Schöne neue Welt (im Original: Brave New World) von Aldous Huxley zeichnet die Zukunftsvision einer Gesellschaft, die unter einem totalitären System in einem Weltstaat lebt. Der Roman von 1932 zählt zu den einflussreichsten Büchern des 20. Jahrhunderts und hatte eine stilprägende Wirkung auf viele weitere dystopische Werke, die ihm folgen sollten.

Inhaltliche Zusammenfassung Brave New World

Die Handlung von Schöne neue Welt setzt im Jahr 632 nach Ford ein, was dem Jahr 2540 unserer Zeitrechnung entspricht. Die alternative Zählweise geht dabei vom ersten, 1908 in Detroit gefertigten Ford Model T aus. Infolge des Neunjährigen Kriegs zwischen 141 und 150 nach Ford wurde ein Großteil der Menschheit im sogenannten Weltstaat zusammengefasst, der von insgesamt zehn Controllern regiert wird.

Dieser Systemwechsel hat weitreichende gesellschaftliche Änderungen mit sich gebracht: Menschen entstehen nicht länger auf natürlichem Wege, sondern in Brut- und Aufzuchtszentren, wo sie bereits als Embryos konditioniert, indoktriniert und in Kasten (Alpha bis Epsilon) eingeteilt werden. Die Stabilität dieser Sozialstruktur wird unter anderem durch eine euphorisierende Droge namens Soma, kastengerecht abgestimmten Konsum und staatlich angeordnete Promiskuität gewährleistet: Zu Lasten der persönlichen Individualität wird die Bevölkerung von Frust und Unzufriedenheit befreit, wodurch bewaffnete Konflikte bloß eine ferne Erinnerung sind. Armut, Alter und Krankheiten gehören ebenso der Vergangenheit an; auch Kunst oder Religion spielen im Alltag der meisten Menschen keine Rolle mehr.

Ein an längst vergangene Tage erinnernder Lebensstil lässt sich lediglich noch in Reservaten beobachten, wo nicht in die moderne Gesellschaft integrierte Menschen als „Wilde“ hausen. Eines Tages unternehmen die attraktive Beta-Frau Lenina Crowne und der systemkritische Alpha-Mann Bernard Marx einen gemeinsamen Ausflug in ein solches Reservat in New Mexico. Vor Ort stoßen sie auf Linda, die vor vielen Jahren verschollene Frau des Direktors der Brut- und Normzentrale. Nicht zuletzt aufgrund dieser Verbindung wird ihnen von Controller Mustapha Mond gestattet, sowohl Linda als auch ihren Sohn John zurück nach London zu bringen.

Der dort als John Savage bezeichnete „Wilde“ wird als lebende Attraktion von der Alpha-Kaste gefeiert, während Bernards gesellschaftliches Ansehen aufgrund seiner Entdeckung zumindest zeitweise steigt. Bereitwilliger als vorher gibt er sich Partys und wechselnden Frauen hin, John allerdings verzweifelt zunehmend an seinem neuen Umfeld: Das Fehlen von Kultur stößt ihn ab und seine Lenina gegenüber entwickelte Liebe bleibt letztlich unerfüllt, da sie ihm rein sexuell und nicht auf emotionaler Ebene begegnen kann. Als seine Mutter Linda infolge von Soma-Missbrauch stirbt, versucht John vergeblich, einige Deltas vom Aufstand gegen die Verteilung der Droge zu überzeugen. Er wird dabei genauso verhaftet wie der inzwischen hinzugekommene Bernard und dessen Freund Helmholtz Watson.

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Alle drei werden Mustapha Mond vorgeführt; Bernard und Watson verbannt er nach kurzer Zeit auf die Falkland-Inseln. Mit John hingegen lässt er sich zunächst auf ein Gespräch ein, in dem sie die „schöne neue Welt“ samt ihrer sich gegenseitig ausschließenden Aspekte thematisieren. Schließlich möchte Mond wissen, ob John das mit geistiger Freiheit verbundene Leid in Kauf nehmen will und verbannt auch ihn, als er die Frage bejaht. Da er sich Bernard und Watson ausdrücklich nicht anschließen darf, zieht er sich auf einen entlegenen Leuchtturm in Surrey zurück.

Dort treiben ihn die Einsamkeit und das Verlangen nach Lenina zur Selbstgeißelung, wodurch er erneut Schaulustige auf sich zieht. Als Lenina zur Menschenmenge hinzustößt, geht John in seiner Wut auf sie los und löst eine – durch Soma zusätzlich befeuerte – Mischung aus Massenschlägerei und Orgie aus. Als er am nächsten Morgen erwacht, erhängt er sich aus Scham für seine Taten.

Die wichtigsten Figuren in Schöne neue Welt

Lenina Crowne

Lenina Crowne verkörpert die „schöne neue Welt“ als ihre zumindest beinahe mustergültige Bürgerin. Sie führt ihre Arbeit in der Zentrale für Brut- und Normaufzucht gewissenhaft aus, nutzt Soma und wirkt weitgehend angepasst. Die attraktive Angehörige der Beta-Kaste ist für mehrere männliche Figuren des Romans ein Objekt der Begierde: Nach einem kurzen, als unpassend erachteten Exklusivverhältnis mit Henry Foster erregt sie das Interesse von Bernard Marx, ehe sich auch John in sie verliebt. Aufgrund ihrer Konditionierung ist sie von deren über Sexualität hinausgehenden Wünschen und Vorstellungen jedoch irritiert.

John

Der als „Wilde“ bezeichnete John ist in einem Reservat geboren und aufgewachsen. Er ist der Sohn des Direktors des Brut- und Aufzuchtzentrums und dessen verschollener Frau Linda. Seine Erziehung ist durch die in der modernen Zivilisation verbotenen Werke von William Shakespeare beeinflusst; so beruht auch der Originaltitel des Romans auf der Zeile „O brave new world, that has such people in ‚t!“ aus The Tempest. Entsprechend verstört reagiert John letztlich auf die kultur- und lieblose neue Welt, in die er gezogen wird.

Bernard Marx

Obwohl er Alpha und intelligent ist, leidet Bernard Marx an Minderwertigskomplexen. Im Vergleich zu anderen Männern seiner Kaste ist er kleiner und schmächtiger, außerdem scheint auch seine Konditionierung nicht vollständig abgeschlossen zu sein: Wechselnde Geschlechtspartner oder Soma bereiten ihm wenig Vergnügen, gleichzeitig äußert er sich gerade seinem guten Freund Helmholtz Watson gegenüber offen systemkritisch. Die durch John ermöglichte Anerkennung steigt Marx zu Kopf, der Mut und Überzeugung in kritischen Momenten meist vermissen lässt.

Themen und Aussagen

Freiheit oder Sicherheit?

Dieser Kernfrage hinter dem Konzept des Weltstaats widmen sich die Figuren John und Mustapha Mond im 16. Kapitel im direkten Gespräch. Während John die Sinnlosigkeit einer weitgehend emotionslosen Existenz anprangert, argumentiert Mond für einen Verzicht auf Kultur oder Gefühle – Sicherheit, Stabilität und das Allgemeinwohl könnten ihm zufolge nur so gewährleistet werden. Dazu gehöre ebenso die streng durch den Weltstaat kontrollierte Einteilung in Kasten samt der dazugehörigen Konditionierung, durch die das freie Denken stark eingeschränkt wird.

Fordismus

In dem entsprechend totalitär geführten Weltstaat hat sich der Fordismus als Wirtschaftssystem bewährt. Er ist auf die einst mit dem Model T etablierte Massenfertigung ausgerichtet und stellt ihren möglichst reibungslosen Ablauf sicher. Sein Begründer Henry Ford wird regelrecht vergöttert, was sich etwa durch alltägliche Phrasen im bürgerlichen Sprachgebrauch bemerkbar macht. Inspiriert wurde Aldous Huxley zu dieser satirisch-überspitzten Darstellung Mitte der 1920er auf einer Reise durch die Vereinigten Staaten.

Weitere Infos zum Buch

Die für ihre Literatur-Adaptionen bekannte Heavy-Metal-Band Iron Maiden hat ihr Album aus dem Jahre 2000 Brave New World getauft und den Roman auch textlich verarbeitet. Neben deutschen wie internationalen Hörspielen und Bühnenaufführungen von Schöne neue Welt beziehungsweise Brave New World existieren aktuell auch zwei von Kritikern eher mäßig aufgenommene Fernsehfilme. In einem von ihnen bekleidet der als Mr. Spock aus Star Trek bekannte Leonard Nimoy die Rolle des Mustapha Mond (Deutscher Titel: Geklonte Zukunft, im Original: Brave New World, 1998). Eine Kinoverfilmung ist bislang nicht zustande gekommen.

Über den Autor

Aldous Huxley ist 1894 im englischen Godalming, Surrey zur Welt gekommen. Während Schöne neue Welt sein mit Abstand bekanntestes Werk darstellt, hat er sich darüber hinaus auch durch Gedichte, Reiseberichte oder Drehbücher profiliert. Der Blick auf den technischen Fortschritt und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft ziehen sich durch Huxleys frühe Werke, während er sich in späteren Jahren vermehrt mit spirituellen Themen befasste. Mit der Essay-Sammlung „Brave New World Revisited“ (1958) griff er sein Magnum Opus noch einmal auf. Im Alter von 69 Jahren verstarb er infolge einer Krebserkrankung im US-amerikanischen Los Angeles.