Herrmann Hesse

Redaktion


Der Nobelpreisträger Hermann Hesse machte sich bereits zu Lebzeiten einen Namen als Schriftsteller, Maler und Dichter. Seine Werke Der Steppenwolf und Siddhartha, die in über 55 Sprachen übersetzt worden sind, gehören zu den bekanntesten deutschsprachigen Romanen. Der aus einer vielreisenden Familie stammende Deutsch-Schweizer lebte von 1877 bis 1962 in der italienischen Schweiz.

Leben

Hermann Hesse wurde am 2. Juni 1877 im baden-württembergischen Calw als Sohn einer evangelischen Missionarsfamilie geboren. Bereits als Kind sprudelte er vor Fantasie über und begeisterte seine Eltern mit seinem stürmischen Temperament. Die Kindheit des späteren Nobelpreisträgers war von der kleinbürgerlichen Welt Schwabens geprägt, in der seine international aktive Missionarsfamilie immer fremd war. Die Erlebnisse dieser ersten Jahre verarbeitete der Schriftsteller in seinen Gerbersau-Erzählungen.
Hermann Hesse schloss die Lateinschule mit dem württembergischen Landesexamen ab, das ihn auf eine Zukunft als Pfarrer vorbereiten sollte. Aufgrund seines rebellischen Charakters verweigerte sich Hermann Hesse den festen Regeln im evangelisch-theologischen Seminar im Kloster Maulbronn. Während dieser Zeit kam es auch zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Familie, die für Hesse in Suizidgedanken und Depressionen mündeten. Eine begonnene Buchhändlerlehre, eine Mechanikerlehre und ein zweiter Versuch, als Buchhändler eine Ausbildung zu erhalten, zeigen, dass Hermann Hesse zwar den bodenständigen Weg verfolgen wollte, an diesem jedoch scheiterte. Seine Jugenderfahrungen und die pubertäre Suche nach sich selbst beschrieb er später im Roman Unterm Rad. Letztlich schloss er eine Lehre als Buchhändler in Tübingen erfolgreich ab und nutzte die Jahre der Ausbildung, um sich fortzubilden. Seine Karriere als Schriftsteller begann Hermann Hesse noch während seiner Ausbildung. Im Jahre 1898 veröffentlichte er sein erstes Werk. Der Gedichtband Romantische Lieder und der ein Jahr später herausgegebene Erzählband Eine Stunde hinter Mitternacht waren jedoch wirtschaftliche Misserfolge. Nach zwei Jahren als Buchhändler in Basel machte sich Hermann Hesse zum ersten Mal auf den Weg nach Italien und erfüllte sich damit einen langgehegten Traum. 1904 heiratete er die Fotografin Maria Bernoulli. Aus dieser Ehe, die bis 1923 andauerte, gingen drei Söhne hervor. Im selben Jahr gelang ihm der literarische Durchbruch mit dem stark von den eigenen Erfahrungen geprägten Entwicklungsroman Peter Camenzind, der beim Verlag S. Fischer herausgegeben wurde. Durch eine Ehekrise in die Flucht getrieben reiste Hesse 1911 nach Ceylon und Indien. Obwohl diese Fahrt keineswegs einen spirituellen Hintergrund hatte, beeinflusste der Aufenthalt in Asien sein Schaffen und sein Denken stark. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, gingen die weltweiten Entwicklungen auch an dem Autor nicht spurlos vorüber. Bereits beim Ausbruch der Kriegshandlungen meldete er sich als Freiwilliger an die Front. Da sein Gesuch aus gesundheitlichen Gründen – aufgrund seiner starken Kurzsichtigkeit – abgelehnt wurde, widmete er sich dem Aufbau der Bücherzentrale für deutsche Kriegsgefangene bei der deutschen Botschaft sowie der Herausgabe der Deutschen Interniertenzeitung und des Sonntagsboten für die deutschen Kriegsgefangenen. 1914 wandte Hesse sich in dem Aufsatz O Freunde, nicht diese Töne öffentlich gegen den erstarkenden Nationalismus, was die öffentliche Meinung gegen ihn aufbrachte. Seine antinationalistische Haltung behielt Hesse jedoch bei und er bekannte sich offen zum Pazifismus und zur Kriegsverweigerung. Zur selben Zeit durchlebte er eine Vielzahl persönlicher Schicksalsschläge. Der Tod seines Vaters, die Krise in der Ehe und eine schwere Erkrankung seines Sohnes machten eine Therapie notwendig. Diese brachte den Schriftsteller der Malerei näher.
1919 verließ Hermann Hesse Bern und zog in den Tessin um. Hier verfasste er sein bekanntestes Werk Siddhartha, das 1922 erschien. 1924 heiratete er Ruth Wenger und verbrachte mit ihr die Zeit bis 1927. In diesem Jahr wurde auch Der Steppenwolf, das bedeutendste Werk Hesses veröffentlicht. 1931 ging Hesse seine dritte Ehe mit Ninon Doblin ein. Nahezu zeitgleich mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten begann Hermann Hesse mit der Arbeit an seinem letzten großen Werk, Das Glasperlenspiel, das 1943 in der Schweiz publiziert wurde. Er machte keinen Hehl aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Nazi-Regime. Hesse versuchte, sich mit positiven Buchrezensionen jüdischer und regimekritischer Autoren dem Zeitgeist entgegenzustellen, was dazu führte, dass seine eigenen Werke ab 1936 als „unerwünscht“ klassifiziert wurden. Nach dem Kriegsende zog sich Hesse immer mehr aus der Öffentlichkeit in sein Haus im Tessin zurück. Dort widmete er sich dem Verfassen von Erzählbänden und Gedichten und pflegte seine Korrespondenz, die nach seinem Tod mehr als 35.000 Briefe umfasste. Hermann Hesse starb am 9.August 1962 an den Folgen einer schweren Grippe in Montagnola / Kanton Tessin.

Themen

In vielen seiner Werke thematisiert Hermann Hesse den Konflikt zwischen dem Geist des Menschen und der Natur. Während seine frühen Werke, vor allem seine Gedichte, in der langen Tradition der Romantik stehen, wandte er sich von dieser später zugunsten einer psychologisch-spirituellen Haltung ab. Diese kommt vor allem in Siddhartha zum Ausdruck, wo indische Lehren, taoistische Ansätze und christliche Mystik miteinander verwoben sind. Auch autobiographische Züge sind dem Werk des Nobelpreisträgers immanent. Bereits sein zweiter Roman Unterm Rad zeigt eindeutige Parallelen zu seinen eigenen Erfahrungen. Besonders verdichtet wird die literarische Fantasie mit der Realität in dem Bildungsroman Das Glasperlenspiel, in dem Hesse sich intensiv mit seinem eigenen Inneren auseinandersetzt.

Werke

Romane

  • Peter Camenzond
  • Unterm Rad
  • Gertrud
  • Demian
  • Siddhartha. Eine indische Dichtung.
  • Der Steppenwolf
  • Das Glasperlenspiel

Erzählungen

  • Roßhalde
  • Narziß und Goldmund
  • Die Morgenlandfahrt

Auszeichnungen

Das literarische Vermächtnis von Hermann Hesse wurde bereits zu Lebzeiten mit zahlreichen Preisen, Auszeichnungen und Ehrentiteln geehrt. So erhielt er bereits 1905 den österreichischen Bauernfeld-Preis. Gleich nach dem Weltkrieg wurde er mit dem renommierten Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt der Schweizer Schriftsteller den Nobelpreis für Literatur. 1955 folgte der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der sein Engagement für verfolgte Autoren während der NS-Zeit ehrte.
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