich mit deinen Eltern oder dem Vertrauenslehrer an deiner Schule. Du kannst auch mit deiner Klassenlehrerin sprechen. Dies sollte immer ein Vier-Augen-Gespräch sein, damit du ganz offen sprechen kannst. Bitte deine Lehrerin am besten um einen Termin.

Da so ein Gespräch vielleicht nicht einfach für dich ist, bereite dich am besten darauf vor. Schreibe auf, wie du die Situation beschreiben möchtest. Du musst nicht sagen: „Ich werde gemobbt“, wenn dir das schwerfällt. Du kannst auch sagen, dass du dich unwohl in der Klasse fühlst, weil du ausgeschlossen wirst, oder dass es eine Gruppe von Mitschülern gibt, die dich immer wieder ärgern, bedrohen oder Lügen über dich erzählen. Du solltest dann auch ganz klar sagen, dass du Unterstützung  haben möchtest und selbst nicht weißt, wie du damit umgehen kannst.

Was du auf keinen Fall tun solltest, ist, die Schikanen der Mitschüler zu erdulden. Warte nicht, ob sich etwas verbessert, denn in dieser Zeit wird sich auf jeden Fall etwas verschlimmern. Suche dir Unterstützung und sprich mit Erwachsenen, die dir aus dieser Situation helfen werden.

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