In den folgenden Zeilen erfährst du das Wesentliche über die Gruppe 47, die sich grundlegend von berühmten Autor*innen unterscheidet. Denn hierbei trafen mehrere Schriftsteller in unterschiedlichen Konstellationen über Jahre hinweg zusammen, die ihre Texte besprachen. Zudem gab es fast jedes Jahr den „Preis der Gruppe 47″. Du weißt im Anschluss, wie es überhaupt zu der Gründung der Gruppe kam, wer wichtige Mitglieder waren und in welche vier Phasen sich das literarische Schaffen einteilen lässt. Jeder Phase folgt eine kurze Beschreibung mit ihren elementaren Merkmalen. Letztlich kennst du auch entscheidende Ursachen für das Ende der Gruppe.

Die Gründung der Gruppe

Zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hielt der Dichter Rudolf Alexander Schröder in Altenbeuern eine Autor*innensitzung ab, die vordergründig christlich geprägt war. Davon nahmen insbesondere junge Teilnehmer*innen Abstand, welche es bevorzugten, Jean Paul Sartres Literaturkonzept zu folgen. Nach diesem war die Textinterpretation bedeutsam. So trafen sich nach weiteren sechs Wochen Franz Wischnewski, Toni Richter, Freia von Wühlisch, Heinz Friedrich, Friedrich Minssen, Maria Friedrich, Nicolaus Sombart, Walter Kolbenhoff, Heinz Ulrich, Isolde Kolbenhoff, Wolfdietrich Schnurre, Walter Maria Guggenheimer sowie Hans Werner Richter mit ihr bei Ilse Schneider-Lengyel zu Hause.

Hans Werner Richter hatte bereits politische Zeitschriften wie „Der Ruf. Unabhängige Blätter der jungen Generation“ herausgegeben, die allerdings auf Kritik bei der Militärregierung stießen. Die Planung des „Skorpion“ brachte ebenfalls keinen Erfolg. Bei einem redaktionellen Treffen der Herausgeber*innen las man sich auch bisher unbekannte Texte vor. So galt diese Tagung später als Gründungstag der Gruppe 47. Ein dreitägiges Treffen fand zunächst alle sechs, dann alle zwölf Monate statt. Man hielt die Sitzungen nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, in Italien und in Schweden ab. Teilnehmen konnte, wer von Hans Werner Richter per Postkarte eingeladen worden war.

Die vier Phasen der Gruppe 47

Die erste Phase

Für den Zeitraum von 1945 bis 1952 (Kahlschlag) steht die Sammlung „1000 Gramm“. Diese enthält realistische Kurzprosa, angelehnt an die amerikanische „story“. Maßgeblich daran beteiligt waren Heinrich Böll, Günter Eich und Wolfdietrich Schnurre. Heinrich Böll kam nach 1952 jedoch eher selten zu den Treffen.

Die zweite Phase

Die Jahre 1952-1957 galten als Phase der Lyrik. An der zehnten Tagung waren unter anderem Paul Celan und Ingeborg Bachmann anwesend. Celans Vortrag der „Todesfuge“ wurde häufig von Außenstehenden kritisiert. Es wirkte so, als hätte man den Holocaust bewusst oder unbeabsichtigt nicht berücksichtigt. Die Veröffentlichungen der Resultate aus der Gruppe stiegen durch die Stiftung eines Verlagspreises sowie durch die Herausgabe einer Zeitung mit dem Titel „Literatur“ an. Auch für den Rundfunk wurde die Literatur wichtig, sodass die Autoren sich an der Programmgestaltung des Senders beteiligen sollten.

Die dritte Phase

Die dritte Phase erstreckte sich von 1958 bis 1964. Bedeutsame Werke von drei Autoren aus der Gruppe machten das Jahr 1959 zum Romanjahr. So hatte Heinrich Böll „Billard um halbzehn“, Günter Grass „Die Blechtrommel“ und Uwe Johnsons „Mutmaßungen über Jakob“ verfasst. Dies führte zu einer äußerst hohen Teilnehmerzahl beim Treffen der Gruppe 47 im Folgejahr. So lud Hans Werner Richter wiederum ein Jahr später explizit frühere Teilnehmer*innen aus. Schließlich stellte auch die Säuberung der deutschen Sprache von „Metaphysik und Lügenworte[n]“ (Lettau, Gruppe, 194) einen Höhepunkt dar.

Die vierte Phase

Zunehmend wurden die politischen Entscheidungen der USA kritisiert. Überdies war der österreichische Schriftsteller Peter Handke eine treibende Kraft. Er übte nicht nur an außenstehenden Skeptikern, sondern auch an internen Gruppenmitgliedern Kritik, was ihm aber vor allem mediales Interesse einbrachte. Bei einer Sitzung in Princeton 1966 waren die politischen Meinungen derart unterschiedlich, dass sich bereits ein starkes Ungleichgewicht zwischen den Teilnehmern bemerkbar machte. Außerdem spannten einige Autoren Studenten zur absichtlichen Provokation mit dem Ruf „Dichter! Dichter! Dichter!“ ein.

Zwei weitere Versuche eines Treffens fanden zwar statt, scheiterten aber inhaltlich. Als eine Ursache der Beendigung der Gruppe 47 kann man das neu entstandene Interesse an Dramenstücken betrachten, welche bei den Sitzungen kaum Beachtung fanden. Am ausschlaggebendsten war aber der Ausschluss von Exilautoren, da die Mitglieder deren Ansichten für nicht tragbar hielten. Deren humanistischer Perspektive und Bewusstsein zur „Stunde Null“ hätte man allerdings keine Chance gegeben.

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