Wilhelm Tell (Friedrich Schiller)

Redaktion


Das Drama Wilhelm Tell ist das letzte vollendete Werk von Friedrich Schiller. Das Stück entstand 1803/04. Ihm liegt die Sage um den Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell zugrunde. Im Folgenden erfährst du mehr über den Inhalt, die wichtigsten Figuren und die geschichtlichen Hintergründe.

Inhaltliche Zusammenfassung Wilhelm Tell

Erster Aufzug

Am Vierwaldstätter See erscheint Konrad Baumgarten, dem die Soldaten auf den Versen sind, weil er den Burgvogt von Unterwalden ermordet hat. Er trifft auf den Jäger Werni, den Hirten Kuoni und den Fischer Ruodi und fleht sie an, ihn über den See in Sicherheit zu bringen. Werni und Kuoni drängen Ruodi ihn zu retten, doch Ruodi weigert sich aufgrund eines nahenden Unwetters. Schließlich erscheint Wilhelm Tell und bringt Baumgarten über den See.

In der nächsten Szene wird im Gespräch zwischen Werner Stauffacher und seiner Frau Gertrud die Unterdrückung durch die Habsburger und den sadistischen Landvogt Gessler thematisiert. In Stauffacher reift der Gedanke, sich mit anderen zu verbünden und Rat zu halten. In diesem Moment erscheint Tell mit Baumgarten.

In der letzten Szene wird Tell von seinen Landsleuten als Held gefeiert.

Tell und Stauffacher werden Zeuge, wie in Altdorf, auf Anweisung des Landvogts, ein Hut auf einer Säule aufgestellt wird. Dem Volk wird mitgeteilt, dass der Hut verehrt werden soll wie der Vogt selbst.

Stauffacher verbündet sich mit Walter Fürst und Arnold von Melchtal. Gemeinsam planen sie den Aufstand gegen die Habsburger und die Befreiung ihres Landes aus der Unterdrückung.

Zweiter Aufzug

Die erste Szene dieses Aufzugs zeigt ein Gespräch zwischen Ulrich von Rudenz und seinem Onkel Werner, dem Freiherr von Attinghausen. Es wird deutlich, dass Attinghausen ein Mann des Volkes ist, während Rudenz die Ansicht der Herrscher teilt.
Als nächstes wird die Versammlung von Stauffacher, Fürst und Melchtal und ihren rekrutierten Männern auf dem Rütli beschrieben. Die Männer schwören einen Eid, die Habsburger zu bekämpfen und das Land aus der Unterdrückung zu befreien.

Dritter Aufzug

Im Haus von Tell machen sich Tell und sein Sohn Walter zum Aufbruch nach Altdorf fertig. Tells Frau Hedwig glaubt, dies sei zu gefährlich. Erfolgslos versucht sie, ihnen den Besuch in Altdorf auszureden.

In Altdorf werden sie von einem Waffenknecht, dem Wächter des Hutes, aufgehalten, als Tell es versäumt, dem Hut seine Ehre zu erweisen. Schließlich erscheint der Landvogt Gessler selbst und als er von der Missachtung seiner Regeln erfährt, zwingt er Tell einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen. Tell besteht die Probe, wird aber dennoch gefangen genommen. Er soll mit dem Schiff nach Küssnacht gebracht werden.

Vierter Aufzug

Auf der Überfahrt gerät das Schiff in ein Unwetter und Tell kommt frei. Er rettet sich ans Ufer und trifft auf Fischersleute, die er nach dem Weg nach Küssnacht fragt.

In der nächsten Szene sind Fürst, Stauffacher, Melchtal, Baumgarten und Walter Tell um den sterbenden Attinghausen versammelt. Nach seinem Tod schließt sich Rudenz den Eidgenossen an.

Tell trifft in Küssnacht den Landvogt Gessler wieder und tötet ihn mit einem Pfeil.

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Fünfter Aufzug

Die Burg in Altdorf wird von der habsburgischen Besatzung befreit. Das Volk erfährt von dem Tod des Landvogts und feiert die Befreiung des Landes.

Parricida taucht auf, der seinen Onkel, den König Albrecht, getötet hat, und nun auf der Flucht ist. Er erbittet Hilfe von Tell. Tell rät ihm, nach Italien zu gehen und seine Sünde dem Papst zu beichten.

Die wichtigsten Figuren in Wilhelm Tell

Wilhelm Tell

Tell ist der Titelheld des Dramas. Er ist ein Armbrustschütze und lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen in den Bergen. Er ist unabhängig und freiheitsliebend. Obwohl er sich den Eidgenossen zunächst nicht als aktiver Freiheitskämpfer anschließen möchte, kommt er seinen Freunden zur Hilfe, sobald sie ihn brauchen.

Hermann Gessler

Gessler ist als Landvogt der Repräsentant des österreichischen Kaisers in Uri. Gessler ist stolz, unbarmherzig und tyrannisiert das Volk in seinem Bezirk. Er erfreut sich an dem Leid anderer. Er wird als unverheirateter Einzelgänger dargestellt. Da er sich vor Tell fürchtet und ihn als Gefahr sieht, lässt er ihn verhaften.

Werner Freiherr von Attinghausen

Attinghausen ist ein Vertreter des Schweizer Landadels. Er fühlt sich aber mit dem Schweizer Volk verbunden und ist ein Gegner der habsburgischen Herrscher. Er bedauert es, dass sein Neffe Rudenz den österreichischen Kaiser verehrt. Er ist altersschwach und stirbt zum Ende des vierten Aufzugs mit der Hoffnung auf den Erfolg der Eidgenossen.

Themen und Aussagen

Kampf gegen Unterdrückung

Das zentrale Thema in Wilhelm Tell ist der Kampf um die eigene Freiheit. Durch die Wahl des Titelhelden Wilhelm Tell, der als freiheitsliebender und unabhängiger Bergbewohner dargestellt wird, wird dies symbolisiert. Das Volk lehnt sich gegen die österreichische Tyrannei auf und durch ein Bündnis soll die Freiheit des Landes zurückerlangt werden.

Tyrannenmord

Als weiteres Thema behandelt das Stück den Tyrannenmord. Wilhelm Tell ermordet den Landvogt, da er ihn dazu gebracht hat, auf seinen Sohn zu schießen, und um sein Volk von der Tyrannei zu befreien. Um die moralische Frage anzusprechen, wird dem Mord des Landvogts der Mord des König Albrechts gegenübergestellt, der von seinem Neffen aufgrund der Erbschaft ermordet wurde.

Weitere Infos zum Drama

Schiller fand in Tschudis Chronicon Helveticum und den Sagen um Wilhelm Tell und den Rütlischwur die Inspiration für das Drama. Er zog sich nach Jena zurück, wo er von Juni 1803 bis Februar 1804 an dem Stück schrieb. Am 17. März 1804 fand die erste Aufführung im Hoftheater in Weimar statt, die ein großer Erfolg war.

Über Friedrich Schiller

Friedrich Schiller wurde am 10. November 1759 in Marbach geboren und starb am 9. Mai 1805 – ein Jahr nach der Uraufführung von Wilhelm Tell – in Weimar. Er hatte fünf Schwestern und wuchs in Ludwigsburg auf. Zunächst studierte er Rechtswissenschaften und Medizin. Schiller schrieb schon mit dreizehn Jahren Theaterstücke. Sein erstes erfolgreiches Stück Die Räuber wurde 1782 uraufgeführt.

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