Je nach Schulform und Schule stellt sich dir diese Frage in der 5. oder 7. Klasse, manchmal auch später oder vielleicht auch nie: Sollst du Latein lernen? Oder doch lieber eine moderne Sprache wie Französisch oder Spanisch? Für viele ist die Entscheidung schnell klar: Niemand spricht Latein, wozu also Latein lernen? Dabei gibt es gute Gründe, den Lateinunterricht zu wählen, auch (oder gerade dann) wenn du mit Fremdsprachen nicht so viel anfangen kannst.

5 Gründe, warum du Latein lernen solltest

Grund 1: Lateinunterricht ist kein „normaler“ Fremdsprachenunterricht

Wer Latein lernt, muss natürlich Vokabeln lernen und Grammatik pauken. Aber anders als in anderen Fremdsprachen wird im Lateinunterricht nicht Latein gesprochen. Tatsächlich findet der gesamte Unterricht auf Deutsch statt. Die lateinischen Texte werden ins Deutsche übertragen und dann analysiert. Das fällt vor allem denjenigen leichter, die mit Fremdsprachen auf Kriegsfuß stehen.




Grund 2: Wer Latein kann lernt leichter neue Fremdsprachen – und ist besser in Deutsch

Im Lateinunterricht lernt man mehr über Grammatik als in jedem anderen Sprach-Unterricht, einfach, weil man nicht zusätzlich noch Hörverstehen und Aussprache trainieren muss. Dadurch erfährt man ganz nebenbei in Latein etwas über den Aufbau von Sprachen im Allgemeinen. Dies ist extrem hilfreich, wenn man eine neue Sprache erlernen möchte. Denn wer Latein kann, versteht etwas über die Funktionsweise von Sprachen und kann dieses Wissen unabhängig von der erlernten Sprache einsetzen, um schneller die Eigenheiten einer neuen Sprache zu verstehen und zu lernen. Oder anders ausgedrückt: Das Wissen, das du dir im Lateinunterricht aneignest, sorgt dafür, dass du nie wieder von Null anfangen musst, wenn du eine neue Sprache lernst. Du ordnest die neue Sprache viel eher in ein Grundgerüst ein, dass du in Latein kennengelernt hast. Das gilt auch für Deutsch: Denn Grammatik lernt man im Lateinunterricht noch viel mehr als im Deutsch-Unterricht, kann das Wissen dort aber natürlich genau so gut anwenden.

Grund 3: Viele Fremdsprachen gehen auf das Lateinische zurück

Alle romanischen Sprachen wie Französisch, Italienisch, aber auch Rumänisch gehen auf das Lateinische zurück. Italienische Texte kann man oft mit dem Latein-Wissen aus der Schule verstehen. Die Vokabeln sind meist sehr leicht erkennbar, sodass du bereits einen riesigen Vorsprung hast, wenn du zuerst Latein und dann Französisch lernst.




Grund 4: Latein ist Voraussetzung für einige Studienfächer

Wenn du bestimmte Fächer studieren willst, musst du auf jeden Fall Latein lernen und deine Kenntnisse mit dem Latinum nachweisen. Das kannst du natürlich auch an der Uni nachholen, wenn du das Latinum aber bereits in der Schule erwirbst, verlierst du später keine Zeit. Das Latinum brauchst du zum Beispiel für die meisten Sprach-Studiengänge wie Germanistik oder Anglistik, aber auch für Jura, Geschichte, Medizin und Philosophie. Die Voraussetzungen ändern sich im Laufe der Zeit immer wieder und sind auch von Hochschule zu Hochschule verschieden. Wenn du das Latinum besitzt, schadet es auf keinen Fall.

Grund 5: Es gibt viele Schnittmengen zu anderen Fächern

Dass Latein und Deutsch vieles gemein haben, haben wir ja bereits weiter oben festgestellt. Aber es gibt weitere Schnittmengen: Viele Begriffe aus den Naturwissenschaften leiten sich aus dem Lateinischen ab. Wenn du ihre sprachliche Herkunft kennst, fällt es dir leichter, dir die wissenschaftlichen Zusammenhänge zu merken. Auch im Geschichtsunterricht findest du viele Dinge wieder, die du in Latein ebenfalls lernst, weil natürlich die Lateinischen Texte immer in einen historischen Kontext gebunden sind. So verbindet Latein viele Fächer miteinander, und je mehr Querverweise du findest, desto mehr profitierst du in allen verbundenen Fächern davon.

3 Tipps, um besser in Latein zu werden

Obwohl Latein gar nicht so schwierig ist – schließlich musst du nicht lernen, es wirklich zu sprechen – tun sich viele sehr schwer mit dem Fach. Schließlich sind die Anwendungsmöglichkeiten nicht so direkt greifbar wie zum Beispiel des Erlernten aus dem Englisch-Unterricht. Mit den folgenden Tipps sollte es dir aber leichter fallen, Latein zu lernen.

Tipp 1: Nutze die Hilfsmittel, die dir zur Verfügung stehen

Gerade in fortgeschrittenen Klausuren ist es häufig erlaubt, ein Latein-Wörterbuch zu verwenden. Dieses und andere erlaubte Hilfsmittel solltest du regelmäßig zu Rate ziehen, und das nicht nur während der Klausur. Vielmehr ist es hilfreich, wenn du von Anfang an übst, mit dem Lexikon zu arbeiten und dich schnell dort zurechtzufinden. Denn in einem Wörterbuch findest du nicht nur Vokabeln, sondern auch grundlegende Informationen zur Grammatik, die dir in der Klausur sehr gut weiterhelfen können. Das funktioniert natürlich nur, wenn du weißt, wie man es am besten anwendet.

Tipp 2: Suche im Alltag nach Inhalten aus dem Latein-Unterricht

Egal, was wir lernen: Es fällt uns immer leichter, uns Sachen zu merken, wenn wir sie mit einer praktischen Anwendung in Verbindung bringen können. Werde deshalb zum Latein-Detektiv und suche im Alltag nach Lateinischen Begriffen. Du wirst dich wundern, wo du überall fündig wirst. So stammt der Markenname Audi zum Beispiel aus dem Lateinischen (früher hieß die Marke Horch nach ihrem Gründer, und „Horch!“ oder „Höre!“ heißt im Lateinischen „audi!“) und der Begriff Kalorie ist abgeleitet von calor = Wärme. Halte Augen und Ohren offen, und du wirst sehen, dass Latein alles andere als eine tote Sprache ist.




Tipp 3: Gehe analytisch ans Lateinlernen heran

Latein-Klausuren folgen immer einem bestimmten Muster. Du musst normalerweise einen Text aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzen und dann Fragen zu Grammatik und Vokabeln beantworten. Meist kannst du die Fragen ganz gut beantworten, wenn du den Text richtig übersetzt, weil sich beides gegenseitig ergänzt. Im Lateinischen ist es jedoch häufig so, dass Satzglieder an für uns ungewöhnlichen Stellen im Satz stehen und man sie deswegen nicht sofort erkennt. Einziges Erkennungsmerkmal ist der Kasus. Bei der Übersetzung gehst du am besten immer nach einer bestimmten Reihenfolge vor und markierst dir die Wörter und Satzglieder, die du bereits identifiziert hast. Eine gute Reihenfolge ist:

  1. Finde das Prädikat und übertrage es. Es gibt dir durch die Konjugation natürlich auch schon einen Hinweis auf das Subjekt.
  2. Übersetze das Subjekt. Manchmal ist es im Prädikat eingeschlossen.
  3. Welche Objekte braucht das Verb? „geben“ im Deutschen braucht zum Beispiel ein Akkusativ- und ein Dativ-Objekt. Wenn du weißt, welche Objekte das Verb braucht und in welchem Kasus diese stehen, kannst du sie leicht identifizieren.
  4. Übertrage anschließend die übrigen Satzglieder, die du noch nicht übersetzt und zugeordnet hast. Da du nun schon eine grobe Vorstellung vom Inhalt des Satzes hast und auch nicht mehr so viele Satzteile übrig sind, wird diese Aufgabe einfacher.

Weitere Tipps, wie du Sprachen lernen kannst, findest du in diesem Artikel – auch, wenn sich nicht alle auf das Lateinische anwenden lassen Aber anstatt Fernsehserien anzusehen, kannst du beispielsweise Asterix-Comic auf Latein lesen.

Wie stehst du zu Latein? Welche Tipps hast du noch, um einfacher Latein zu lernen? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Bildnachweis: © webandi / pixabay

3 Idee über “Wozu Latein lernen?

  1. Benny sagt:

    Naja ganz ehrlich das sind für mich nur Fadenscheinige Begründungen ohne tiefe Aussagekraft.
    Wozu man Latein in der Medizin überhaupt noch im Jahre 2019 brauch.
    Dagegen finde ich es viel wichtiger,das Medizinstudium an die englischen Übersetzungen zu Koppeln.

    • Yvonne Kraus sagt:

      Vieles in unserem Körper ist mit lateinischen Begriffen benannt. Diese zu kennen, kann sicher nicht schaden. Tatsächlich leiten sich die englichen Übersetzungen häufig vom Lateinischen ab, damit hast du also einen doppelten Effekt.
      Wie sinnvoll das im Medizinstudium ist, muss man sicher Ärzt*innen fragen. Hier ging’s ja vor allem darum, ob es sich lohnt, in der Schule Latein zu lernen. Und wenn es eine Voraussetzung für das Wunschstudienfach ist, lohnt es sich meistens schon.

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