Bei dem Thema „Lernen in den Ferien“ sind die Meinungen so divergent, wie es divergenter kaum möglich ist. Vertreten die einen die Meinung, dass Lernen in den Ferien ein Unding sei – schließlich arbeiten Erwachsene ja auch nicht in ihrem Urlaub, oder? – schicken die anderen ihre Schützlinge in der Ferienzeit in Nachhilfeeinrichtungen, meistens hochmotiviert durch das letzte Schulzeugnis. Doch was ist richtig? Müssen Schüler*innen in den Sommerferien wirklich lernen?

Erholung vs. Lernen

Ungefähr 50 Prozent aller Eltern schicken ihre Kinder in den Sommerferien in Nachhilfeeinrichtungen oder bewegen sie auf andere Art und Weise zum Lernen. Die anderen 50 Prozent plädieren in der Regel dafür, dass die Sommerferien der Erholung dienen und in dieser Zeit nicht gelernt werden sollte. Schließlich müssten die Kinder ja auch gut erholt in das neue Schuljahr starten können. Doch müssen sich Erholung und Lernen, wie es die Überschrift suggeriert, überhaupt gegenseitig ausschließen?

Wann Lernen in den Sommerferien angebracht ist

Als die längste freie Zeit für Schüler*innen im Jahr, bietet sich Lernen in den Sommerferien natürlich an, doch ist es deshalb auch immer sinnvoll? Im Folgenden erfährst du verschiedene Aspekte, unter denen Lernen in den Sommerferien vernünftig ist.

Lernen bei Nachholbedarf

Schlechte Schulnoten sind natürlich ein Indikator dafür, dass Kinder und Jugendliche Nachholbedarf in bestimmten Fächern haben. In diesem Fall ist Lernen in den Sommerferien auf jeden Fall angebracht.

Allerdings sollte nicht die ganzen Sommerferien lang durchgebüffelt werden. Vielmehr empfiehlt es sich, innerhalb der Ferien eine maximal zweiwöchige Zeit festzulegen, in der jeden Tag intensiv für wenige Stunden gelernt wird. So ist gewährleistet, dass noch nicht verinnerlichter Schulstoff bis zum Start des neuen Schuljahres gesichert ist und die Schüler*innen mit dessen Beginn nicht wieder umgehend den Anschluss verlieren.

Lernwille

Wer sagt überhaupt, dass Lernen keinen Spaß machen kann? Nicht wenige Schüler*innen haben Spaß am Lernen. Begründet ist die Freude daran häufig durch positive Rückmeldungen von Eltern und Lehrkräften.

Eine gute mündliche Mitarbeit, regelmäßig gemachte Hausaufgaben und natürlich auch ein fundierter Fachwissensschatz bringen Schüler*innen lobende Bemerkungen ein, die wiederum dazu motivieren, noch mehr zu lernen oder aber den Wissensstand zumindest auf einem bestimmten Niveau zu halten.

Lernvarianten

Für den Lernwillen maßgeblich sind natürlich auch die vielen verschiedenen Lernvarianten. So sollte ein Kind in den Sommerferien keineswegs hinter seinen Schreibtisch verbannt werden, um dort Vokabeln zu pauken oder mathematische Gleichungen auswendig zu lernen.

Tauglicher sind beispielsweise Lernprogramme, mit denen Kinder und Jugendliche spielerisch lernen können. Damit ist nicht nur der Spaß am Lernen gewährleistet, der im Schulunterricht manchmal auf der Strecke bleibt, sondern auch noch ein ganz anderer Punkt, der kognitiver Art ist: Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, dass es Dinge mag, die mit wenig Aufwand viel bewirken – zum Beispiel Klicks am Computer. Darin liegt auch begründet, dass viele Menschen gerne Smartphonesgames spielen, doch warum diesen Trick nicht für Nützliches wie das Lernen einsetzen?

Kein Leistungsdruck

Lernen in den Sommerferien ist im Übrigen aber nur dann angebracht, wenn das Kind nicht unter Leistungsdruck leidet. Erkennbar ist dieser Druck beispielsweise daran, dass das Kind von sich aus lieber lernt, statt an Familienaktivitäten teilzunehmen, zu spielen oder anderen Hobbys nachzugehen.

Hat es das Gefühl, elterliche Erwartungen erfüllen zu müssen, die von Lehrkräften oder sind schlicht die eigenen Erwartungen an sich selbst zu hoch, ist Lernen in den Sommerferien absolut kontraproduktiv.

Raum schaffen

Ebenso sollten Schüler*innen in den Ferien nicht lernen müssen, wenn der Raum dafür nicht gegeben ist. Hinter dem hauseigenen Schreibtisch eingeklemmt ist Lernen in den Sommerferien nicht besonders produktiv. Hingegen sind Lernaktivitäten im Garten oder in einer anderen Umgebung, in der Kinder und Jugendliche entspannen können, mögliche Optionen. In Betracht gezogen werden können auch Lerngruppen mit Schulfreund*innen.

Auf informelles Lernen setzen

Schüler*innen, die unter Leistungsdruck und damit unter Stress stehen, tut man als Elternteil nichts Gutes, wenn man direkt in der ersten Ferienwoche mit einem Lernheft anrückt und auch ein Lernprogramm bewirkt in diesem Fall sicher nicht den gewünschten Effekt.

Auch fernab von der Faustregel, dem eigenen Kind zu Beginn der Sommerferien erst einmal ein paar Tage Zeit für Erholung zu geben, ist Lernen in den Sommerferien nichts, was unbedingt sein muss – zumindest nicht im klassischen Sinne.

Stattdessen können Eltern vermehrt auf informelles, also beiläufiges Lernen setzen: Ein Urlaub in Ägypten bietet die Möglichkeit, dem Kind ganz nebenbei geografische Kenntnisse (z. B. Informationen zur Wüste) zu vermitteln, eine Stadtrundfahrt durch Berlin erlaubt die Vermittlung von historischem Fachwissen und ein Besuch im botanischen Garten frischt etwaige Biologiekenntnisse wieder auf. Lernen, ohne es zu merken, ist also auch eine Möglichkeit, den Wissenszuwachs in den Sommerferien von ganz allein zu steigern.

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