Schon der Gedanke an den nächsten Schultag löst Magenkrämpfe aus, die Vorstellung, morgen wieder den Mitschülern gegenüber zu stehen, das Ergebnis der letzten Deutsch-Arbeit zu bekommen und eventuell noch an der Tafel vorrechnen zu müssen, lässt nachts nicht ruhig schlafen. In Deutschland leiden immer mehr Kinder an Schulangst.

Musik, Mathe, Magenschmerzen

Sei es der Leistungsdruck, die Tatsache, dass man mehrere Stunden lang von seiner Familie getrennt ist, oder die Angst vor abweisenden Reaktionen von Gleichaltrigen: Für Schulangst gibt es viele Gründe. Wie groß das Problem für den Schüler oder die Schülerin wirklich ist, erkennen Erwachsene dabei oft gar nicht oder zu spät.




Dabei können eine gute Reaktion sowie die Entwicklung von Strategien für das Kind dafür sorgen, dass aus einem ängstlichen Schüler ein selbstsicherer und gefestigter Erwachsener wird. Dagegen kann ein Ignorieren der Schwierigkeiten dazu führen, dass Ängste chronisch werden und sich noch bis ins Erwachsenenalter tief in die Persönlichkeit der Kinder brennen.

Was genau ist eigentlich Schulangst?

Schulangst ist ein unter Jungen und Mädchen weitverbreitetes Phänomen. Laut Studien besuchen zwischen fünf und zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland den Unterricht nicht, weil sie davor panische Angst haben.

Dabei muss zwischen einer tatsächlichen Schulangst und reinem Schwänzen unterschieden werden. Es handelt sich bei der Angst vor der Schule nicht etwa um allgemeine Unlust, Faulheit oder Langeweile, sondern um eine tief sitzende und psychologisch bedingte Angststörung.

Die Angstzustände äußern sich besonders häufig in psychischen Symptomen wie einer Schlafstörung, Magen- und Kopfschmerzen, Übelkeit oder starke Unruhe.

Schulpsychologen können anhand wissenschaftlicher Tests herausfinden, ob eine solche im Einzelfall vorliegt. Psychologen legen dabei auch Wert darauf, den Angstauslöser ausfindig zu machen und zu erfassen. Oft kommen dafür Fragebogen zum Einsatz. Nur wenn der wahre Grund für die Ängste verifiziert wurde, kann diese an der Wurzel gepackt und unter der Berücksichtigung des sozialen, persönlichen und schulischen Kontextes behandelt werden.

Ursachen für die Angst

Die Ursachen für eine Schulangst können ganz unterschiedlich sein. Häufig liegen die Gründe in einer enormen Angst vor Leistungen und Prüfungen.

Besonders, wenn das Kind erst kürzlich die Schule gewechselt hat und nun mit neuen sozialen Kontakten, anderen Lehrern und einem höheren Leistungsdruck zu tun hat, kann sich Angst vor der Schule entwickeln.

Oft liegen die Gründe aber auch in schlechten sozialen Erfahrungen, etwa wenn das Kind gemobbt, beleidigt und ausgegrenzt wird. Dann wird der Ort Schule mit schlechten Erfahrungen und dem Gefühl der Auslieferung verbunden, und es entsteht eine krankhafte Schulangst.

Auch familiäre Probleme können Auslöser für Schulangst sein. Beispielsweise wenn sich die Eltern kürzlich getrennt haben, kurz vor einer Trennung stehen oder es einen Todesfall innerhalb der Familie gegeben hat. Manchmal fühlen sich Schülerinnen und Schüler vom Elternhaus auch unter Druck gesetzt, gute Leistung zu erbringen. Das kann auch der Fall sein, wenn der Druck selbstgemacht oder nur eingebildet ist oder der Schüler sich Ziele gesteckt hat, die unerreichbar sind.

Besteht eine starke emotionale Bindung zu einem Elternteil, so kann auch das ein Auslöser sein. Hat das Kind noch keine emotionale Selbstständigkeit aufgebaut, fühlt es sich in der Schule alleine und ausgeliefert. Das führt zu panischen Trennungsängsten und einer möglichen Schulangst.

Selbstverständlich können auch Überforderungen in der Familie der Auslöser sein. Etwa dann, wenn das Kind innerhalb der Familie viel Verantwortung übernehmen muss und durch die Schule das Gefühl hat, den Aufgaben nicht mehr gerecht werden zu können.




Hinweise und Symptome

Mit Schulangst ist nicht zu spaßen und sie sollte daher nicht verharmlost oder belächelt werden.

Häufigste Symptome, wie oben bereits genannt, sind Schmerzen und Übelkeit. Dabei werden diese Anzeichen häufig auch gar nicht mit der Schule direkt in Verbindung gebracht.

Besonders direkt nach der Einschulung sollten sich Eltern Zeit für ihre Kinder und deren Sorgen nennen. In diesem Alter können Kinder nicht verbalisieren, was ihnen genau Angst macht oder warum es ihnen gerade schlecht geht.

Eine weitere Risikogruppe ist die der 10 bis 11-Jährigen. In diesem Alter findet der Wechsel an eine höhere Schule statt. Plötzlich werden jahrelange Freundschaften zerrissen, der kumpelhafte Lehrer, mit dem man über alles sprechen konnte, wird gegen einen meist wesentlich distanzierteren Lehrer ausgetauscht, und es wartet eine völlig neue Umgebung mit hohen Leistungsanforderungen. Das kann dazu führen, dass sich Ängste entwickeln.

Dabei ist unbedingt darauf zu achten, rechtzeitig aktiv zu werden, denn sonst kann die Angst chronisch werden und geht nur schwer wieder weg. Wer an Schulangst leidet und beispielsweise jeden Morgen mit Bauchschmerzen aufwacht, der täuscht dies nicht vor, sondern leidet tatsächlich an diesen Symptomen. Ein „jetzt stell dich nicht so an“ bewirkt da oft genau das Gegenteil. Eltern sollten ihre Kinder dabei unterstützen, die Angst zu überwinden, und sich die Sorgen, Ängste, Zweifel und Gedanken in Ruhe anhören.

Wie richtig behandeln?

Kommt es häufig vor, dass das Kind vor der Schule Anzeichen wie Bauchschmerzen und Übelkeit empfindet, sollte unbedingt ein Kinder- und Jugendpsychologe aufgesucht werden.

Meist verfügen Schulen sogar über einen internen Psychologen. Dieser geht den Ängsten mit Befragungen auf den Grund. Sollte dieser zu dem Befund kommen, dass es sich tatsächlich um eine Schulangst handelt, ist eine Therapie ratsam.

Eltern sollten ihren Kindern in der Zeit das Gefühl geben, dass sie immer da sind und ihnen in Ruhe erklären, dass sie in der Schule nichts Schlimmes erwartet.




Manche Eltern neigen dazu, dass sie das Kind aus Mitgefühl zur Schule fahren, es abholen und sich manchmal sogar mit in den Unterricht setzen. Das ist absolut kontraproduktiv. Das Kind muss selbst die Erfahrung machen, dass ihm auch alleine nichts passiert und daran wachsen.

Auch sollten Eltern ihr Kind nicht von der Schule abmelden, wenn es beispielsweise über Schmerzen klagt. Trösten und Versorgen ist vollkommen in Ordnung, allerdings sollte auf den Schulbesuch bestanden werden.

Hat das Kind den Schulalltag überstanden, können Eltern ihre Kinder loben und ihnen vermitteln, dass sie heute stark waren.

Ist die Angst bereits sehr stark und über Jahre ignoriert worden, helfen diese Maßnahmen nicht mehr. Dann muss eine ambulante Behandlung in einer kinderpsychiatrischen Klinik in Betracht gezogen werden. In der Regel sollte das Kind dorthin auch nicht von der Mutter oder einer anderen Betreuungsperson begleitet werden. Das ist hart und sehr schmerzlich, zeigt aber, dass auch eine solche Trennung überstanden werden kann.