Sokrates zählt zu den wichtigsten Philosophen der Antike. Er lebte im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen. Als sein Geburtsjahr wird allgemein 470 v. Chr. angegeben. Da er keine Schriften hinterließ, ist nur wenig über sein Leben bekannt. Biografische Angaben stammen aus den späteren Werken seiner Schüler Platon, Antisthenes und Xenophon. Sokrates gilt als Begründer der modernen Philosophie. Seine Gedanken haben viele abendländische Philosophen beeinflusst und tun es auch heute noch. Er war dafür bekannt, dass er oft Politiker und ihre Entscheidungen kritisierte. Er hielt Vorträge auf der Agora, dem wichtigsten Versammlungsplatz in Athen. Seine Vorträge waren stets gut besucht und sorgten bei den Bürger*innen Athens für reichlich Gesprächsstoff.

Die Zeit Sokrates‘

Zu jener Zeit gehörten hitzige Wortgefechte auf den Straßen Athens zum Alltag. Dies lag daran, dass sich jeder männliche Bürger des Stadtstaates in ein hohes Amt wählen lassen konnte. Der Kandidat musste ganz einfach seine Mitbürger*innen durch seine Redekunst überzeugen. Aus den Schriften seiner Schüler wissen wir, dass es Sokrates mit seiner Redekunst bisweilen auf die Spitze trieb. Er wanderte von morgens bis abends durch die Straßen und stellte den Menschen unangenehme Fragen. Er soll auch der erste Mensch gewesen sein, der sich selbst als Philosoph, als Freund der Weisheit, bezeichnete.

Wegen seiner Äußerungen machte sich Sokrates viele Feinde. Viele Menschen hetzten gegen den Quertreiber. In seinem Werk Die Vögel machte sich der Komödiendichter Aristophanes sogar über den Philosophen lustig und nannte ihn einen geldgierigen Wortverdreher. Man warf ihm vor, die Jugend zu verderben und Gotteslästerung zu betreiben. Schließlich wurde er zum Tode verurteilt.

Seine Schüler versuchten, ihn zur Flucht zu überreden. Doch er blieb standhaft. Er wollte sich bis aufs Letzte wie ein guter athenischer Bürger verhalten und akzeptierte das Todesurteil. Aus Respekt vor den Gesetzen beschloss er, keinen Fluchtversuch zu unternehmen und stattdessen das tödliche Gift der Schierlingspflanze zu trinken. Im Athen der Antike war die Hinrichtung durch den sogenannten Schierlingsbecher weit verbreitet. Als er zum Tode verurteilt wurde, hielt er eine Verteidigungsrede. Die wichtigsten Inhalte aus dieser Rede sind in Platons „Apologie“ enthalten. Sokrates´ Todesjahr wird als 399 v. Chr. angegeben.

Was wissen wir über Sokrates?

Alle Informationen über Sokrates sind in den Schriften anderer Philosophen überliefert. Deshalb ist es schwierig, genaue Angaben zu seinem Leben und Wirken zu machen. Überlieferungen zufolge soll er wie sein Vater als Steinmetz gearbeitet haben, bevor er als Infanteriesoldat im Peloponnesischen Krieg diente. Er wurde für seine kriegerischen Einsätze ausgezeichnet und hielt in späteren Jahren mehrere politische Ämter inne. Sokrates war mit Xanthippe verheiratet, mit der er drei Söhne hatte. Xanthippe wird als zänkische Frau dargestellt. Sie soll ihren Mann dafür gerügt haben, dass er kostenlosen Philosophieunterricht erteilte.

Die Lehrmethode des Sokrates

Sokrates ist vor allem für seine Lehrmethode in Form eines Dialogs berühmt. Auch seine Vorträge auf der Agora folgten diesem Prinzip. Durch geschicktes Fragenstellen wollte er die Menschen zum Denken anregen.

Allerdings präsentierte sich Sokrates seinen Gesprächspartnern*innen gegenüber als unwissend. Von ihm stammt der berühmte Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“.

Am genauesten wird Sokrates´ einzigartige Lehrmethode in den Sokratischen Dialogen des Philosophen Platon geschildert. Das Frage-Antwort-Spiel sollte jedoch nicht dazu dienen, Gesprächspartner*innen zu überreden. Vielmehr strebte Sokrates den Weg zur Wahrheit und zu einem ethischen Verständnis an.

Die Lehre des Sokrates

Sokrates war der Meinung, dass jeder Mensch dieselben Definitionen für Tugend, Liebe, Selbsterkenntnis und Gerechtigkeit besitzt. Er war davon überzeugt, dass schlechte Taten die Folge von Unkenntnis seien. So begehe ein Mensch nicht aus Böswilligkeit schlechte Taten, sondern aus Unkenntnis.

Seine Lehrmethode sollte dazu dienen, die Menschen zur Kenntnis und zur Vernunft zu führen. Somit ist nur die Erkenntnis von innen wahre Einsicht und kann nicht durch Zwang herbeigeführt werden. Die Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden, basiert laut Sokrates einzig und allein auf der Vernunft.

Anders als die Naturphilosophen vor ihm, die sich mit den Gesetzen der Natur beschäftigten, stellte Sokrates den Menschen in den Mittelpunkt. Somit war er in gewisser Weise auch der Begründer der Psychologie.

Wer die Welt bewegen will, soll erst sich selbst bewegen

Dieses berühmte Zitat stammt von S.okrates und beweist auch heute seine Gültigkeit immer wieder aufs Neue. Mithilfe kniffliger Fragen gelang es Sokrates, seine Mitmenschen zu entlarven. Wenn Menschen ihre Unwissenheit erkannten, so dachte er, würden sie nicht einfach alles wiederholen, sondern sich die notwendigen Kenntnisse aneignen. Nur so könne man sich eine eigene Meinung bilden.

Die Auswirkung der sokratischen Philosophie

Sokrates hat den Weg für sämtliche Philosophen geebnet, die nach ihm gekommen sind. Das Hinterfragen der eigenen Fähigkeiten und Überzeugungen ist in der sokratischen Philosophie sehr wichtig. Sokrates´ Suche nach der Wahrheit ist ein immerwährender Prozess, denn alles muss stets hinterfragt werden. Somit liefert seine Philosophie eine ausgezeichnete Grundlage, um sich mit brennenden Fragen auseinanderzusetzen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Sokrates war ein mutiger Denker und scheute nie davor zurück, über seine eigenen Gedanken und Aussagen zu zweifeln.