Javier Marías ist ein spanischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Er wurde 1951 in Madrid unter dem Franco-Regime geboren. Seine Eltern, eine Lehrerin und ein Philosoph, verließen Spanien mit ihren fünf Kindern. Marías wuchs teilweise in den USA, unter anderem in Yale, in einer hochintellektuellen Familie auf. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Complutense Madrid arbeitete er als Übersetzer, Kleindarsteller und Lektor. Seit seinem elften Lebensjahr schreibt Marias. Seine erste Kurzgeschichte, Leben und Tod des Marcelino Iturriaga erschien 1968 in einer Zeitschrift. Sein erster Roman Los dominios de lobo 1971. Mit dem Roman Mein Herz so weiß gelang ihm der internationale Durchbruch.

Leben

Javier Marías wurde als Sohn der Autorin und Lehrerin Dolores Franco Manera und des Professors für Philosophie Julián Marías Aguilera am 20. September 1951 in der spanischen Hauptstadt geboren. Er war das vierte von insgesamt fünf Kindern. Sein Vater war ein Schüler des bedeutenden Philosophen José Ortega y Gasset, mit dem er später auch befreundet war und 1958 das „Instituto de Humanidades de Madrid“ gründete, dessen Leitung er 1955 übernahm.

Julián Marías Aguilera stand während des Spanischen Bürgerkriegs auf der Seite der Republikaner und kam einige Monate ins Gefängnis. Danach konnte er nur mit Förderunterricht überleben und schuf in dieser Zeit ein bis heute beliebtes Grundlagenwerk zur Einführung in die Philosophie. Berufliche Schwierigkeiten unter Franco hielten für ihn als katholisch geprägten Philosophen an, sodass er Gastprofessuren in den USA annahm. In der Phase der Liberalisierung wurde er Akademiemitglied und konnte vom König zum Senator berufen. Erst 1980 erhielt er die Zulassung zum Professor. 1982 berief ihn Papst Johannes Paul II. als einzigen Spanier in den „Internationalen päpstlichen Rat für Kultur“.

Das ist das Umfeld, in dem Javier Marías mit seinen vier Brüdern aufwächst. Hier klingen die Themen seiner späteren Romane an, die meist im akademischen Milieu spielen. Er begegnet Autoren wie Jorge Guillén und Vladimir Nabokov in frühester Jugend.

1959 kehrt die gesamte Familie nach Madrid zurück. Javier Marías besucht die renommierte, liberal ausgerichtete Privatschule „Colegio Estudio“. Im Anschluss studiert er von 1968 bis 1973 an der Universität Complutense Madrid Philosophie und Literaturwissenschaft.

1974 zieht Marías für vier Jahre nach Barcelona und arbeitet für den Verlag Alfaguara als Berater. Er schreibt an Erzählungen und Romanen und betätigt sich publizistisch. Ein großer Erfolg wird seine Übersetzung des Tristram Shandy von Laurence Sterne aus dem Englischen, für die er 1979 den Premio Nacional de Traducción erhält.

1983 ging Javier Marías nach Oxford, wo er zwei Semester Spanische Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Übersetzung unterrichtete. Ein Jahr später arbeitete er in Boston am gleichen College, an dem sein Vater gelehrt hatte.
1986 wurde Venedig ein Jahr lang zum Lebensmittelpunkt des Spaniers, bevor es ihn wieder in seine Heimatstadt Madrid zog, wo er an der Universität Complutense Philosophie und Literaturwissenschaft lehrt.

Javier Marías gehört zu den bekanntesten Autoren und Intellektuellen Spaniens, dessen Werke weltweit übersetzt und von einem breiten Publikum gelesen werden.

Themen

Javier Marías‘ Romane und Erzählungen spielen meist im akademischen Milieu. Es ist die Welt, die der Autor kennt, in der er selbst aufgewachsen ist und sich wie ein Fisch im Wasser bewegt. Der akademische Jetset ist ihm genauso geläufig wie die Themen, über die seine Protagonisten arbeiten, schreiben und nachdenken.

Seine Vorbilder sind der englisch-irische Satiriker Laurence Sterne, der im 18. Jahrhundert lebte, Henry James, der amerikanisch-britische Autor der Jahrhundertwende, und Vladimir Nabokov, der russisch-amerikanische Dichter des 20. Jahrhunderts. Javier Marías hat sie nicht nur alle übersetzt, sondern schreibt auch ihre Themen weiter. Es sind die Brüche zweier Welten, die im Kosmopolitischen aufgehoben, unterschwellig immer mitschwingen, doch bei keinem der vier Autoren direkt vordergründig behandelt werden. Marías bezieht sich bewusst auf eine Welt, die nicht national begrenzt ist, aber auch vom Nationalen lebt.

Die akademische Welt ist der Aufklärung verpflichtet. Javier Marías kann und wird als postmoderner Autor gelesen, der sich an den Mythen rationaler Welterklärung abarbeitet. In die gut situierte, geordnete Welt seiner Protagonisten bricht das Unheimliche, Unerklärliche auf kuriose Weise ein. Das reizt zum Lachen, führt zum Erschrecken und zur Selbstbefragung des Lesenden.
Anschaulich wird das an den Zweierbeziehungen zwischen Mann und Frau dargestellt.

Javier Marías hat bisher vierzehn Romane vorgelegt, die sich auch aufeinander beziehen lassen und die einzelne Persönlichkeit der beschriebenen Charaktere in ihren vielen Facetten und Wandlungen darstellen. Dabei kommt es zu bewussten Widersprüchen, mit denen Marías die Vorstellung von Realität dekonstruiert.

Im Ganzen geht es dem Autor immer um das Vexierspiel der Postmoderne, um das Fragwürdige des Rationalen und um das Wissen an sich. Sein dreiteiliges Opus magnum Dein Gesicht morgen ist der Frage nach dem Wissen an sich gewidmet. Es geht um die Konstruktion und Bestimmung der Zukunft mit der Kraft des Wissens aus dem Inner Circle.

Werke

Javier Marías hat bisher vierzehn Romane und mehrere Erzählungen und Essays verfasst. Es gibt von ihm ein biografisches Werk und ein Kinderbuch.

Zu seinen wichtigsten Romanen zählen:

  • El hombre sentimental (1986), deutsch: Der Gefühlsmensch.
  • Todas las almas (1989), deutsch: Alle Seelen oder Die Irren von Oxford.
  • Corazón tan blanco (1992), deutsch: Mein Herz so weiß.

und die Trilogie „Dein Gesicht morgen“ mit

  • Fiebre y lanza (2002), deutsch: Fieber und Lanze.
  • Baile y sueño (2004), deutsch: Tanz und Traum.
  • Veneno y sombra y adiós (2007), deutsch: Gift und Schatten und Abschied.

Zu den wichtigsten Erzählungen gehört:

  • Cuando fui mortal (1996), deutsch: Als ich sterblich war.

Auszeichnungen

  • 1979 Preis Premio Nacional de Traducción für die Übersetzung von Tristram Shandy von
    Lawrence Sterne
  • 1997 International IMPAC Dublin Literary Award für den Roman Mein Herz so weiß
  • 2011 Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur
  • 2012 Nationaler Literaturpreis der spanischen Regierung für seinen Roman Die sterblich
    Verliebten (von Marías abgelehnt, da er die Kulturpolitik der Regierung unter
    Mariano Rajoy und ihren Sparkurs im Bereich der Kultur ablehnte)

Bildnachweis: von Mr. TickleEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link