Homo faber (Max Frisch)

Yvonne Kraus


Homo faber, die Geschichte von Walter Faber, ist wahrscheinlich der bekannteste Roman von Max Frisch. In diesem Artikel erfährst du, worum es in dem Roman geht und wer die wichtigsten handelnden Figuren sind.

Inhaltliche Zusammenfassung Homo faber

Homo faber ist in Form eines Tagebuchs des Ich-Erzählers, Walter Faber, aufgebaut. Er berichtet von seinen verschiedenen Reisen und Zufällen, die ihm währenddessen passieren. Die einzelnen Abschnitte der Reise findest du im Folgenden. Schon zu Beginn hat Faber immer wieder Magenschmerzen – er unterdrückt und ignoriert sie jedoch.

1. Abschnitt: Flug von New York nach Caracas, Flugzeugabsturz

Der Schweizer Ingenieur Walter Faber, 49 Jahre alt, soll aus beruflichen Gründen nach Caracas (Venezuela) fliegen. Zufällig sitzt im Flugzeug neben ihm Herbert Hencke, der Bruder seines besten Freundes zu Studienzeiten, Joachim. Seit Joachim Fabers Jugendliebe Hanna geheiratet hat, hat Faber von beiden nichts mehr gehört.

Das Flugzeug muss in der Wüste von Mexiko notlanden und wartet dort einige Tage auf eine Reparatur. In dieser Zeit lernt Faber Herbert Hencke besser kennen und erfährt, dass dieser auf der Suche nach Joachim ist, der in Guatemala lebt, aber seit Monaten nichts mehr von sich hat hören lassen. Als die Flugreise weitergeht, entschließt Faber sich spontan, Hencke auf der Suche nach Joachim zu begleiten.

2. Abschnitt: Reise nach Guatemala

Herbert und Walter begeben sich im Dschungel Guatemalas auf die Suche nach Joachim. Diese ist schwieriger, als sie dachten. Sie irren teilweise ziellos umher und finden die Plantage erst mit Hilfe eines Dritten, den sie unterwegs treffen. Sie kommen jedoch zu spät. Joachim hat sich auf der Plantage erhängt. Herbert will bleiben, Walter kehrt zurück nach New York.

3. Abschnitt: Rückkehr nach New York

In New York wartert Fabers Geliebte Ivy auf ihn in seiner Wohnung. Ivy ist deutlich jünger als Faber (26) und außerdem mit einem anderen Mann verheiratet. Trotzdem will sie, dass Faber sie heiratet, der jedoch kein Interesse daran hat und deswegen eine Europa-Reise früher antritt als er eigentlich müsste. Dazu nutzt er dieses Mal nicht das Flugzeug, sondern ein Schiff.

3. Abschnitt: Schiffsreise nach Europa

Auf dem Schiff lernt Walter die junge Elisabeth kennen. Er nennt sie Sabeth und verliebt sich in sie, weil sie ihn an Hanna erinnert. Tatsächlich lässt sich Faber sogar an seinem Geburtstag, den er an Bord verbringt, dazu hinreißen, Sabeth einen Heiratsantrag zu machen. Diese lehnt jedoch ab.

Am nächsten Tag landet das Schiff in Paris. Die beiden verabschieden sich, Walter hält sich jedoch immer wieder im Louvre auf, weil er weiß, dass Sabeth früher oder später dort auftauchen wird. Tatsächlich treffen sie sich. Sabeth will nach Athen zu ihrer Mutter reisen und per Anhalter fahren. Walter überzeugt sie davon, dass dies gefährlich ist, und bietet ihr stattdessen an, sie mit dem Auto hinzufahren.

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4. Abschnitt: Autoreise nach Athen

Auf der Fahrt nach Athen kommen Walter und Sabeth sich tatsächlich näher und werden zu einem Paar. Außerdem sprechen sie über Sabeths Mutter, die, wie sich herausstellt, Hanna ist. Faber wird dadurch an seine Zeit mit Hanna erinnert, die ihm den Spitznmen „Homo faber“ gab. Sie bezeichnete ihn damit als einen herstellenden Menschen, der rein rational entscheidet und an Technik interessiert ist.

Hanna und er waren in den 1930er Jahren ein Paar. Hanna, die als Jüdin in Deutschland lebte, wusste, dass sie in Gefahr war. Eine Heirat mit dem Schweizer Walter hätte ihr Leben retten können. Als sie von ihm schwanger wurde, reagierte er verhalten, sprach davon, dass es ihr Kind sei und brachte sie schließlich dazu, eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Schließlich machte er ihr einen Heiratsantrag, den sie jedoch ablehnte, weil sie das Gefühl hatte, dass er den Antrag nur aus Pflichtgefühl gemacht hatte. Die beiden trennten sich und etwas später heiratete Hanna Joachim.

Faber weiß, wann Hanna schwanger war und wann Sabeth geboren wurde. Trotzdem kommt er zum Schluss, dass sie – wie sie selbst sagt – Joachims und nicht seine eigene Tochter ist.

Als Sabeth und Walter gemeinsam am Strand baden, wird Sabeth von einer Schlange gebissen. Walter, der zu diesem Zeitpunkt nackt ist, rennt zu ihr, um ihr zu helfen. Sie weicht vor ihm zurück, stürzt und verletzt sich den Kopf. Sie verliert das Bewusstsein.

5. Abschnitt: Ankunft in Athen

Walter bringt Sabeth nach Athen in ein Krankenhaus. Hanna kommt und klärt Walter darüber auf, dass Sabeth seine Tochter ist. Im Krankenhaus erhält Sabeth ein Gegengift gegen den Schlangenbiss und scheint sich zunächst zu erholen. Da Walter nichts von dem Sturz erzählt hat, stirbt Sabeth jedoch bald darauf an ihrer nicht erkannten Kopfverletzung.

6. Abschnitt: Letzte Reisen nach New York, Guatemala, Havanna und ins Krankenhaus

Walter entschließt sich, bei Hanna zu bleiben. Er will zuvor nur noch ein paar Dinge erledigen und fährt alte Stationen seines Lebens an. Ivy hat seine New Yorker Wohnung verkauft, in Guatemala trifft er noch einmal auf Herbert und schließlich landet er in Havanna. Dort werden die Magenschmerzen, die er immer wieder verdrängt hat, so stark, dass schließlich eine Operation durchgeführt werden muss. Sein Tagebuch bricht am Morgen der Operation ab.

Die wichtigsten Figuren in Homo faber

Walter Faber

Walter Faber, der „Homo faber“, ist ein rationaler und pragmatischer Mensch. Er trifft Entscheidungen nicht emotional, sondern lässt sich allein von Fakten leiten.

Dies hat dazu geführt, dass er mit fast 50 Jahren eine 26-jährige Geliebte hat und einen Job, der ihn an alle möglichen Plätze in der Welt führt. Den Platz für sich selbst hat er jedoch nicht gefunden.

Walter Faber verhält sich wie der Prototyp des „alten weißen Mannes“, der häufig beschrieben wird, wenn es um Privilegien geht. Faber ist privilegiert, nutzt seine Stellung gegenüber Frauen aus, behandelt andere Menschen herablassend, weil er sich selbst für besser als sie hält, und zerstört so sich selbst (Magenschmerzen) und auch alle anderen um sich herum. Er sieht sich selbst als technikliebenden Menschen, kann die Rationalität jedoch ausblenden, wenn ihm das gerade nutzt. Dass er nicht selbst herausfindet, dass Sabeth seine Tochter ist, ist vielleicht noch Selbstschutz. Dass er die Affäre nicht abbricht, nachdem er weiß, dass sie die Tochter seiner Jugendliebe ist, ist nur noch Eigennutz.

Am Ende tötet dieser Egoismus sogar seine Tochter. Als er versteht, dass sein Verhalten Konsequenzen für die Menschen hat, die er liebt, ist es eigentlich schon zu spät. Eine Operation an seinem Magen steht an. Dass das Buch an dieser Stelle abbricht, deutet an, dass Faber während der Operation oder kurz danach stirbt.

Herbert Hencke

Herbert Hencke ist der Bruder von Walters Juigendfreund Joachim. Die beiden haben sich früher nie getroffen. Trotzdem ist die Tatsache, dass sie auf einem Flug nebeneinander sitzen, der Auslöser für alle weiteren Ereignisse und Zufälle.

Walter findet Herbert anfangs unsympathisch. Dies basiert vor allem auf Vorurteilen. Tatsächlich sind beide sich nicht unähnlich. Schließlich war auch Walter eine Art Bruder für Joachim, bis ihre Freundschaft endete.

Joachim Hencke

Joachim war der Freund von Walter und auch von Hanna. Er heiratete Hanna im Wissen, dass diese von Walter schwanger war. Er übernahm aus Liebe zu Hanna die Verantwortung für sie und ihr Kind. Dank Joachim überlebte Hanna die Nazi-Diktatur, während Walter den Kontakt zu ihr abbrach.

Nach der gescheiterten Ehe mit Hanna landete Joachim schließlich als Plantagenleiter im Dschungel von Guatemala. Dort wird er jedoch psychisch krank und nimmt sich schließlich das Leben.

Elisabeth Piper

Elisabeth Piper, genannt Sabeth, ist die Tochter von Walter Faber und Hanna Piper. Hanna hat Walter verlassen, als sie schwanger war, und Elisabeth im Glauben großgezogen, dass sie die Tochter von Joachim sei.

Auf einer Schiffsreise lernen Sabeth und Walter sich kennen. Walter ist sofort von ihr fasziniert, sie findet den Mann anfangs deutlich zu alt, verliebt sich aber später auch. Die beiden beginnen eine Beziehung.

Sabeth stirbt, nachdem sie von einer Schlange gebissen wird und – erschrocken über den nackten, heraneilenden Walter – stürzt. Gegen den Schlangenbiss erhält sie ein Serum, die Kopfwunde wird jedoch nicht behandelt, weil Walter sie im Krankenhaus nicht erwähnt.

Hanna Piper

Hanna ist die Jugendliebe von Walter Faber. Sie hat ihm den Namen „Homo faber“ gegeben, um zu zeigen, dass er einer ganz neuen Art Mensch angehört. Gemeinsam mit ihm hat sie eine Tochter, Sabeth, was Walter jedoch nicht weiß. Als sie mit Sabeth schwanger war, verließ sie Walter, der eine Abtreibung wünschte. Stattdessen heiratete Hanna Joachim.

Später ging sie nach Griechenland, wo sie beruflich erfolgreich war und mit ihrer Tochter lebte.

Themen und Aussagen

Schicksal und Zufall

Die Ereignisse, die Walter Faber zustoßen, sind von vielen Zufällen geprägt. Zufällig sitzt er im Flugzeug neben dem Bruder seines Jugendfreund, zufällig muss das Flugzeug notlanden. Auf dem Schiff trifft er ebenfalls durch Zufall seine eigene Tochter wieder. Diese Verkettung von Zufällen ist nicht nur ungewöhnlich, sondern hat für Faber auch etwas Schicksalhaftes. Den Menschen, mit denen er dadurch in Verbindung tritt – Hanna, Joachim, Elisabeth – hat Walter Faber Unrecht getan. Dass er sie nun wiedertrifft, führt letztlich dazu, dass er sich mit lange vergangenen Handlungen auseinandersetzt.

Der Mensch und Technik

„Homo faber“ klingt wie die Bezeichnung eines neuen Typus Mensch, und tatsächlich ist die Technikgläubigkeit, die Frisch hier darstellt, der Grund für eine Veränderung des Menschen vor allem in sozialer Hinsicht.

Das Beispiel des Walter Faber zeigt jedoch, dass Rationalität und Emotionslosigkeit teils nur vorgeschoben sind und schnell weichen können, wenn sie den eigenen Zielen im Weg stehen. Sie dienen eher als Rechtfertigung für das eigene egoistische Verhalten, dass sogar Leben zerstört.

Schuld und Verantwortung

Nicht umsonst erinnert vieles in Homo faber an die griechische Mythologie. Die stärkste Parallele findet sich zur Geschichte des Ödipus, der – unwissend – seinen Vater tötete und seine Mutter heiratete. Walter Faber findet Elisabeths „Vater“ Joachim tot auf. Später schläft er mit seiner eigenen Tochter, auch, ohne es zu wissen. Allerdings könnte er es wissen, verschließt dieses Wissen aber vor sich selbst. Dadurch lädt er neue Schuld auf sich. Auch das Verlassen von Hanna und das Drängen zur Abtreibung führten bereits zu Schuld. Schließlich verursacht Walter den Tod seiner eigenen Tochter. Zum einen erschreckt er sie durch seine Nacktheit, sodass sie stürzt und sich verletzt. Im Krankenhaus erzählt er jedoch nichts von dem Sturz, verheimlicht also seine eigene Rolle. Dies führt dazu, dass Sabeth nicht behandelt wird und ihren Verletzungen erliegt.

Homo faber beginnt, als Walter Faber schon fast 50 Jahre alt ist und bereits einige Schuld auf sich geladen hat. Er hat sich bisher nicht viele Gedanken darüber gemacht, die Verantwortung dafür zu tragen. Die Begegnung mit seiner Vergangenheit in Form von Joachim, Hanna und Elisabeth und schließlich der Tod seiner Tochter führen jedoch dazu, dass er ein anderer Mensch werden will und ein anderes Leben führen will.

Während der ganzen Zeit fraß sich jedoch bereits ein Magengeschwür durch ihn. Diese mögliche Manifestation seiner Schuld zieht ihn zum Ende des Buchs dann ultimativ zur Verantwortung, indem sie ihn tötet.

Weitere Infos zum Buch

Homo faber wurde zwei Mal verfilmt. Die bekanntere Verfilmung stammt von Volker Schlöndorrf aus dem Jahr 1991. Sie konzentriert sich jedoch vor allem auf die Liebesgeschichten aus dem Roman und behandelt die vielfältigen Themen kaum bis gar nicht.

Über den Autor

Max Frisch wurde 1911 in Zürich geboren. Er arbeitet als Schritsteller und zunächst auch als Architekt, bis er sich ganz auf das Schreiben konzentrierte. 1991 starb er in der Schweiz. Mehr zu Max Frisch erfährst du hier.

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