Vergisst du wirklich so schnell?

Erst mal können wir dich beruhigen. Nach den Ferien, vor allem, wenn sie lang waren, hast du möglicherweise an den ersten Schultagen den Eindruck, dass du gar nichts mehr weißt. Du brauchst ein paar Tage, vielleicht eine Woche, damit das, was dir wie eingetrocknete Gehirnzellen vorkommt, wieder richtig funktioniert.

Das liegt nicht unbedingt an der Ferienfaulheit, sondern daran, dass du neue Eindrücke gesammelt hast. Dazu musst du nicht um die halbe Welt geflogen sein. Auch Ferien zuhause oder nicht weit davon entfernt sorgen dafür, dass alles ein bisschen anders ist als sonst. Du hast ausgeschlafen und dann viele Aktivitäten unternommen, zu denen du in der Schulzeit nicht kommst. Du hast bestimmt Neues gelernt, ohne es zu bemerken. Auch wenn du nicht verreist bist, hast du dich mehr bewegt. Du warst im Schwimmbad, bist mit dem Rad gefahren, warst zu Fuß unterwegs an der frischen Luft. (Wir hoffen nicht, dass du nur vor dem Fernseher oder PC gehockt hast.)

Vielleicht hast du eine neue Sportart entdeckt oder etwas Schönes gelesen. Einen spannenden Kinofilm gesehen. Musik gemacht. Neue Freundschaften geschlossen. Die frischen Eindrücke überlagern die alten, und daher kommt dein Gefühl, alles vergessen zu haben.

Solltest du in den Ferien lernen?

Kann gut sein, dass deine Eltern dich damit quälen. Vokabeln lernen. Lücken schließen. Gelerntes festigen und üben. Und du hast dazu ü-ber-haupt keine Lust. Die Schule ist stressig genug. Du willst damit für eine Weile nichts zu tun haben.

Du hast nicht ganz Unrecht. Die Ferien sollen der Erholung dienen. Erstmal alles sacken lassen, was gelehrt und gelernt worden ist. Und deine Altvorderen haben auch nicht ganz Unrecht, selbst wenn du es nicht gerne hörst.

Falls du nach den Ferien eine Nachprüfung bestehen willst, damit du nicht ein Schuljahr wiederholen musst, wirst du dich auf den Hosenboden setzen müssen. Und wollen. Und das, nämlich das Wollen, ist der Schlüssel. Ob du lernen musst oder ob du es willst, ist ein großer Unterschied.

Lernen, das muss mal deutlich gesagt werden, macht nicht immer Spaß. Oft muss erstmal Unlust überwunden werden. Wenn du etwas begriffen hast, etwas kannst, besser im Unterricht mitmachst und gute Noten hast, dann macht es Spaß. Garantiert!

Wie kannst du lernen?

Nicht so wie in der Schule. Anders. Das auch als Tipp an deine Eltern. Vokabeln lernen, zum Beispiel, macht nicht besonders viel Spaß. Wenn es geht, ist es natürlich vergnüglicher, ins Ausland zu fahren und dort die Sprachkenntnisse zu verbessern. Das geschieht ganz nebenbei, allerdings nur, wenn die Eltern ihren Kindern nicht alles abnehmen. Im Restaurant bestellen können sie selbst. Oder nach dem Weg fragen oder etwas einkaufen.

Sprachferien sind eine tolle Möglichkeit, aber leider nicht ganz billig. Wenn das drin ist, dann hab nicht die Befürchtung, dass es wahnsinnig anstrengend ist. Solche Kurse sind immer eine ausgewogene Mischung aus Unterricht und Freizeit. Wenn die anderen Teilnehmenden aus vielen unterschiedlichen Ländern kommen, ist die Sprache des Gastlandes die, in der ihr euch auch in der Freizeit verständigt. Du wirst, wenn die Schule wieder anfängt, staunen, was du alles gelernt hast.

Manche Nachhilfeschulen bieten Ferienkurse an, überhaupt: Nachhilfe in den Ferien ist gar nicht so abwegig. Ohne den Schulalltag sind zwei oder drei Stunden in der Woche gut zu verkraften.

Motivation ist alles

Das ist ein Rat an dich und an deine Eltern. Überleg dir, warum du in den Ferien lernen willst, was und wie viel. Mach dir einen Plan, schriftlich. Am besten gemeinsam mit deinen Erziehungsberechtigten.

Zwei Stunden, vielleicht dreimal die Woche, sind schon viel. Wahrscheinlich reicht es, weniger zu tun. Hinterher unternehmt ihr etwas Besonderes. Gemeinsam schwimmen gehen und hinterher eine Pizza essen, wie klingt das? Oder hast du schon lange einen sehnlichen Wunsch, den deine Eltern dir erfüllen können? Es muss nicht teuer sein, vielleicht ist es gar nichts Materielles.

Oft macht Lernen gemeinsam mehr Spaß. Gibt es in deiner Klasse jemanden, mit dem du dich gut verstehst und der auch lernen will? Tut euch zusammen. Fragt euch gegenseitig ab. Gebt euch Tipps, wie ihr euch etwas am besten merken könnt. Lernt um die Wette. Wer von euch schafft es am schnellsten, sich 20 Vokabeln zu merken? Der Verlierer spendiert ein Eis. Oder teilt Lernstoff unter euch auf. Dann erklärt ihr euch gegenseitig das Gelernte. Richtig erklären kann man nur, was man selber verstanden hat. Ganz nebenbei entwickelt ihr dabei die Fähigkeit, ein kurzes Referat zu halten oder eine kleine Präsentation zu gestalten.

Überleg dir, ob du in den Ferien lernen willst und wenn ja, warum, wie viel und wie. Übertreibe es nicht. Es muss genug Zeit bleiben für Sport und Spiel, für Hobbys, für Erholung und dafür, Freundschaften zu pflegen.

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