Ein bewegtes Leben mit Höhen, aber auch Tiefen, immer sich selbst fordernd und auf Veränderungen hoffend: Klaus Mann kam am 18. November 1906 als ältester Sohn des berühmten Schriftstellers Thomas Mann und seiner Frau Katia zur Welt. Schon früh zog es ihn aus dem Schatten seines großen Vaters, und es entstanden im Laufe seines Lebens zahlreiche namhafte Romane, Essays, Novellen und Artikel. Als Kind der Weimarer Republik entwickelte sich Mann zu einem Außenseiter, weil er Themen ansprach, die damals Tabus brachen.

Genie und Wahnsinn: Die wichtigsten Stationen

Kindheit und Jugend

Geboren in München wuchs Klaus Mann recht behütet auf. Seit seiner Geburt verband ihn eine innige Liebe zu seiner ein Jahr älteren Schwester Erika. Mit ihr besuchte er von 1912 bis 1914 die Schule. Hier begann auch seine Leidenschaft für Theaterstücke. Er gründete mit Freunden und seiner Schwester den Laienbund Deutscher Mimiker. Schon in dieser Zeit träumte Mann davon, berühmt zu werden. Er wechselte von der Volksschule auf das Wilhelmsgymnasium, war aber lediglich im Verfassen von Texten und Aufsätzen ein guter Schüler. So kam es, dass er auf ein Internat kommen sollte. Die Eltern entschieden sich schließlich für die Odenwaldschule, die nach dem Prinzip der Reformpädagogik unterrichtete. Klaus Mann blieb jedoch nur bis 1923 auf der Schule. Auf eigenen Wunsch verließ er sie. In seiner späteren Autobiografie erklärte er diese Entscheidung mit ersten homosexuellen Gefühlsregungen.

Nach Abbruch des daraufhin stattfindenden Privatunterrichts im Elternhaus, verlobte sich Mann mit Pamela Wedekind, der Tochter des berühmten Schriftstellers. Mit ihr war er bis Anfang 1928 liiert, zu einer Hochzeit kam es jedoch nie.

Reisen, Schriftstellerei und Exil

Im Laufe der nächsten Jahre reist Mann viel herum. 1924 zog er nach Berlin, wo er erste Kurzgeschichten in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen publizierte und als Theaterkritiker arbeitete. 1927 bis 1928 unternahm er mit seiner Schwester eine Weltreise, die in dem humoristischen Bericht „Rundherum. Das Abenteuer einer Weltreise“ mündete.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 emigrierte Mann nach Paris. Im Amsterdamer Verlag Querido gab er von 1933 bis 1935 die Exilzeitschrift „Die Sammlung“ heraus, für die auch viele andere Exilanten schrieben. Klaus Mann wurde einer der bedeutendsten Autoren des Exils.

1934 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Erst 1937 erhielt er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr machte Mann seine erste Heroin-Entziehungskur, jedoch ohne dauerhaften Erfolg. 1938 erfolgte bereits die nächste. Er wanderte in die USA aus. Dort erschien 1942 der zweite Teil seiner Autobiografie in englischer Sprache, „The Turning Point“.

US-Army

1942 meldete sich Mann zur US-Army. Er wollte aktiv gegen das NS-Regime kämpfen. Da ihm bis dato die US-amerikanische Staatsbürgerschaft fehlte, durfte er erst 1943 zum militärischen Einsatz. In der Army musste er seine Homosexualität verbergen und auch die Trennung zwischen weißen und schwarzen Soldaten verstörten ihn.

1944 bis 1945 fand Mann in der psychologischen Kriegsführung seinen Platz. Er schrieb Texte und Flugblätter, die sich gegen die Nationalsozialisten richteten. 1945 arbeitete er als Reporter für die Armeezeitung „Stars and Stripes“. Ende 1945 wurde er aus dem Armeedienst entlassen und sein Leben wurde fortan weiter von Rastlosigkeit und Heimatlosigkeit gezeichnet. 1948 unternahm Mann aufgrund finanzieller Probleme, politischer Desillusionierung, seiner Drogensucht und schriftstellerischer Misserfolge sowie persönlichen Schwierigkeiten einen ersten Selbstmordversuch.

Am 21. Mai 1949 nahm Klaus Mann eine Überdosis Schlaftabletten und starb im französischen Cannes.

Die wichtigsten Werke

1925 veröffentlichte Klaus Mann Der fromme Tanz. Es war einer der ersten Romane, die sich mit Homosexualität auseinandersetzten. Hiermit bekannte sich Mann offiziell zu seiner Neigung, obwohl es zu Zeiten der Weimarer Republik sogar unter Strafe stand, homosexuell zu sein. Kurz nach der Veröffentlichung konterte sein Vater mit einem Essay, in dem er die Homosexualität als Fluch und Widersinn bezeichnete.

Im selben Jahr erschien das Drama Anja und Esther, bei deren Uraufführung er selbst, seine Verlobte Pamela Wedekind, seine Schwester Erika und deren Verlobter mitwirkten. Aufgrund dieses Ensembles schaffte es das Drama zu großer Anerkennung.

1932 veröffentlichte Mann seine erste Autobiografie. Sie trug den Titel Kind dieser Zeit und widmete sich seiner Kindheit und Jugend in der Weimarer Republik. Im selben Jahr erschien sein Roman Treffpunkt im Unendlichen, in dem er offenbar auf seiner Erfahrung beruhend über Liebe, Drogen und Suizid berichtete.

1935 erschien ein Roman mit ähnlichem Thema. In Symphonie Pathétique geht es um die Einsamkeit eines Künstlers, die Sehnsucht nach dem Tod und Homosexualität.

1936 erschien das wohl bekannteste Werk Klaus Manns. In Mephisto geht es um einen jungen Künstler, Verstrickungen und Verlockungen und das Thema Nationalsozialismus. 1956 wurde der Roman vom Rowohlt Taschenbuch Verlag neu herausgebracht. Zwischen 1965 und 1968 wurde die Herausgabe des Romans aufgrund seines Inhalts verboten. Erst 1981 durfte das Buch wieder erscheinen.

1939 brachte Mann den Roman Der Vulkan. Roman unter Emigranten heraus, in dem es um verschiedene Exil-Schicksale und eine von ihm herbeigesehnte neue Weltordnung geht, in der jeder seinen Platz hat. Mit Escape to life, in der er seine und andere berühmte Persönlichkeiten und Familien beschrieb, hatte er großen publizistischen Erfolg.

Die oft brisanten Themen seiner Werke

Klaus Mann schrieb die bedeutendsten und heute noch bekanntesten Romane in der Zeit während seines Exils. Dabei fing er früh an. Der fromme Tanz wurde veröffentlicht, als er gerade einmal 19 Jahre alt war. Nach 1933 wurden seine Bücher in Deutschland verbrannt und verboten. Daraufhin widmete sich Klaus Mann nicht nur primär seiner eigenen inneren Zerrissenheit und den Tabuthemen Drogen, Homosexualität und Liebe, sondern vor allem dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten.

Er setzte sich in seinen Werken immer wieder mit seinen eigenen politisch-sozialen Wurzeln auseinander und beleuchtete die Gesellschaft des Nazi-Regimes. Sein wohl bekanntester Roman Mephisto gehört zu diesen Werken, die nicht immer auf so viel Anerkennung stießen wie jetzt. Auch war immer seine persönliche Erfahrung, sein Erleben prägend für seine Werke. Klaus Mann galt als oft labil, ruhe- und wurzellos und immer im Zwiespalt.

„[…] innig – aber erfolglos – darum bemüht, den Anschluss an irgendeine Gemeinschaft zu finden, sich irgendeiner Ordnung einzufügen: immer schweifend, immer ruhelos, beunruhigt, umgetrieben, immer auf der Suche.“ („Der Wendepunkt“)