Was ist eigentlich ein Generationenroman?

Yvonne Kraus


Ein Generationenroman erzählt die Geschichte einer Familie über viele Jahre hinweg. Wir erklären dir in diesem Artikel alles, was du zu diesem Genre wissen musst.

Was ist ein Generationenroman?

Eine mehrere Generationen einer oder mehrerer Familien umfassende Geschichte bildet den Generationenroman.

Vor dem Hintergrund der Entwicklung der Familie werden auch gesellschaftliche Entwicklungen und Zusammenhänge geschildert. Anders als im verwandten Gesellschaftsroman stehen im Generationenroman jedoch die Familie selbst, ihre unterschiedlichen Generationen und die Verbindung und Konflikte der Familienmitglieder untereinander im Vordergrund.

Oft schildert ein Generationenroman Aufstieg und Fall einer ganzen Familie.




Welchen Zweck verfolgen Autoren, die einen Generationenroman schreiben?

Gerade in der deutschen Literatur (aber nicht nur da) wird der Generationenroman oft genutzt, um sich mit der jüngeren Vergangenheit und der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.

Dadurch wird die oft abstrakte Geschichte der Schul- und Lehrbücher zur Geschichte von Familien und somit von Menschen. Das macht es Lesern deutlich leichter, sich mit geschichtlichen Entwicklungen auseinanderzusetzen und sie zu verstehen.

Durch die Schaffung dieser Identifikationsfiguren wird auch ein Nebeneffekt durch den Generationenroman erreicht. Einem jüngeren Publikum, das viele die Gegenwart prägende zeitgeschichtliche Ereignisse selbst nicht miterlebt hat, werden diese auf eine sehr zugängliche Weise geschildert und in ihren eigenen Erlebnishorizont integriert.

Bekannte Generationenromane

Der Generationenroman erfreut sich spätestens seit Thomas Manns Buddenbrooks großer Beliebtheit. Aber auch etliche Neuveröffentlichungen sind diesem Genre zuzuordnen.

2011 gewann mit In Zeiten des abnehmenden Lichts von Eugen Ruge ein Generationenroman über das Leben vor, in und nach der DDR den Deutschen Buchpreis.




Dieser Roman ist vor allem deswegen ein typischer Vertreter seines Genres, weil in ihm eine Familie vor dem Hintergrund drastischer gesellschaftlicher Wandlungen versucht, ihr Glück zu finden. Diese Familie ist gezwungen, sich in den ständig ändernden Umständen möglichst positiv zu positionieren. Dies gelingt jedoch nicht immer.

Wie im Generationenroman üblich haben auch hier die Handlungen und Unterlassungen einer Generation weitreichende Auswirkungen auf alle nachfolgenden Generationen. Dies macht es für die Generation der Enkel oft schwierig, eine aktive Haltung einzunehmen. Denn ihre Handlungsmöglichkeiten sind oft durch weit vor ihrer Geburt getroffene Entscheidungen eingeschränkt.

Weitere typische Vertreter des Genres Generationenroman sind

  • Die Korrekturen von Jonathan Franzen,
  • Es geht uns gut  von Arno Geiger und
  • Die Mittagsfrau von Julia Franck.
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