Was ist eigentlich ein Entwicklungsroman?

Yvonne Kraus


Entwicklungsromane handeln vom Erwachsenwerden. Deswegen sind sie als Schullektüre besonders beliebt.

Was ist ein Entwicklungsroman?

Wie der Name „Entwicklungsroman“ vermuten lässt, handelt es sich bei dieser Romangattung um eine Erzählung, in der die Hauptfigur eine wichtige geistig-seelische Entwicklung durchlebt.

Meist ist der Protagonist ein Jugendlicher. Viele Entwicklungsromane haben männliche Hauptfiguren, es gibt jedoch auch immer mehr mit Protagonistinnen.

Die Geschichte wird aus der Sicht der Hauptfigur erzählt,  d.h. der Entwicklungsroman ist meist in der Ich-Form geschrieben.




Motive des Entwicklungsromans

Der zentrale Konflikt der Hauptfigur kann sowohl in ihr selbst liegen als auch im Zusammenhang mit ihrer Umwelt stehen. Meist steht der Protagonist mit beiden in Konflikt, aus dem er nach Lösung aller Probleme gereift hervorgeht.

Das Scheitern spielt oft eine große Rolle im Entwicklungsroman: Der Held erlebt etwas Negatives, das er einordnen und überwinden muss.

Nicht immer gelingt ihm dieses Überwinden. Der Reifungsprozess kann auch darin bestehen, dass der Erzähler einsieht, dass er Dinge falsch gesehen, falsch eingeordnet oder falsch gemacht hat, und daraus resultierend einen neuen Weg für sein Leben einschlägt.

Bildungs- und Entwicklungsroman

Eng verwandt mit dem Entwicklungsroman ist der Bildungsroman, wobei in letzterem jedoch davon ausgegangen wird, dass der Protagonist am Ende der Entwicklung einen höheren Bildungsstand als vorher erreicht hat. Im Entwicklungsroman ist dies nicht zwingend der Fall.

Der Bildungsroman orientiert sich außerdem am Ideal des Bildungsbegriffs der Aufklärung.

Bekannte Entwicklungsromane

Ein besonders bekannter Entwicklungsroman ist Der Fänger im Roggen von J. D. Salinger, in dem der Ich-Erzähler Haulden Caulfield über einen Schulverweis und seine darauf folgende Odyssee durch Manhattan berichtet.

Da der Entwicklungsroman vor allem in der deutschen Literatur weit verbreitet ist, haben namhafte deutschsprachige Schriftsteller sich in diesem Genre hervorgetan. So zählen zum Beispiel Siddharta von Hermann Hesse, Homo Faber von Max Frisch, Die Blechtrommel von Günter Grass und Der Zauberberg von Thomas Mann zur Gattung Entwicklungsroman.

Weitere bekannte Entwicklungsromane sind:




Jugendliche und Entwicklungsromane

Im Entwicklungsroman spielen Jugendliche und ihre Schwierigkeiten während der Zeit des Erwachsenwerdens eine besondere Rolle.

Daher sind die Themen, die im Entwicklungsroman angesprochen werden, besonders für ein jugendliches Publikum interessant. In der jüngeren Vergangenheit sind daher eine Reihe von Jugendromanen erschienen, die sich dem Genre Entwicklungsroman zurechnen lassen.

Vor allem Schul- und Internatsgeschichten handeln vom Erwachsenwerden, den Schwierigkeiten mit sich selbst und den Mitmenschen zu dieser Zeit. Sie stellen den Reifeprozess der Haupt- und Identifikationsfigur dar.

Die Harry-Potter-Reihe lässt sich somit ebenfalls in dieses Genre einordnen und kann als der erfolgreichste Entwicklungsroman bezeichnet werden.

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