Heinrich Böll gehört zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Böll befasste sich in seinen Romanen, Kurzgeschichten und Hörspielen vornehmlich mit den Entwicklungen und Problemen in der jungen Bundesrepublik und bezog als öffentlicher Intellektueller mehrfach Stellung zu politischen Fragen. Ferner übersetzte Böll mehrere englischsprachige Werke ins Deutsche. 1972 erhielt Heinrich Böll den Nobelpreis für Literatur.

Leben

Heinrich Böll wurde am 21.Dezember 1917 als Sohn eines Tischlermeisters in Köln geboren. Seine Jugend war geprägt von den Entbehrungen der Wirtschaftskrise und den Schrecken des aufkommenden Faschismus.

Nach seinem Abitur im Jahr 1937 begann er eine Lehre zum Buchhändler und nahm 1939 ein Studium der Germanistik auf.

Im Spätsommer 1939 wurde Böll zur Wehrmacht eingezogen und diente bis 1945 als Soldat.




Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg und der Freilassung aus amerikanischer Gefangenschaft veröffentlichte Böll seine ersten Kurzgeschichten. In diesem Frühwerk verarbeitete Böll seine persönlichen Erfahrungen als Soldat und beschrieb die grausamen Folgen des Krieges.

In den späteren Werken richtete sich seine Kritik gegen die Politik und Restaurierung der Bundesrepublik und den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Insbesondere wandte sich Heinrich Böll gegen einen allgemeinen Konformismus der deutschen Gesellschaft und gegen den Machtanspruch der herrschenden Schichten.

Als gläubiger Katholik nahm er auch die Kirche von seiner Kritik nicht aus. Seine differenzierte Haltung zum Linksterrorismus löste 1972 eine breite und hitzig geführte öffentliche Debatte aus. Darüber hinaus unterstützte Böll die Menschenrechtsbewegung der UdSSR und setzte sich für politisch verfolgte Schriftstellerkollegen ein. Er starb am 16. Juli 1985 in Kreuzau.

Themen

Heinrich Böll gilt als einer der wichtigsten deutschen Nachkriegsautoren und literarischer Chronist der jungen Bundesrepublik. Sein Werk wird in der Literaturwissenschaft häufig als literarischer Kommentar zu den Entwicklungen und zeitgeschichtlichen Problemstellungen der deutschen Nachkriegsgesellschaft verstanden.

In seinen literarischen Anfängen setzte sich Böll, der während der Kriegszeit aufwuchs, mit der Kriegsverarbeitung und der Nachkriegszeit auseinander. Dabei verarbeitete er auch seine persönlichen Eindrücke und Gefühle, die sich während dieser Zeit bei ihm angesammelt hatten.

Heute gelten Bölls frühe Arbeiten als repräsentativ für die sogenannte Trümmerliteratur. In den Romanen der 1950er und frühen 1960er Jahren greift Böll generationstypische Probleme und Fehlentwicklungen in der deutschen Gesellschaft auf. In dieser Phase seines Werks müssen sich Heinrich Bölls Protagonisten, die zumeist als durchschnittliche Anti-Helden angelegt sind, in einer Gesellschaft zurechtzufinden, die von Konsum, der Scheinheiligkeit der Kirche und dem Verschweigen der nationalsozialistischen Vergangenheit geprägt ist. Diese Thematiken werden etwa in dem Familienroman Billard um halbzehn (1959) oder dem Monologroman Ansichten eines Clowns (1963), verhandelt, den man als „Generalabrechnung mit dem CDU-Staat“ bezeichnet hat.

Allgemein ist festzuhalten, dass sich Heinrich Bölls Geschichten sowohl thematisch wie auch sprachlich-stilistisch an der alltäglichen Erfahrungswelt seiner Leserschaft orientieren. Er bietet dem zeitgenössischen Publikum Erklärungsmuster für dessen kollektive Erfahrungen an. Diese Zeitgebundenheit ist einerseits als Grund für Heinrich Bölls literarischen Erfolg zu werten, andererseits drängt sich die Frage auf, inwiefern Bölls Werk für heutige Generationen noch zugänglich gemacht werden kann.




Bedeutende Werke Heinrich Bölls

  • Der Zug war pünktlich (1949)
  • Wo warst du, Adam? (1951)
  • Haus ohne Hüter (1954)
  • Billard um halbzehn (1959)
  • Ansichten eines Clowns (1963)
  • Gruppenbild mit Dame (1971)
  • Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1974)

Politisches Engagement

Heinrich Böll galt zeit seines Lebens als wichtiger Protagonist der deutschen Linksintellektuellen. Dem während der Kanzlerschaft Konrad Adenauers vorherrschenden restaurativen Zeitgeist stand er äußerst kritisch gegenüber.

Bölls politisches Interesse blieb allerdings nicht auf Deutschland beschränkt. So kommentierte Böll auch die politischen Probleme etwa in der Sowjetunion oder in Polen und nahm Dissidenten wie Alexander Solschenizyn oder Lew Kopelew als Gäste in seinem Haus auf.

Im Jahr 1972 sorgte Böll mit einem Essay im Nachrichtenmagazin Der Spiegel für einen bundesweiten Skandal, indem er die Springer-Presse für deren Berichterstattung zu Ulrike Meinhof und zur Rote Armee Fraktion (RAF) scharf kritisierte. Konservative politische Kreise warfen Böll daraufhin vor, ein „geistiger Sympathisant“ des Terrorismus zu sein. Im Zuge dieser Kritik nahm die Polizei eine Hausdurchsuchung bei Böll vor, da man nicht ausschließen wollte, dass sich dort gesuchte RAF-Terroristen versteckt halten könnten.

Böll reagierte auf die Durchsuchung mit einem Beschwerdebrief an den damaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher. Darüber hinaus warf er dem Springer-Verlag vor, eine Verleumdungskampagne gegen ihn inszeniert zu haben, woraufhin Springer eine erneute Kampagne gegen Böll organisierte, die in der Forderung nach dessen Ausreise ihren Höhepunkt fand. Später verarbeite Heinrich Böll diese Erfahrungen in seiner Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1974).

Ferner unterstützte Böll Rupert Neudeck bei dessen Engagement für die vietnamischen boat people und nahm an Protestaktionen der Friedensbewegung teil, die sich gegen eine Aufrüstung der NATO aussprach.




Auszeichnungen

Für sein umfangreiches Werk wurde Heinrich Böll mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 1951 etwa erhielt er für seine Satire Die schwarzen Schafe den Literaturpreis der Gruppe 47, der ihm seinen ersten Autorenvertrag einbrachte.

1967 wurde ihm der wichtigste deutsche Literaturpreis, der Georg-Büchner-Preis zugesprochen, ehe er 1972 sogar den Nobelpreis für Literatur in Empfang nehmen durfte. Heinrich Böll ist 1982 außerdem zum Ehrenbürger der Stadt Köln ernannt worden.

Bildnachweis: Von Bundesarchiv, B 145 Bild-F062164-0004 / Hoffmann, Harald / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link