Die Frage nach dem Anderen

Vieles in der Philosophie ist durch sogenannte Dichotomien geprägt, durch Gegensätze, die ein gemeinsames Ganzes ergeben. Wenn man also die Frage nach dem Selbst stellt, muss man auch die Frage nach dem Anderen stellen, denn ein Selbst ist nur denkbar in Abgrenzung zu etwas oder jemand anderem. Gäbe es kein Anderes, wäre nämlich alles Selbst.



Emmanuel Levinas

Der Philosoph, der sich am meisten mit der Frage nach dem Anderen beschäftigte, war Emmanuel Levinas. Seine gesamte Forschung drehte sich um die Frage, wie das Selbst durch den Anderen geprägt wird. Dabei spielen die Ansprüche, die andere an eine Person stellen, eine wichtige Rolle. Außerdem kommt er zum Schluss, dass es unmöglich ist, alle Ansprüche der Anderen zu erfüllen.

Außerdem beschäftigte er sich mit der Wahrnehmung des Anderen als Fremdem, also als „Du“, während eine mögliche Betrachtungsweise auch wäre, den anderen als „anderes Ich“ zu sehen.

Emmanuel Levinas

Anders sein heißt normal sein. Wir finden unseren Wert, indem wir uns für andere öffnen. Dies ist eine Kern-Aussage des französisch-litauischen Philosophen Emmanuel Levinas. Für ihn war das Anderssein eine Selbstverständlichkeit, die wir Menschen als Bereicherung annehmen sollen. Der Schriftsteller war vor wenigen Jahrzehnten nur einem Kreis von philosophisch interessierten Intellektuellen bekannt. Heute werden seine