Der Verbrecher aus verlorener Ehre (Friedrich Schiller)

Redaktion


Der Verbrecher aus verlorener Ehre ist eine Erzählung von Friedrich Schiller aus dem Jahre 1776 und zählt zu den ersten Kriminalerzählungen. Die Literaturgeschichte handelt vom gesellschaftlichen Abstieg eines jungen Mannes. Gezwungen durch Armut begeht er Verbrechen und gerät schon bald in einen kriminellen Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Inhaltliche Zusammenfassung Der Verbrecher aus verlorener Ehre

Christian arbeitet in der Gastwirtschaft seiner Mutter. Sein Vater ist früh verstorben, daher musste er bereits in jungen Jahren etwas zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Seit dem Tod des Vaters läuft das Geschäft jedoch relativ schlecht, weswegen die Familie finanziell keine großen Sprünge machen kann. Hinzu kommt, dass Christian mit seinem Äußeren hadert: Er findet sich besonders häsllich.

Dennoch scheint es eine Frau zu geben, die von seinem Aussehen nicht vollkommen abgeschreckt ist. Aus diesem Grund versucht er alles daran, das Herz der mittellosen Johanne zu gewinnen. Er scheut selbst vor einem räuberischen Dasein nicht zurück. Leider geht der Plan, ein Geschenk für die junge Johanne zu stehlen, schief. Nicht zuletzt wurde der Plan von seinem Nebenbuhler und Forstgehilfen Robert vereitelt, der ihm auf die Schliche kommt. Mit seinem letzten Lohn schafft es Christian dennoch, eine Gefängnisstrafe abzuwehren.

Dadurch gerät Christian schon bald in finanzielle Not. Obwohl er die Möglichkeit hätte, zusätzlich als Bauer Geld zu verdienen, nimmt er diese nicht an. Er ist als Sohn eines Gastwirts einfach zu stolz, solche niedrigen Arbeiten durchzuführen.

Bereits nach kurzer Zeit wildert er erneut. Auch dieses Mal kommt ihm Robert auf die Schliche. Dieses Mal bekommt er jedoch keine Geldstrafe, sondern wird für ein Jahr in ein Zuchthaus geschickt.

Nach diesem Jahr ist Christians Hochmut endgültig gebrochen. Die Arbeitssuche gestaltet sich ebenfalls als überaus schwierig, denn aufgrund seines Rufes will ihm niemand mehr Arbeit geben.

Da Christian nichts anderes übrig bleibt, muss er sich erneut der Wilderei hingeben. Ein weiteres Mal wird er von seinem einstigen Forstgehilfen Robert geschnappt. Weitere drei Jahre in einem Gefängnis folgen, in denen er zusammen mit anderen Schwerverbrechern harte Arbeit verrichten muss. Diese Zeit verändert Christian von Grund auf. Der schlechte Einfluss der anderen Inhaftierten sowie die grausamen Bedingungen haben ihre Spuren hinterlassen. Als Christian erneut auf freien Fuß gesetzt wird, will er nur eines – und zwar Rache.

Er kehrt zurück in seine Heimat, wird jedoch von allen außer Johanne gemieden. Sie ist völlig verwahrlost und eine Prostituierte geworden. Christian weist sie dennoch zurück, als sie versucht, ihm näherzukommen.

Voller Hass auf die Gesellschaft zieht Christian sich in ein entlegenes Waldstück zurück. Dort gibt er sich der Wilderei hin und trifft eines Tages auf seinen alten Kumpanen Robert. Christian erschießt ihn kurzerhand, da dieser in erster Linie für seinen Untergang in der Gesellschaft verantwortlich ist.

Lektürehilfen zu Der Verbrecher aus verlorener Ehre

       

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Während Christian flüchtet, trifft er auf eine berüchtigte Räuberbande und schließt sich dieser an. Anfangs fühlt er sich verstanden, dennoch erkennt er bereits nach kurzer Zeit, dass die Gruppe nur von Misstrauen beherrscht wird.

Geplagt von schlechtem Gewissen steigt er aus der Gruppe aus und versucht seinen einstigen Landherren zu erreichen. In den Briefen kündigt er an, als Soldat im Siebenjährigen Krieg zu dienen. Als er keine Antwort erhält, entschließt er sich kurzerhand nach Preußen zu gehen und an der gegnerischen Seite zu kämpfen.

Soweit kommt es aber nicht, da Christian an der Landesgrenze mit gefälschten Papieren aufgehalten wird. Er wird inhaftiert und am nächsten Morgen dem Richter vorgeführt. Bei der Anhörung gibt er sich nur als gesuchter Räuber aus – hingerichtet wird er  trotzdem.

Die wichtigsten Figuren in Der Verbrecher aus verlorener Ehre

Christian

Die Hauptfigur in Friedrich Schillers Novelle Der Verbrecher aus verlorener Ehre ist Christian Wolf. Sein Erscheinungsbild ist laut Angaben unansehnlich und hässlich. Der junge Mann in seinen 20ern fristet ein jämmerliches Dasein. Um jedoch die Gunst einer hübschen Frau zu gewinnen, begeht er seine erste Straftat, die ihn schließlich immer weiter in eine Kette aus unglücklichen Zufällen bringt und sein Leben von Grund auf verändert.

Johanne

Laut Angaben ist Johanne eine liebreizende Frau von 20 bis 25 Jahren. Sie wohnt in der Nähe von Christian und kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Aus diesem Grund ist sie größtenteils auf Geschenke ihrer zahlreichen Verehrer angewiesen. Auch Christian hat ein Auge auf sie geworfen und versucht, sich ihre Liebe zu erkaufen. Zwar weist sie ihn anfänglich zurück, entscheidet sich jedoch bald anders. Als der junge Christian kurze Zeit später gefangen genommen wird, verändert sich auch ihr Leben von Grund auf.

Robert

Der Forstgehilfe Robert lebt in derselben Gegend wie Christian. Beide Männer kämpfen um die Gunst von Johanna, wobei Robert sich gekonnt im Vorteil sieht. Gesegnet mit besserem Aussehen und mehr Geld, glaubt er, ohne Probleme die Aufmerksamkeit der jungen Frau auf sich ziehen zu können. Als jedoch das Gegenteil der Fall ist, sieht er sich gezwungen, der Sache näher auf den Grund zu gehen. Schon bald fällt ihm auf, dass Christian mit unfairen Mitteln kämpft und er lässt dessen Wilderei auffliegen. Er scheint jedoch damit Dinge ins Rollen zu bringen, die kaum noch aufzuhalten sind.

Themen und Aussagen

Der kriminale Aspekt

In Friedrich Schillers Der Verbrecher aus verlorener Ehre stehen grundsätzlich die Themen einer Kriminalgeschichte im Vordergrund. Schiller versucht aus verschiedenen Blickwinkeln zu zeigen, dass Menschen nicht von Grund auf böse sind, sondern von der Gesellschaft in eine falsche Richtung getrieben werden. Darüber hinaus versucht der Autor, sich tiefer mit den Begriffen Gut und Böse auseinanderzusetzen und behandelt auch das Thema Willensfreiheit genauer.

Der psychologische Aspekt

Der gesellschaftliche Abstieg von Christian soll zeigen, dass grundlegend bestimmte Faktoren vorhanden sein müssen. Er wird von der Gesellschaft gemieden, besitzt weder Selbstbewusstsein noch Disziplin. Der junge Mann sieht sich daher aufgrund seiner äußeren und inneren Umstände gezwungen, Schritte einzuleiten, die nicht auf legaler Basis verlaufen.

Die menschliche Seele

Schiller zeigt in seiner Novelle Der Verbrecher aus verlorener Ehre, dass kriminelles Verhalten grundsätzlich nicht genetisch veranlagt ist, sondern sich mit der Zeit durch äußerliche und innerliche Umstände bildet. Der Autor beschäftigt sich daher mit dem Zusammenspiel von Körper und Seele. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Mordszene, in der Christians seelische Erregung in Form von körperlichen Symptomen erkennbar wird.

Weitere Infos zum Buch

Der Kriminalroman Der Verbrecher aus verlorener Ehre von Friedrich Schiller beruht auf einer wahren Begebenheit und wurde im Jahr 1786 verfasst. Laut Angaben wurde Schiller die Geschichte von dessen Lehrer, Jakob Friedrich von Abel, überliefert. Friedrich Schwan, ein Räuber, der sich für seine Tat stellte, aber trotzdem hingerichtet wurde, galt als Vorbild für die Novelle.

Über den Autor

Johann Christoph Friedrich Schiller lebte von 1759 bis 1805 und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Literaturepochen Sturm und Drang sowie der Klassik. Der deutsche Dichter, Historiker und Dramatiker verfasste sein erstes Stück Die Räuber unter erschwerten Bedingungen. Bei dessen Uraufführung war Schiller trotz des Verbotes von Herzog Karl Eugen anwesend. Dieser warf den damaligen Medizinstudenten daraufhin ins Gefängnis und verbot ihm zudem, weitere Dramen zu verfassen.

Nach seiner Flucht nach Mannheim über Leipzig bis nach Weimar schrieb er dennoch zahlreiche Dramen und traf dadurch auch interessante Persönlichkeiten wie Goethe, zu dem er ein besonders inniges Verhältnis pflegte. 1789 wurde er in Jena als Professor für Philosophie und Geschichte anerkannt, starb jedoch bereits wenige Jahre später an Tuberkulose.

Mehr über Schiller findest du auf unserer Autorenseite.

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