Ein Drama, das sehr häufig im Deutsch-Unterricht besprochen wird, ist Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt. Das Stück beschreibt, wie eine ehemalige Bewohnerin des Dorfs Güllen nach Jahrzehnten zurückkehrt und die Dorfbewohner*innen vor eine schwierige Wahl stellt.

Inhaltliche Zusammenfassung Der Besuch der alten Dame

Das Dorf Güllen hat bereits bessere Tage gesehen. Wirtschaftlich ist der Ort ruiniert, als sich eine ehemalige Bewohnerin als Gast anmeldet. Claire Zachanassian lebte vor vielen Jahrzehnten als Kläri Wäscher in Güllen, wurde jedoch aus dem Dorf vertrieben, nachdem sie von Alfred Ill als 17-jährige geschwängert wurde, diesem die Vaterschaft jedoch nicht nachweisen konnte.

Während Güllen seit dieser Zeit immer ärmer wurde, nahm Claires Wohlstand zu. Durch mehrere Ehen ist sie unfassbar vermögend geworden. Als sie nun ihren Besuch in Güllen ankündigt, hoffen die Bewohner*innen auf finanzielle Unterstützung. Claire ist auch bereit, diese zu gewähren, nennt jedoch ihren Preis. Sie will dem Dorf eine Milliarde schenken, wenn dafür Alfred Ill getötet wird.

Zunächst lehnt das Dorf den Vorschlag entrüstet ab. Doch Claire Zachanassian bleibt und wartet. Und die Einwohner*innen weichen zwar (noch) nicht von ihrer Meinung ab, beginnen aber, mehr Geld auszugeben, als sie haben. Ill, der erkennt, dass selbst seine Familie offensichtlich auf baldigen Reichtum spekuliert, versucht, sich bei Claire zu entschuldigen, doch diese bleibt hart. Einen Fluchtversuch Ills vereiteln die Bürger*innen.

Schließlich bittet der Bürgermeister Ill, sich selbst das Leben zu nehmen, um dem Dorf die Schuld abzunehmen. Doch Ill lehnt ab. Stattdessen ergibt er sich der Entscheidung des Dorfs. Dieses stimmt über die Annahme der Milliardenschenkung durch Claire Zachanassian ab – und damit gleichzeitig über Ills Tod. Als die Mehrheit sich dafür ausspricht, töten die Dorfbewohner*innen gemeinsam Ill, ohne dass einem Einzelnen die Verantwortung zugeschrieben werden könnte. Das Dorf erhält die Schenkung, Claire Zachanassian reist wieder ab und nimmt Ills Leichnam mit, für den sie ein Mausoleum hat errichten lassen.

Die wichtigsten Figuren in Der Besuch der alten Dame

Claire Zachanassian

Claire Zachanassian – früher Kläri Wäscher – war in Alfred Ill verliebt und erwartete ein Kind von ihm. Dieser hat sie jedoch im Stich gelassen, sodass Claire das Dorf verlassen musste. Sie war arm, verlor ihr Kind und landete in der Prostitution. Nur ihren zahlreichen Ehen hat sie es zu verdanken, dass sie sich finanziell erholt hat und nun eine der reichsten Personen der Welt ist.

In ihrem ganzen Leben hat sie jedoch nicht vergessen, was Ill ihr angetan hat. Sie sinnt auf Rache und hat diese von langer Hand geplant. Sie hat ihr Vermögen genutzt, um Güllen verarmen zu lassen, und setzt es nun ein, um das Dorf gemeinschaftlich zum Mord an Ill anzustiften. Offensichtlich hat sie ihre Liebe aber auch nie überwunden, denn sie hat für Ill ein Mausoleum errichten lassen.

Alfred Ill

Alfred Ill ist die eigentliche Hauptfigur in Der Besuch der alten Dame. Er ist der Grund, dass Claire Zachanassian überhaupt in ihre Heimat zurückkehrt. Als junger Mann hat Ill seine schwangere Freundin im Stich gelassen und sie verraten. Er hat geleugnet, der Vater des Kindes zu sein und Claire so in die Prostitution getrieben.

Durch die Rückkehr von Claire wird Ill mit seinen früheren Taten konfrontiert. Er bereut und bittet um Verzeihung, ist aber nicht bereit, den Güllener*innen die Verantwortung für seinen Tod abzunehmen.

Die Bürger*innen Güllens

Die vielen Bürger*innen des Dorfs tun zunächst so, als wäre das Angebot Claire Zachanassians für sie nicht annehmbar. Gleichzeitig beginnen aber alle damit, sich so zu verhalten, als hätten sie (demnächst) sehr viel Geld. Niemand gibt zu, dass alle darauf spekulieren, dass schon irgendjemand Alfred Ill töten wird. Sie wollen das Geld annehmen, sich aber nicht die Finger schmutzig machen.

Auch wenn es unterschiedliche Bürger*innen gibt, die auch verschiedene Beziehungen zu Ill und Claire Zachanassian halten, so sind sie in ihrem Verhalten nahezu austauschbar. Daher haben einige der Bürger auch sehr ähnliche Namen (Toby, Roby, Koby, Loby).

Themen und Aussagen

In Der Besuch der alten Dame geht es um Schuld und Verantwortung.

Alfred Ill hat eine Schuld auf sich geladen und er muss Jahrzehnte später dafür die Verantwortung übernehmen. Anfangs lehnte er dies für sich noch ab, durch einen Läuterungsprozess findet er jedoch Frieden mit sich selbst und ist sogar bereit, zu sterben.

Die Güllener*innen werden durch Claire Zachanassian in Versuchung geführt, ebenfalls eine Schuld auf sich zu laden. In der Gemeinschaft wollen sie jedoch möglichst wenig individuelle Verantwortung tragen. Ihr Motto lautet: Wenn es alle waren, war es am Ende niemand.

Claire Zachanassian nimmt ganz bewusst eine Schuld auf sich, um sich an ihrem Jugendfreund zu rächen. Sie weiß, was sie tut, und trägt am Ende auch die Verantwortung dafür. Anders als Ill ist dies jedoch keine persönliche Verantwortung, sondern sie kauft sich von ihrer Schuld frei (Scheck, Mausoleum).

Weitere Infos zum Stück

Friedrich Dürrenmatt schrieb Der Besuch der alten Dame 1955. Das Stück wurde 1956 uraufgeführt. Es gibt mehrere Verfilmungen des Stücks. Es ist sowohl im deutschsprachigen Raum als auch in übersetzter Fassung nach wie vor sehr erfolgreich.

Im Stück spielen Namen eine große Rolle:

  • Klara Wäscher: diejenige, die reinigt (Wäscher + klar)
  • Alfred Ill: die Wurzel allen Übels in Güllen (ill = krank)
  • Güllen: das heruntergekommene Dorf (Gülle = Mist)

Über den Autor

Mehr Informationen zu Friedrich Dürrenmatt findest du auf unserer Autorenseite.

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Autor(in)

Alle Artikel von Yvonne Kraus Hier schreibt Yvonne Kraus, die Gründerin von nachgeholfen.de.

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