Die Wissenschaft, die sich mit der Evolution des Menschen befasst, nennt sich Paläoanthropologie. Sie beschäftigt sich mit geologischen und biologischen Begebenheiten unserer Herkunft. Mit der Schöpfungsgeschichte, die du aus der Bibel kennst, hat sie nichts zu tun. Viel eher erforscht sie, wie sich vor vielen Millionen Jahren die Menschenaffen allmählich zum Menschen entwickelten. Somit beschäftigt sie sich nicht nur mit den anatomischen Veränderungen, die wir während der Evolution des Menschen durchlaufen haben, sondern auch mit dessen Kulturbildung.

Darwins Evolutionstheorie und die Evolution des Menschen

Die sogenannte Evolutionstheorie wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem britischen Naturforscher Charles Robert Darwin aufgestellt und veröffentlicht. Bis dato glaubten die Menschen, dass Gott die Erde und alle Lebewesen erschaffen hätte. Der Begriff Evolution wurde in der ersten Auflage seines Buchs nicht genutzt. Stattdessen besagte seine Hauptthese, dass sich die Natur und damit auch die Tiere und der Mensch über einen langen Zeitraum entwickelt haben.

Um seine Behauptungen zu untermauern, führte er Belege an, die er gesammelt hatte. Darwin stellte dabei fest, dass sich die Arten aus unterschiedlichen Urformen ihrer selbst entwickelt haben. Außerdem behauptete er, dass diese Arten ständiger Entwicklung – Evolution – unterworfen seien.

Darwins wohl bekannteste These ist die der natürlichen Auslese (Survival of the Fittest). Sie besagt, dass jedes Lebewesen nach dem Überleben strebt, Ressourcenknappheit allerdings dafür sorge, dass nur die Arten überleben, die sich den Lebensbedingungen anzupassen wissen. Gleichzeitig fand er heraus, dass Arten sich unterschiedlich entwickeln – abhängig von ihren äußeren Lebensumständen (Artenbildung). So kommt es zur Artenvielfalt, die wir heute kennen.

Stammbäume und Artenbildung des Menschen

Lebewesen lassen sich in Stammbäume einordnen. Dazu gehören nicht nur Tiere, sondern auch Menschen. Genau genommen gehören wir zu den Wirbeltieren und innerhalb dieser Klassifikation zu den Säugetieren beziehungsweise Säugern. Gemeinsam mit den Halbaffen und Affen sind wir trotz der evolutionären Veränderung der Ordnung der Primaten zuzuteilen. Wie du sicher bereits gehört hast, sind die Halbaffen, zu denen der Gorilla, der Orang-Utan und Schimpansen gehören, unsere nächsten Verwandten.

Der wissenschaftliche Begriff für den Menschen lautet Homo sapiens. Zu der Artenaufspaltung, die schlussendlich die uns bekannten Halbaffen auf der einen und die Menschen auf der anderen Seite hervorbrachte, sorgte die Entwicklung des aufrechten Ganges. Sie resultierte daraus, dass unsere Vorfahren in der evolutionären Entwicklung vom Leben auf den Bäumen zum Leben auf dem Boden übergegangen sind.

Während Menschenaffen biologisch 48 Chromosomen besitzen, haben wir 46. Interessant ist, dass Menschenaffen sogar dieselben Blutgruppen besitzen wie Menschen.

Vom Affen zum Vormenschen

Bis heute ist nicht vollständig geklärt, wie genau die alten Stammbäume unserer Vorfahren aussehen. Feststeht allerdings, dass wir ursprünglich von afrikanischen Primaten abstammen.

Während der Evolution des Menschen, genau genommen vor rund sechs bis sieben Millionen Jahren, haben wir uns über mehrere Etappen aus den Menschenaffen entwickelt. Ursächlich dafür sind geologische Veränderungen in Ostafrika, die unsere Urahnen aus den Regenwäldern in die Savanne trieben. Dieser räumliche Wandel sorgte für die Evolution des Menschen.

Entwickelt haben wir uns vermutlich aus Australopithecus-Arten, die bereits aufrecht gehen konnten. Die Wurzel des heutigen Menschen stellt wohl der Australopithecus africanus dar.

Im Rahmen der Artenbildung haben sich im Verlauf verschiedene Arten herausgebildet, die dem heutigen Menschen bereits sehr geähnelt haben müssen. Homo rudolfensis und Homo habilis nannten sich die ersten Vertreter, die der Menschengattung zugeordnet werden. Sie lebten ebenfalls in Afrika, ernährten sich von kleinen Tieren und Pflanzen und waren bereits dazu in der Lage, erste Steinwerkzeuge zur Fleischgewinnung zu nutzen.

Frühmenschen verteilen sich auf der ganzen Welt

Die ersten Frühmenschen, die Gruppe der Homo erectus (aufrechter Mensch), breitete sich auch im heutigen Europa und Asien aus. Das jedenfalls zeigen Fossilienfunde in verschiedenen Gebieten.

Sie lebten als Jäger und Sammler, wie wir es aus Filmen über Neandertaler kennen. Als solche bezeichnen wir aber streng genommen erst den Homo sapiens neanderthalensis, der wie der moderne Mensch zur Gruppe der Homo sapiens (wissender Mensch) gezählt wird. Sie entwickelten sich aus einer Form des Homo erectus, dem Homo ergaster (Handwerker), und lebten in Kolonien.

Über unseren direkten Artverwandten wissen wir, dass er gut dazu in der Lage war, sich an die Umweltbedingungen anzupassen, bereits Feuer nutzte und Verstorbene beerdigte. Funde in Frankreich bestätigen, dass eine Teilpopulation des Homo sapiens vor rund 40.000 Jahren nach Europa ausgewandert war. Ob der Homo sapiens den Neandertaler aus Europa verdrängte und für sein Aussterben sorgte oder ob sich beide Unterarten vermischt haben, ist unbekannt.

Evolution des Menschen – der Jetztmensch

Cromagnonmenschen, wie die ältesten modernen Menschen in Europa wegen ihres Fundorts genannt werden, waren ihren Vorgängern in vielerlei Hinsicht überlegen. Sie erreichten ein höheres Alter, die Kindersterblichkeit war geringer und ihr Körperbau weniger energieaufwendig. Zudem konnten sie bereits filigranere Werkzeuge nutzen und ihr Hirnschädelvolumen war mit 1700 Kubikzentimetern deutlich größer als bei den Vorfahren. Das entspricht etwa dem Volumen, das sowohl der Neandertaler hatte als auch der heutige moderne Mensch.

Fossilienfunde deuten darauf hin, dass sie bereits Pfeil und Bogen, Wurfspeere, Schleudern und Harpunen nutzen. Außerdem bauten sie Behausungen aus Holz und Stein und stellten Schmuck aus Zähnen, Schalen und Muscheln her.

Malereien in Höhlen zeigten zudem künstlerische Betätigungen. Während die Menschen bis vor 15.000 Jahren noch von der Hand in den Mund lebten, zähmten sie vor rund 10.000 Jahren bereits erstmals Tiere und schufen somit Reserven für Nahrung. Im selben Zeitraum fingen sie mit der Kultivierung des Bodens an. Viehzüchter und Bauern entstanden.

Dieser Punkt der Evolution des Menschen führte zu einer rasanten Weiterentwicklung des Wissens und der Anpassung der Natur an die eigenen Bedürfnisse. Der Mensch lernte, Erfindungen, Technik und Energien für sich zu nutzen. Durch evolutionäre Veränderung entwickelte sich ein Gestalter der Umwelt.

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