Die Sprachen, die du bisher in der Schule gelernt hast, kennen wahrscheinlich alle den Unterschied zwischen vollendeter Gegenwart (Perfekt – ich habe gegessen) und Vergangenheit (Präteritum – ich aß). Auch das Französische unterscheidet zwischen diesen beiden Zeitformen und nennt sie passé composé und imparfait. In diesem Artikel lernst du, wie du die beiden Zeitformen bildest und wie sie eingesetzt werden.

Das passé composé

Bildung des passé composé

Das passé composé entspricht dem deutschen Perfekt. Es wird aus dem Partizip Perfekt (participe passé) des Verbs, das du in die Vergangenheit setzen willst, und der konjugierten Form von avoir bzw. être gebildet. Dabei gibt es noch einen kleinen Unterschied zwischen der Bildung mit avoir und être, weswegen wir die beiden im Folgenden getrennt anschauen.

1. Bildung das Partizip Perfekts

Zunächst musst du natürlich wissen, wie man überhaupt ein Partizip Perfekt für ein französisches Verb bildet. Das kommt natürlich – wie immer – auf das Verb an.

Verben, die im Infinitiv auf -er enden, bilden das Partizip Perfekt mit der Formel Verbstamm + é, also zum Beispiel manger (Infinitiv) – mangé (Partizip Perekt).

Verben auf -ir bilden das participe passé durch Verbstamm + i. Im Beispiel sieht das dann wie folgt aus: dormir – dormi.

Alle anderen Verben sind unregelmäßig. Da hilft leider nur auswendiglernen.

2. Das passé composé mit avoir

Die meisten Verben bilden das passé composé mit avoir. Die Ausnahmen stellen wir dir im nächsten Abschnitt vor. Um das passé composé mit avoir zu bilden, musst du nur das Partizip Perfekt des Verbs kennen (siehe letzter Punkt) und das Verb avoir konjugieren können. Für manger (essen) lautet das französische Perfekt also wie folgt:

j‘aimangénousavonsmangé
tuasmangévousavezmangé
il / elle / onamangéils / ellesontmangé

3. Das passé composé mit être

Als Daumenregel kannst du dir merken, dass die meisten Verben, die eine Bewegungsrichtung beschreiben, mit être gebildet werden, also zum Beispiel aller, rentrer, entrer, arriver, aber auch mourir und naître.

Grundsätzlich gilt bei der Bildung mit être auch die Regel konjugierte Form (hier natürlich von être) + participe passé. Das ist erst einmal gar nicht schwierig, denn schließlich gibt es im Deutschen auch Verben, die das Perfekt mit haben bilden, und andere, die mit sein gebildet werden (ich habe gegessen, ich bin gegangen).

Die Besonderheit im Französischen ist, dass bei der Bildung des passé composé mit être die Partizipform an die Person angepasst wird, wie du es von Adjektiven kennst. Es heißt zum Beispiel il est arrivé, aber elle est arrivée. Bei der Aussprache hört man natürlich keinen Unterschied, aber beim Schreiben ist es wichtig. Das Partizip wird auch für die 1. und 2. Person angepasst, und zwar je nachdem, wer spricht bzw. wer angesprochen wird.

Im Folgenden illustrieren wir das Ganze für dich am Beispiel arriver (ankommen).

jesuisarrivé(e)noussommesarrivé(e)s
tuesarrivé(e)vousêtesarrivé(e)s
il / elle / onestarrivé(e)ils / ellessontarrivé(e)s

Verwendung des passé composé

Das passé composé wird immer dann verwendet, wenn eine Handlung in der Vergangenheit abgeschlossen ist, aber noch Auswirkungen auf die Gegenwart hat. Wenn du beispielsweise gestern die Sachen gekauft hast, die du heute in der Schule trägst, heißt es richtig j’ai acheté.

In der gesprochenen Sprache wird das passé composé genau wie im Deutschen das Perfekt mittlerweile jedoch für nahezu alles verwendet, was in der Vergangenheit geschehen und abgeschlossen ist.

Das imparfait

Das imparfait entspricht dem deutschen Imperfekt bzw. Präteritum. Es wird für in der Vergangenheit abgeschlossene Handlungen verwendet – allerdings mittlerweile vor allem in der Schriftsprache.

Die Konjugation im Imparfait funktioniert bei regelmäßigen Verben wie folgt:

donner
je donnais
tu donnais
il / elle / on donnait
nous donnions
vous donniez
ils / elles donnaient

 

Warum überhaupt verschiedene Zeitformen für die Vergangenheit?

Warum braucht man überhaupt unterschiedliche Zeitformen für die Vergangenheit? Schließlich gibt es neben dem passé composé und dem imparfait auch noch das passé simple und das plus-que-parfait.

Grundsätzlich ist der Hintergrund für mehrere Zeitformen der Vergangenheit, dass diese ja nicht wie die Gegenwart einen exakten Zeitpunkt meint, sondern selbst unterteilt ist und einen langen Zeitraum abdeckt. Es kann also sein, dass du in der Vergangenheit selbst eine Abfolge von Ereignissen zu unterschiedlichen Zeitpunkten darstellen musst. Um das auch grammatikalisch zu verdeutlichen, benötigst du dann auch verschiedene Zeiten.

Beim passé composé und dem imparfait kommt hinzu, dass sie im Französischen häufig gemeinsam in (schriftlichen) Texten verwendet werden.

Das imparfait wird für die Vergangenheit eingesetzt, wenn eine Handlung andauert, wenn man also nicht genau weiß, wann sie anfing oder wann sie endete. Auch regelmäßig stattfindende Ereignisse in der Vergangenheit werden im imparfait geschildert.

Beispiele:

Hier, je travaillais comme toujours.
Le lundi, M. Leclerc allait au marché.

Das passé composé wird dagegen verwendet, wenn eine Handlung punktuell war oder wenn sie die vorangegangene Handlung unterbricht.

Beispiele:

Hier, je travaillais comme toujours. Tout à coup, un chien est arrivé.
Le lundi, M. Leclerc allait au marché. Aujourd’hui, il a acheté des pommes.

Das Zusammenspiel von passé composé und imparfait

Wenn du einen Text schreibst, der in der Vergangenheit angesiedelt ist, musst du dich immer fragen, ob die Ereignisse, die du beschreibst, andauern (imparfait) oder punktuell eintreten und die Handlung unterbrechen (passé composé). Wie du in den Beispielen oben gesehen hast, ist es absolut üblich, innerhalb eines Absatzes (oder teilweise auch innerhalb eines einzigen Satzes) beide Zeiten zu verwenden.

Diese Verwendung der Zeiten ist im Deutschen ungewöhnlich und fällt vielen Lerndenen schwer. Daher musst du hier besonders darauf achten, die richtige Verwendung einzuüben!

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