Die Demokratie hat ihren Ursprung in Griechenland. In Athen haben sich bereits vor mehr als 2 500 Jahren erste Formen eines demokratischen Systems entwickelt.

Aristokratie in Griechenland: Kluft zwischen Arm und Reich

Da die Landschaft in Griechenland bergig ist und es viele kleine Inseln gibt, haben sich in der Antike statt eines großen Königreichs viele kleine voneinander unabhängige Stadtstaaten (Polis) gebildet. Der größte Stadtstaat in Griechenland war Athen. Die Polis Athen umfasste die gesamte Halbinsel Attika. Zu ihr gehörten zudem umliegende Bauern- und Fischersiedlungen. Zur Blütezeit hatte Athen ca. 300 000 Bürger.

Während der Aristokratie (Adelsherrschaft) in Griechenland wurde die Kluft zwischen den Reichen und Armen immer größer. Das Volk wählte sogenannte Archonten. Diese adligen Beamten regierten ein Jahr lang. Ausschließlich Adelige konnte zum Archonten werden. Bürger, die ein Recht hatten zu wählen, traten ihr Wahlrecht oft an Adelige ab, um ihre Schulden bei diesen zu begleichen. Somit hatten die armen Bauern, Fischer oder Hirten so gut wie keine politischen Rechte.

Die Anfänge einer Volksherrschaft in Griechenland unter Solon

Da immer weniger Athener Rechte besaßen, stieg die Gefahr eines Aufstandes. Aus diesem Grund wurde 594 v. Chr. Solon als Friedensrichter bzw. Archonton gewählt. Solon sollte ausgleichende Gesetze erarbeiten, damit wieder Ruhe einkehrt.

Solon beschloss folgende Gesetze: Damit die Armen ihre Stimme bei Wahlen nicht an Adelige abgeben mussten, um ihre Schulen zu begleichen, befreite Solon sie von ihren Schulden. Zudem wurde die Sklaverei beseitigt. Die Bürger erhielten einige Rechte, die abhängig von den vier Klassen waren, in die Solon die Gesellschaft einteilte.

Zur ersten Klasse gehörten Großgrundbesitzer, die das Recht hatten, hohe Staatsämter auszuführen. Der zweiten Klasse gehörten Großbauern, Handwerker und Händler an, die mittlere Staatsämter ausführen durften. Kleinbauern, Kleinhandwerker und Fischer gehörten zu dritten Klasse, die an Volksversammlungen teilnehmen durften. In der letzten Klasse befanden sich Tagelöhner.

Mit der Einführung seiner Gesetze schuf Solon bereits signifikante Voraussetzungen für ein demokratisches System. Die Unzufriedenheit der Gesellschaft hielt jedoch an, da nur Adelige ein Staatsamt übernehmen durften. Diese Unzufriedenheit führte so weit, dass für einige Zeit wieder eine Diktatur (Tyrannenherrschaft durch Peisistratos) herrschte.

Die Entwicklung der Demokratie durch Kleisthenes

508/507 v. Chr. kam es dann erneut zu einer Blütezeit der Volksherrschaft, als Kleisthenes in Athen die demokratia einführte. Er erarbeitete eine neue Verfassung, die eine Gleichstellung aller freien Bürger Athens involvierte. Daraus folgte eine Neuverteilung der Macht.

Kleisthenes führte wieder eine Volksversammlung ein, bei der die Bürger automatisch Mitglied waren. Alle Bürger hatten das gleiche Stimmrecht und jeder durfte sich für ein Staatsamt wählen lassen. Zur Gewährleistung einer Gleichbehandlung wurden die meisten Ämter sogar durch Los an die Bürger verteilt.

Die Volksversammlung (Ekklesia) beschloss Gesetze, kontrollierte die Regierung und war unter anderem für die Wahl von Richtern oder Beamten zuständig. Zudem gab es den sogenannten Rat der 500, der für alle Staatsgeschäfte zuständig war und die Volksabstimmungen vorbereitete. Im Rat der 500 waren alle Schichten gleichermaßen vertreten.

Die Volksgerichte, deren Mitglieder von der Volksversammlung gewählt wurden, waren verantwortlich für die Durchführung von Gerichtsverfahren, die Bekämpfung von Kriminalität und die Kontrolle der Märkte sowie Häfen. Es wurden sogar Sitzungsgelder eingeführt, um zu verhindern, dass arme Bürger durch ihre Teilnahme an den zahlreichen Sitzungen keine Zeit mehr haben, zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Die Macht in Athen ging zwar nun vom Volk aus, allerdings waren Frauen sowie Sklaven davon ausgeschlossen.

Vollendung der Athenischen/Attischen Demokratie unter Perikles

462 v. Chr. entschied Perikles, dass alle politischen Entscheidungen endgültig von der Volksversammlung, dem Rat der 500 und der Volksgerichte getroffen werden. Nach dem Bürgerrechtsgesetz von Perikles aus dem Jahr 451 v. Chr. musste ein athenischer Bürger von einer athenischen Mutter und einem athenischen Vater abstammen, um volle Rechte zu erlangen.

Von 443 bis 429 v. Chr. wurde Perikles von den Athenern jedes Jahr neu zu ihrem Staatsoberhaupt gewählt (perikleisches Zeitalter). In seiner Stellung als Militärbefehlshaber wurde er zur einflussreichsten Führungspersönlichkeit in der Attischen Demokratie. Das Strategenamt war in Hinsicht auf Sicherheit und Machtstellung Athens ein besonders wichtiges Amt. Zudem war das Amt das letzte einflussreiche Wahlamt neben der ansonsten vorherrschenden Ämterlosung. Die Volksversammlung hatte Vertrauen in seine Pläne und Vorschläge und somit war Perikles durch ihre Zustimmungen und Beschlüsse handlungsfähig.

Perikles ist als echter Demokrat bekannt, da er nie den Versuch unternahm, alleine zu herrschen. Er sorgte dafür, dass die armen Bürger Unterstützung durch den Staat bekamen und dass auch in den Mitgliedsstaaten ein demokratisches System eingeführt wurde. Während des perikleisches Zeitalters wurde das demokratische System in Griechenland verbessert und stabilisiert. Zwei Jahre, nachdem der peloponnesische Krieg (Krieg mit Sparta) ausgebrochen war, verstarb Perikles an der Pest.

Das Ende der Athenischen/Attischen Demokratie

431 bis 404 v. Chr. überstand Athen den Peloponnesischen Krieg gegen Sparta. Selbst als Alexander der Große von Makedonien seine Macht immer weiter ausbaute, bestand Athen weiterhin. Allerdings änderte sich das mit dem Nachfolger Alexanders. Mit dem Ansturm von Antipatros mussten sich die Bürger in Athen geschlagen geben. Das Ende der attischen Demokratie wurde eingeläutet.

In der Blütezeit der antiken klassischen Demokratie herrschte eine fast vollständige Selbstregierung der athenischen Bürgerschaft. Solch eine direkte Volksherrschaft und Bürgerbeteiligung ist von keiner Demokratie je wieder erreicht worden.

Auch wenn sich das damalige demokratische System in der Hauptstadt Griechenlands nur bedingt mit unserer modernen Demokratie vergleichen lässt, gibt es drei bedeutende Gemeinsamkeiten: Die Entstehung war eine Reaktion auf Machtmissbrauch durch Einzelne. Zudem ist die bedeutendste Aufgabe der Volksherrschaft, die Regierung und die Gerichte zu kontrollieren. Und die Demokratie wird gefährdet durch Populisten, die der Gesellschaft kurzsichtige und unrealistische Pläne unterbreiten, die im Kontrast zu den realistischen Plänen eines verantwortungsvollen Politikers stehen.