Ihr sollt in der Schule aus dem Buch vorlesen oder du willst an einem Vorlesewettbewerb teilnehmen? Dabei können dir unsere Tipps fürs Vorlesen helfen.

Warum du vorlesen üben solltest

Die meisten Texte liest du im Stillen, nur für dich. Vielleicht denkst du, es sollte reichen, wenn du gut leise lesen kannst. Auf jeden Fall ist das die wichtigere Fertigkeit. Trotzdem ist es sinnvoll, dass du auch gut laut vorlesen kannst. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Zunächst einmal wirst du es immer wieder in der Klasse tun müssen. Und zwar nicht nur im Deutsch-Unterricht, sondern in nahezu allen Fächern. Irgendwann kommt sogar noch das Lesen in einer Fremdsprache hinzu. Wenn du dich dann sehr unsicher beim Lesen fühlst, bist du unnötig aufgeregt und abgelenkt. Vielleicht kannst du dich gar nicht mehr richtig konzentrieren und das Lernen fällt dir schwerer. Damit das gar nicht erst passiert, ist es sinnvoll, dass du sicher und flüssig vorliest und dir keine Sorgen darüber machst.

Hinzu kommt, dass du beim Vorlesen anders liest als beim stillen Lesen. Du musst viele Dinge kontrollieren – deine Stimme, deine Atmung, die Aussprache -, sodass du das eigentliche Erfassen des Texts quasi nebenbei machst. Das hat zur Folge, dass du automatisch auch deine ganz normalen Lesefertigkeiten steigerst, wenn du trainierst, wie du besser vorliest.

Und zum Schluss kann dir diese Fertigkeit auch Vorteile bringen. Du kannst an Vorlesewettbewerben teilnehmen, du kannst besser im Unterricht mitarbeiten und du brauchst diese Fähigkeit – einen unbekannten Text laut zu lesen – möglicherweise auch später im Beruf.

Das Gute ist: Richtig gutes Vorlesen kann man lernen. In unseren 5 Tipps zeigen wir dir, wie das geht.

Unsere 5 Tipps zum besseren Vorlesen

Tipp 1: Übe regelmäßig.

Ein ganz einfacher Tipp, aber trotzdem ist er der wichtigste. Neue Fertigkeiten lernst du am besten, indem du sie regelmäßig übst. Das gilt auch fürs Vorlesen. Am besten schnappst du dir kleine unbekannte Texte – aus Büchern, Zeitschriften oder dem Internet – und liest sie einfach laut für dich vor. Wenn du dich ein bisschen sicherer fühlst, kannst du dir auch ein Publikum suchen, zum Beispiel innerhalb deiner Familie. Oder du tust dich mit einer anderen Person aus deiner Klasse zusammen und ihr lest euch regelmäßig gegenseitig etwas vor.

Tipp 2: Du hast Zeit.

Wenn wir laut sprechen, denken wir oft, dass wir wahnsinnig langsam sind, und dann beeilen wir uns. Oder wir empfinden es als unangenehm, vor anderen zu lesen, und auch das bringt uns dazu, schneller zu lesen. Für alle, die zuhören, wird dein Lesen aber sofort besser, wenn du in einem ruhigen und langsamen Tempo liest. So haben auch alle Zeit, das Gehörte zu verstehen. Also: Nimm dir beim Vorlesen ruhig Zeit.

Tipp 3: Lies die Satzzeichen mit.

Natürlich sprichst du die Satzzeichen nicht beim Lesen aus. Aber sie stehen aus einem Grund da, und in einem gut vorgelesenen Text kann man sie hören. Die folgende Übersicht kann dir dabei helfen.

Punkt .

Die Stimme geht am Ende des Worts vor dem Punkt nach unten. Das bedeutet, dass du die letzte Silbe vor dem Punkt tiefer aussprichst als die vorletzte. Anschließend machst du eine Pause, bevor du weiterliest. Steht der Punkt am Ende eines Absatzes, kann die Pause auch etwas länger sein. Die Pause nutzt du am besten, um einzuatmen.

Komma ,

Die Stimme geht am Ende des Worts vor dem Komma nach oben. Du liest die letzte Silbe vor dem Komma höher als die vorletzte. Danach machst du eine kurze Pause. Wenn du Luft brauchst, kannst du auch hier gut einatmen.

Semikolon ;

Das Semikolon ist eine Mischung aus Punkt und Komma, und genauso wird es auch gelesen. Du gehst mit der Stimme davor ganz leich nach oben und machst dann eine Pause, die etwas länger ist als die Pause nach dem Komma und etwas kürzer als die vor dem Punkt. Und auch diese Pause ist perfekt zum einatmen.

Fragezeichen ?

Auch vor einem Fragezeichen geht die Stimme nach oben. Der Unterschied ist jedoch höher als vor einem Komma. Vor einem Fragezeichen kannst du die Stimme auch innerhalb einer Silbe nach oben ziehen (zum Beispiel in dem Wort „was?“). Wenn du das etwas langgezogener machst, wirkt es wie ungläubiges fragen. Auch hier gibt es eine Pause wie beim Punkt.

Ausrufezeichen !

Das Ausrufezeichen hat Einfluss auf die Betonung des gesamten Satzes. Dieser wird lauter und bestimmter ausgesprochen. Die einzelnen Wörter werden stärker betont. Vor allem Schlüsselwörter, die dem Satz Bedeutung verleihen, werden hervorgehoben, zum Beispiel „Er ist nicht mein Freund!“ oder „Du kommst jetzt sofort zu mir zurück!“

Nach einem Ausrufezeichen machst du auch eine längere Pause. Kommen mehrere Ausrufesätze hintereinander, kannst du die Pausen auch etwas kürzer halten. So wirkt das Ganze aufgeregter.

Doppelpunkt :

Der Doppelpunkt führt immer auf das hin, was danach folgt. Das zeigst du auch mit deiner Stimme. Du behältst die Tonlage am Ende bei, und du übernimmst sie auch im Satz nach dem Doppelpunkt. Der Doppelpunkt sorgt natürlich auch für eine Pause.

Wenn du beispielsweise den Satz „Gestern bin ich spät nach Hause gekommen“ nach einem Punkt beginnst, sprichst du die erste Silbe tiefer als die zweite aus. Nach einem Doppelpunkt („Ich muss dir etwas gestehen: Gestern bin ich spät nach Hause gekommen“) bleibt die Silbe genauso hoch wie die letzte Silbe vor dem Doppelpunkt. So verbindest du mit deiner Stimme beide Teile des Satzes.

Gedankenstrich

Auch der Gedankenstrich ist für eine Pause gut. Diese kann sogar etwas länger sein als die Pause nach dem Punkt schließlich zeigt der Gedankenstrich an, dass hier ein Gedanke eingeschoben wird, du dich also einen Moment lang von dem eigentlichen Text gedanklich entfernst. Daher bleibt die Stimme vor dem Gedankenstrich auch ganz normal. Den Einschub, der von dem Gedankenstrich eingeleitet wird, kannst du jedoch mit deiner Stimme hervorheben, indem du ihn wie einen plötzlichen Gedanken aussprichst.

Im Beispiel „Letztes Jahr vielleicht war es auch vorletztes Jahr habe ich Marleen kennengelernt“ könntest du den Einschub zum Beispiel leicht fragend, also mit erhöhter Stimme am Ende, aussprechen. Oder du kannst ihn etwas schneller und höher aussprechen. Dies gibt dem ganzen eine andere Bedeutung. Die erste Variante hört sich an, als wüsste die erzählende Person es nicht mehr so genau, die zweite, als wäre es ihr egal.

Klammern ()

Klammern schieben eine Information in einen Satz ein, die wichtig fürs Verständnis sein könnte oder die noch untergebracht werden soll, die aber nicht zum eigentlichen Satz gehört. Und genauso solltest du sie auch vorlesen. Du kannst die Stimme für den gesamten Teil, der in Klammern steht, leicht senken. In dem Satz „Am nächsten Donnerstag (übrigens mein Geburtstag) muss ich zum Zahnarzt“ kannst du den gesamten Einschub etwas tiefer als den Rest und auch ein wenig schneller sprechen. So merkt man beim Zuhören schon, dass hier etwas zwischen den eigentlichen Satz geschoben wurde.

Wörtliche Rede „“

Wörtliche Rede kannst du immer besonders betonen. Bei verschiedenen Sprechenden könntest du jeder einzelnen Person eine eigene Stimmlage geben (das machen Hörbuchsprecher’innen sehr häufig). Du solltest es damit aber nicht übertreiben, weil das schnell albern wirken kann. Außerdem kannst du die wörtliche Rede etwas lauter vorlesen als den Rest des Textes. Ansonsten gelten die Regeln für die anderen Satzzeichen natürlich auch innerhalb der wörtlichen Rede.

Auslassungspunkte …

Wenn am Ende (oder in der Mitte) eines Satzes Auslassungszeichen stehen, kannst du vor ihnen die Stimme auf derselben Höhe lassen und dann eine längere Pause machen. Zum Beispiel: „Wir warteten noch immer… “ Dadurch, dass du die Stimme auf derselben Höhe lässt, erwartet dein Publikum, dass etwas kommt – was aber nicht passiert. Die Auslassungspunkte werden so deutlich hörbar.

Tipp 4: Nutze die Pausen beim Vorlesen.

Du hast jetzt viele Stellen kennengelernt, bei denen du im Text Pausen machst. Diese Pausen kannst du gut brauchen. Zum einen zum Atmen (dazu mehr im nächsten Tipp), zum anderen kannst du in den Pausen schon einen Blick nach vorne werfen.

Wenn du im Vorlesen geübt bist, weißt du immer schon, was als nächstes auf dich zukommt. Schaue dir in den Pausen den nächsten Satz an und untersuche ihn auf folgende Punkte:

  • Gibt es schwierige, lange, unbekannte Wörter? Kannst du sie erkennen? Ansonsten bereite dich darauf vor, an dieser Stelle nachher besonders aufmerksam zu sein.
  • Wie ist die Struktur des nächsten Satzes? Ist er sehr lang? Musst du mit deiner Luft haushalten? Welche Satzzeichen kommen?
  • Was passiert inhaltlich? Wie kannst du die Betonung einsetzen, um die Bedeutung zu übermitteln?

Das hört sich nach sehr vielen Fragen an, die du dir in der kurzen Pause, die du beim Punkt machst, stellen sollst. Wenn du jedoch regelmäßig vorlesen übst (siehe Tipp 1), geht das irgendwann ganz automatisch.

Tipp 5: Vergiss das Atmen nicht.

Natürlich wirst du das Atmen nicht vergessen, das geht nämlich gar nicht. Das Atmen ist nämlich eine Körperfunktion, die du zwar beeinflussen, aber nicht komplett aussetzen kannst.

Fürs Vorlesen brauchst du jedoch immer genügend Luft, um jedes einzelne Wort laut und deutlich aussprechen zu können. Und dabei atmest du immer ein bisschen aus. Das bedeutet, dass du das Atmen gut regulieren musst. Du musst an den Stellen, an denen du es gut kannst (siehe Tipp 3) einatmen. Versuche, möglichst leise einzuatmen, sonst stört das Geräusch beim Zuhören. Und du musst dir auch nicht unnötig die Lunge mit Luft vollpumpen. Das führt nämlich dazu, dass deine Stimme sich gepresst anhört oder überschlägt. Atme einfach so viel ein, wie du es auch normalerweise tun würdest.

Bei langen Pausen zum Beispiel bei Gedankenstrichen, Auslassungspunkten oder Absätzen kannst du den Mund schließen und durch die Nase einatmen oder vielleicht sogar zwei Atemzüge tätigen. So kommst du auch wieder in einen ruhigeren Atemrhythmus. Dadurch liest du noch selbstsicherer und ruhiger vor.

Haben dir unsere Tipps geholfen? Hast du noch Fragen oder Anregungen? Dann hinterlasse uns gerne einen Kommentar!

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