Im Deutsch-Unterricht musst du nicht nur die Theorie zur deutschen Sprache lernen, du musst sie auch ständig praktisch anwenden. Und das möglichst gut. Es reicht oft nicht, wenn du einen fremden Text genau analysierst, du sollst auch noch „gut“ darüber schreiben. Wir erklären dir hier, was das bedeutet und wie du dich in diesem Gebiet verbessern kannst.

Was ist überhaupt Sprachgefühl?

Vielleicht hast du in der Schule schon mal gehört, dass manche Menschen ein besseres Sprachgefühl haben als andere. Oder du wurdest aufgefordert, dein Sprachgefühl zu verbessern. Aber was ist Sprachgefühl überhaupt? Und wie sollst du das verbessern? Gefühle sind ja nichts, was man lernen kann, oder?

Zunächst einmal ist der Begriff „Sprachgefühl“ etwas irreführend. Gemeint ist, dass jemand merkt, ob ein Text gut geschrieben ist oder nicht – und dass er dieses Wissen auch anwenden kann.

Dem liegt nichts Esoterisches und auch kein angeborenes Talent zugrunde. Es gibt im Gegenteil genaue Kriterien dafür, was einen guten Text ausmacht. Mittlerweile wurden sogar schon Computer-Programme entwickelt, die Texte auf ihre Qualität hin überprüfen können.

Wenn eine Person ein gutes Sprachgefühl hat, heißt das also nur, dass sie sehr schnell erfassen kann, ob ein Text diese Kriterien erfüllt oder nicht.

Warum ist ein gutes Gefühl für Sprache so wichtig?

Während deiner gesamten Schulzeit musst du Texte schreiben – je höher die Klasse, desto mehr Texte. Wenn du anschließend eine Ausbildung machst oder ein Studium absolvierst, hört das nicht auf – und zwar unabhängig davon, in welcher Branche du arbeitest oder welches Fach du studierst. Schriftlich zu kommunizieren gehört zu den Grundfähigkeiten, mit denen du deine beruflichen und gesellschaftlichen Chancen erhöhst.

Ein gut geschriebener Text erzeugt bei denen, die ihn lesen, gleichzeitig mehr Vertrauen. Auch wenn das eigentlich oberflächlich ist und es nur auf die Inhalte ankommen sollte, kannst du wahrscheinlich nicht verhindern, dass deiner Lehrer:innen über ungenaue Formulierungen stolpern und deine Texte entsprechend schlechter bewerten. Das ist zwar nicht schön, aber menschlich. Wenn dir jemand sagt, dass er dir den Weg zu seinem Haus genau aufgemalt hat und dir dann ein zerfleddertes und schmutziges Blatt Papier überreicht, auf dem die Tinte schon verschmiert ist, schaust du vielleicht sicherheitshalber auch noch einmal woanders nach.

Mit dem Sprachgefühl verhält es sich genauso. Ist es da, fällt es nicht auf. In einem gut geschriebenen Text kann man sich ausschließlich auf den Inhalt konzentrieren (literarische Werke ausgenommen). Fehlt das Sprachgefühl jedoch, so sieht man nichts anderes mehr. Beim Lesen fallen dann die kleinen Ungereimtheiten auf; der Inhalt rückt in den Hintergrund.

Wenn du also möchtest, dass diejenigen, die sich deine Texte durchlesen, nur auf den Inhalt achten, trainiere dein Sprachgefühl – am besten mit den Tipps, die wir für dich zusammengestellt haben.

5 Dinge, die du tun kannst, um ein besseres Sprachgefühl zu entwickeln

1 Lies möglichst viele gute Texte.

Sprache kannst du am besten von anderen lernen, die sie bereits gut beherrschen. Also solltest du, um dein eigenes Sprachgefühl zu verbessern, möglichst viele gute Texte lesen. Das müssen nicht Goethe und Schiller sein. Aber es hilft, Texte von Menschen zu lesen, die damit ihr Geld verdienen. Denn diese sind (meist) darin ausgebildet, gut und auch verständlich zu schreiben.

Du kannst beispielsweise Online-Magazine oder Zeitungen zu Themen, die dich interessieren, lesen. So kannst du dich über etwas informieren, das dich interessiert, und ganz nebenbei, fast ohne dass du es merkst, dein Sprachgefühl trainieren.

2 Lerne, was gute Sätze ausmacht.

Gute Texte halten sich an regeln. Einerseits befolgen sie die Regeln der Grammatik, andererseits nutzen sie gängige Redewendungen und Formulierungen. Wenn du einen Text liest, der dir schlecht geschrieben vorkommt, werden meistens die einen oder anderen Regeln nicht beachtet.

Damit dir das nicht passiert, musst du diese Regeln beherrschen. Du solltest also wissen, welche Wortarten es gibt, welche Funktion sie ausüben und welche Rollen im Satz sie einnehmen können. Wenn du weißt, wozu man bestimmte Wörter einsetzt, kannst du leichter entscheiden, ob ihre Verwendung an bestimmten Stellen richtig oder falsch ist.

Redewendungen solltest du nur dann nutzen, wenn du dir sicher bist, wie sie richtig verwendet werden. Zur Sicherheit recherchiere am besten im Internet. Manche Formulierung erscheint dir vielleicht richtig, weil du sie in der Umgangssprache immer wieder hörst. Es kann trotzdem sein, dass sie leicht verfälscht ist und du sie im Schriftlichen anders verwenden musst. In manchen Sprachräumen sagt man zum Beispiel: „Das gibt dich nichts an“ statt „Das geht dich nichts an“. Und obwohl die erste Variante sehr verbreitet ist, wird sie dadurch noch nicht richtig.

3 Lies laut vor, was du geschrieben hast.

Was auf dem Papier gut aussieht, muss noch lange nicht gut sein. Wie genau ein Text formuliert ist, merkt man eigentlich erst, wenn man ihn hört.

Daher solltest du dir angewöhnen, deine eigenen Texte laut vorzulesen, wenn das möglich ist. Wenn du dabei ins Stocken gerätst, selbst nicht mehr genau verstehst, wozu ein bestimmter Teilsatz da ist, oder den Überblick verlierst, weißt du, dass du noch mal ranmusst. Und je öfter du das machst, desto mehr Übung und Erfahrung erhältst du im Schreiben.

4 Gewöhne dir Struktur an.

Gute Texte folgen einer bestimmten Struktur (die wir hier für dich genauer beschrieben haben). Knapp gefasst gibt es immer eine Einleitung, die auf den Text vorbereitet, einen Hauptteil, der das eigentliche Thema behandelt, und einen Schluss, der ein Fazit zieht. Diese Struktur solltest du dir in allen Texten, die du schreibst, angewöhnen.

Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen sind Leser:innen genau diese Struktur gewöhnt. Sie erwarten, dass du nicht gleich mit der Tür ins Haus fällst und dass sich das Ende „rund“ anfühlt. Über alles andere stolpert man beim Lesen.

Zum anderen hilft dir selbst diese Struktur, deinen Text besser zu formulieren. Du weißt so nämlich schon einmal grob, wo was hingehört. Das macht es dir leichter, die Inhalte nur noch „auszufüllen“.

Übrigens kannst du diese Struktur nicht nur für einen gesamten Text, sondern auch für Unterabschnitte wie einzelne Kapitel oder (längere) Absätze anwenden. Das macht es beim Lesen leichter, deinen Gedanken zu folgen.

5 Sei vielfältig.

Ein richtiger guter Text hält das Interesse der Leser:innen wach. Dazu musst du deine Texte gestalten wie Musik. Variiere kurze Sätze und lange, benutze möglichst alle Satzzeichen, die du kennst, und verwende nicht immer dieselben Begriffe. Diese drei Punkte erläutere ich im Folgenden näher.

Die Sprachmelodie deines Texts wird stark geprägt von der Länge deiner Sätze. Wenn du lauter kurze Sätze aneinanderreihst, wirkt das schnell abgehakt. (Beispiel: Paul kommt in die Küche. Er nimmt sich einen Teller. Er öffnet den Kühlschrank. Es ist nichts drin. …) Zu viele (sehr) lange Texte machen es schwierig, deinen Gedanken zu folgen. Also „komponiere“ deinen Text richtig und wechsele lange und kurze Sätze ab. (Beispiel: Paul kommt in die Küche. Er nimmt sich einen Teller und öffnet dann den Kühlschrank, doch es ist nichts drin. …)

Satzzeichen sind leider oft völlig unterschätzt. Vielleicht gehörst auch du zu den Menschen, die einen Punkt setzen, wenn ein Satz zuende ist, und ein Komma, wenn sie es müssen. Dabei gibt es aber noch andere Satzzeichen: das Semikolon, den Gedankenstrich, Ausrufe- und Fragezeichen und den Doppelpunkt, der diesen Satz eingeleitet hat. Ein guter Text bringt all diese Satzzeichen ein. Dann formulierst du auch automatisch anders, stellst Fragen, machst Einschübe und verbindest Sätze miteinander.

Ein dritter Aspekt, der deinen Text vielfältiger macht, ist die Verwendung von Synonymen. Du kannst schreiben, dass ein Mensch sehr groß ist. Du kannst ihn aber auch riesig, lang oder alle anderen überragend nennen. Das ist abwechslungsreicher und – ein weiterer Vorteil – viel genauer als das einfache Wort „groß“. Wenn du nicht immer den ersten Begriff nimmst, der dir einfällt, werden deine Texte automatisch lebendiger. Außerdem erweiterst du deinen aktiven Wortschatz auf diese Weise – das sind die Wörter, die du nicht nur verstehst, sondern regelmäßig anwendest. Und je mehr du davon in einen Text einbringst, desto besser wird dieser.

Wir hoffen, dass unsere Tipps dir dabei helfen, dein Sprachgefühl zu verbessern! Wenn du noch Fragen oder Anregungen hast, hinterlasse uns gerne einen Kommentar.

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