Don DeLillo ist ein US-amerikanischer Autor von Romanen, Theaterstücken und Kurzgeschichten, dessen Hauptthemen immer wieder die US-amerikanische Gesellschaft, gesellschaftliche Traumata (wie das Attentat an John F. Kennedy oder die Anschläge auf das World Trade Center) und deren Auswirkungen sind. Er gilt als einer der wichtigsten US-amerikanischen Autoren der Gegenwart, wird als Kandidat auf den Literaturnobelpreis gehandelt und gilt mit Thomas Pynchon als wichtiger Vertreter des Postmodernismus. Die Bücher von Don DeLillo haben oft auch surrealistische Züge.

Don DeLillo wurde vor allem durch James Joyce, William Faulkner und Ernest Hemingway beeinflusst. Außerdem gibt er selbst an, dass sein Schreiben auch durch verschiedene Regisseure inspiriert wurde, darunter Stanley Kubrick, Michelangelo Antonioni und Jean-Luc Godard.

Vita

Don DeLillo wurde 1936 in New York als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Er wuchs in er Bronx auf und seine Kindheit war geprägt durch den Katholizismus seiner Eltern und der Umgebung. An der Universität studierte er Kommunikationswissenschaften und schloss das Studium mit einem Bachelor-Abschluss ab. Seine erste Stelle nahm er in einer Werbeagentur an. Sein Wunsch, selbst zu schreiben, entstand durch seine Vorliebe fürs Lesen, allerdings begann er erst mit Mitte 30, auf eine Laufbahn als Schriftsteller hinzuarbeiten. Die Arbeit an seinem erstem Roman begann er 1966.

Bücher von Don DeLillo

Americana (1971)

Mit Ende 20 hat David Bell eigentlich alles erreicht, was er erreichen wollte: Er hat Karriere bei einem Fernsehsender gemacht und kann das Leben führen, das er sich erträumt. Allerdings hat er dabei immer mehr den Bezug zu sich selbst und zur Realität verloren, da er nur noch Rollen einnimmt, die man von ihm erwartet, und seine früheren Ambitionen auf ein künstlerisches Dasein völlig aufgegeben hat.

Um wieder zu sich selbst zu finden, begibt er sich auf eine Reise durch die USA. Er will verschiedene Indianerreservate besuchen und darüber mit der Handkamera einen Film drehen. Auf seiner Reise begegnet er verschiedensten Menschen, die er in seine Dokumentation einwebt, zu denen er aber keine wirkliche Bindung aufbauen kann.

End Zone (1972)

Gary Harkness ist einer der wichtigsten Football Spieler der College-Mannschaft des Logos College in Texas. Vor dem letzten Spiel der Saison raucht er auf Anraten seiner Freundin so viel Gras, dass er während des Spiels einfach das Spielfeld verlässt – denn irgendwie geht ihn das alles nichts an, und außerdem hat er ziemlichen Hunger.

Auf Verständnis kann Gary nicht hoffen – auch wenn man so tut, als würde man verstehen wollen, was ihn dazu gebracht hat, das Spiel mittendrin zu verlassen. Stattdessen wird er selbst besessen von der Bedrohung eines nuklearen Kriegs. Sein Training, die Gespräche seiner Team-Kollegen, die Football-Spiele – alles wird für ihn eine Metapher für einen möglichen Krieg.

Der zweite Roman von Don DeLillo ist bisher nicht auf Deutsch erschienen.

Great Jones Street (1973)

Eigentlich hat Barry Wunderlick alles, was man sich wünschen kann: Er ist reich, berühmt, ein Rockstar, und das mit gerade mal 26 Jahren. Und trotzdem – oder gerade deswegen – ist er unzufrieden mit seinem Leben.

Wunderlick schickt sich selbst in einen vorübergehenden Ruhestand und zieht sich in eine leerstehende Wohnung in der Great Jones Street zurück, wo er einfach wieder zu sich selbst finden und den ständigen Erwartungen, die an ihn gerichtet werden, entkommen will. Dabei spielen Drogensucht, Parties, Todeskult und seine Freundin weiterhin eine große Rolle in seinem teils absurden Leben.

DeLillos dritter Roman wird als Schlüsselroman gehandelt; Bob Dylan gilt wie Mick Jacker als eins der Vorbilder für Barry Wunderlick.

Ratner’s Star (1976)

Billy Twillig ist 14 und ein mathematisches Wunderkind. 1979 beruft man ihn in ein riesiges Forschungszentrum, um eine Botschaft zu entschlüsseln, die offenbar aus dem Weltall stammt. Etwa 2.000 andere Forscher arbeiten ebenfalls an dem gleichen Projekt, und um besser arbeiten und sich konzentrieren zu können, leben die Forscher abgeschieden von der Außenwelt in unterirdischen Bauten.

Die Nachricht enthält mathematische Symmetrien und stammt von „Ratner’s Star“, einem Ort im Weltall, der negative Energie auf sich versammelt, und von dem eigentlich keinerlei Nachricht zu erwarten ist.

Auch „Ratner’s Star“ ist bislang nicht auf Deutsch erschienen.

Spieler – Players (1977)

Lyle und Pammy sind reich und gelangweilt. Er arbeitet als Broker, sie als Trauerberaterin, sie leben in Manhattan, und beide haben sich in ihrem Leben so sehr eingerichtet, dass sich nichts Neues mehr zu ergeben scheint. Das Abendprogramm besteht darin, von einem Fernsehkanal zum nächsten zu schalten.

Bewusst suchen beide Kontakte zu Menschen, die ihnen in ihrem Alltag nicht über den Weg laufen würden.

Während Pammy eine Affäre mit einem Freund der beiden beginnt, der eigentlich in einer homosexuellen Beziehung ist, gerät Lyle in den Dunstkreis einer terroristischen Vereinigung, lässt sich von ihnen rekrutieren und entwickelt den Plan, einen Terroranschlag zu verüben, um aus der Ödnis seines Lebens auszubrechen.

Bluthunde – Running Dogs (1978)

1945 soll in Berlin – genauer, im Führerbunker – in Hitlers letzten Tagen ein Film gedreht worden sein. Wahrscheinlich spielt Sex darin eine entscheidende Rolle. Und Hitler selbst auch.

Dieses Gerücht reicht aus, um eine ganze Menge Interessenten auf den Plan zu rufen: dubiose Kunsthändler, Erotika-Sammler, Geheimdienste, Journalisten. Schließlich wäre ein Porno mit dem Führer DIE Sensation – und wahrscheinlich einen Haufen Geld wert. Und ein Mord ist nur einer der vielen Vorfälle in diesem Kriminalroman, die auf die Spur dieses mysteriösen Films führen.

„Bluthunde“ ist ein klassischer Kriminalroman mit Noir-Elementen, der auf Deutsch erst 20 Jahre nach seinem ursprünglichen Erscheinen (und nach einigen anderen Erfolgen DeLillos) erschienen ist.

Die Namen – The Names (1982)

Nachdem seine Frau ihn mit seinem Sohn verlassen hat, weil sie ihm den Seitensprung mit ihrer besten Freundin nicht verzeihen konnte, folgt James Axton den beiden nach Griechenland, um ihnen wenigstens nah zu sein. Er nimmt dort einen Job an, der ihn auf zahlreiche Dienstreisen führt und ihn in Kontakt mit einer seltsamen Terrorgruppe bringt, die Anschläge im Namen der Sprachgenauigkeit durchführt.

„Die Namen“ ist einerseits eine Charakterstudie der verschiedenen Hauptfiguren, andererseits eine Reflektion über Konsum, die Sehnsucht nach der amerikanischen Gesellschaft, vor der man eigentlich in die Fremde geflohen ist, und vor allem über die Sprache und ihre Macht über den Menschen.

Weißes Rauschen – White Noise (1984)

Jack Gladney ist Professor für Hitlerstudien und lebt mit seiner Frau und vier Kindern in einer Patchwork-Familie in einer Kleinstadt der USA. Das Leben ist beschaulich, bis sich ein mysteriöser Chemie-Unfall ereignet, der die Bewohner des Orts in Angst und Schrecken versetzt. Genaue Informationen gibt es nicht, man weiß nur, dass es einen giftigen Stoff gibt, dem man nicht zu nahe kommen sollte. Daher wird die Bevölkerung evakuiert, um darauf zu warten, dass es nähere Erkenntnisse gibt.

Doch die Erkenntnisse kommen nicht, dafür gerät Jack aber mit der giftigen Substanz in Berührung, und die Ungewissheit führt ihm ganz deutlich die eigene Sterblichkeit und die Angst vorm Tod vor Augen. Und ohne, dass er es weiß, geht es Jacks Frau genau so.

Sieben Sekunden – Libra (1988)

Wie in vielen seiner Bücher befasst sich Don DeLillo in „Sieben Sekunden“ mit einem nicht überwundenen Trauma der US-amerikanischen Geschichte: dem Attentat auf John F. Kennedy. Dabei entwickelt er eine Verschwörungstheorie und beleuchtet gleichzeitig die Lebensgeschichte von Lee Harvey Oswald. Abwechselnd erzählt DeLillo über den Attentäter und den Plänen der CIA, diesen für sich zu manipulieren, um Kennedy dazu zu bringen, die USA in einen Krieg gegen Kuba zu führen.

Der Roman mischt historische Fakten mit fiktionalen Elementen und baut so eine eigene Interpretation der tatsächlichen Ereignisse um das Kennedy-Attentat auf.

Mao II (1991)

Bill Gray ist Schriftsteller und hat seine Bestimmung im Leben gefunden: Sein ganzes Leben ist darauf ausgerichtet, an einem Roman zu schreiben, den er niemals beenden wird. Völlig zurückgezogen von der Außenwelt lebt er abgeschottet in seinem Haus, da sowohl sein Verleger als auch er selbst daran glauben, dass eine Massenproduktion seiner Romane die Person Bill Gray zerstören würde.

Der Besuch einer Fotografin, die eine Reihe über Schriftsteller erstellt, ändert Grays Leben. Er verlässt sein Leben in Zurückgezogenheit und reist in den Libanon, um dort einen anderen Schriftsteller aus der Geiselhaft zu befreien.

„Mao II“ erhielt 1992 den PEN/Faulkner-Award.

Unterwelt – Underworld (1997)

1951 beendete der Schläger der New York Giants ein entscheidendes Baseball-Spiel gegen die Brooklyn Dodgers, indem er den Ball in die Zuschauerränge schlug. Die Wege dieses Balls durch die USA und durch die Jahrzehnte zeichnen die Geschichte von „Unterwelt“ vor.

Der Roman wird in zwei Richtungen erzählt: Rückwärts erfährt man in sechs episodenhaften Kapiteln die „Reise“ des Balls von 1992 bis zurück nach 1951. Eingeschoben sind vier Kapitel, in denen das eigentliche Baseball-Spiel beschrieben wird.

Dem Ball folgend entwirft DeLillo ein Bild der Gesellschaft der USA zu Zeiten des Kalten Kriegs.

„Unterwelt“ war für den National Book Award nominiert.

Körperzeit – The Body Artist (2001)

Lauren ist Performance-Künstlerin und trauert noch um ihren Mann Rey, der sich das Leben genommen hat. Am liebsten verbringt sie ihre Freizeit damit, dass sie sich über eine Webcam die leeren Straßen einer finnischen Kleinstadt ansieht.

Eines Tages trifft sie in ihrem Haus auf einen offensichtlich verwirrten Mann, der autistische Züge trägt und kaum in der Lage ist, mit Lauren zu kommunizieren.

Lauren nimmt den Mann bei sich auf, schneidet Gesprächsfetzen von ihm mit und hört sie sich wieder und wieder an – bis sie feststellt, dass er ganz offensichtlich Dialoge zwischen Rey und ihr imitiert. Und in Laurens Vorstellung verschmelzen der seltsame Mann und ihre Erinnerung an Rey.

Cosmopolis (2003)

Eric Packer ist reich – ein Gewinner der New Economy. Seine Tage verbringt er in seiner Limousine, die nicht nur rollendes Büro, sondern der Mittelpunkt seines Lebens ist. Hier trifft er sich mit seiner Geliebten, lässt sich von seinem Arzt die Prostata untersuchen und handelt mit Geschäftspartnern und Mitarbeitern die neuesten Deals aus, die ihm die nächsten Milliarden bescheren sollen.

Eric Packers Ziel an dem Tag, den Don DeLillo in „Cosmopolis“ beschreibt, ist sein Stamm-Friseur, denn es ist mal wieder Zeit, sich die Haare schneiden zu lassen. Allerdings ist in New York gerade ziemlich viel los – der Präsident ist in der Stadt, Globalisierungsgegner demonstrieren – und zum Friseur muss man quer durch Manhattan, und Packer ist den ganzen Tag unterwegs durch eine surreale Welt des Kapitalismus.

„Cosmopolis“ wurde 2012 von David Cronenberg mit Robert Pattinson in der Haupt- und Juliette Binoche in einer Nebenrolle verfilmt.

Falling Man (2007)

Wie fast die ganze Welt am 11. September 2001 weiß auch Keith Neudecker nicht, wie ihm geschieht. Er ist in einem der Türme des World Trade Center, als ein Flugzeug hineinfliegt. Völlig orientierungslos schafft er es nach draußen, irrt durch die Straßen New Yorks und findet bei seiner Frau, von der er eigentlich getrennt lebt, Zuflucht.

Nach den Schrecken der Terroranschläge sind die Karten für die Familie neu gemischt: Keiths Frau hinterfragt gar nicht, dass er wieder da ist. Es ist ganz selbstverständlich, dass man nun, „nach den Flugzeugen“, versucht, alles andere wieder in den Zustand von vorher zu bringen. Dass Keith kurzzeitig eine Affäre mit einer anderen Überlebenden aus dem World Trade Center hat, hält ihn nicht davon ab, an seiner Ehe festzuhalten.

Und während die ganze Stadt noch unter Schock steht, stellt ein Performance-Künstler an verschiedensten Stellen in New York die Sprünge der Verzweifelten aus den Hochhäusern nach.

Der Omega-Punkt – Point Omega (2010)

Richard Elster sucht den Sinn des Lebens in der Wüste und erhält dabei Besuch: Der 73jährige, der sich auf einer spirituellen Mission befindet, wird von dem jungen Filmemacher Jim Finley aufgesucht. Finley beobachtet Elster, der in der Wüste wohl zumindest ein Stück Weisheit gefunden hat und seine Reflektionen über das Leben und den Tod an den jüngeren Mann weitergibt.

Doch die beiden bleiben nicht allein – Elsters geliebte Tochter kommt ihren Vater besuchen, und bald schon sind die Rollen nicht mehr klar und wandeln sich grundlegend.

Zero K.(2016)

Auszeichnungen

Don DeLillo war zwei Mal für den Pulitzer-Preis nominiert (für „Mao II“ und „Unterwelt“). Für „Mao II“ erhielt er außerdem den PEN/Faulkner Award. Für seinen Roman „Weißes Rauschen“ erhielt Don DeLillo den National Book Award.

Privates

Don DeLillo lebt ein relativ zurückgezogenes Leben und gibt nicht viel über sen Privatleben preis.

Bildnachweis: Don DeLillo (By Thousand Robots Thousandrobots (talk). [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons)