Nicht nur Mathe, Englisch und Deutsch sind in der Schule wichtig, sondern auch die Nebenfächer. Wir erklären dir hier, warum das so ist.

Was ist eigentlich ein Nebenfach?

Jeder kennt sie, die Qual der Wahl. Ob beim Übergang in die Mittelstufe oder beim Start in die Oberstufe, manche Fächer darfst du wählen, andere abwählen. Dabei sollten deine persönlichen Interessen und Fähigkeiten und deine beruflichen Ziele eine große Rolle spielen. Unser Schulsystem bietet einen verpflichtenden Kernbereich an Fächern, aber auch einige Wahl- und Differenzierungsbereiche, die je nach Bildungsgang und Schule variieren. Nebenfächer im universitären Sinne gibt es in der Schule nicht.
Hauptfächer wie Mathematik, Deutsch und Englisch werden mit höherem Stundenvolumen unterrichtet. Die Leistungsüberprüfung erfolgt schriftlich durch Klausuren – meist zwei bis drei pro Halbjahr – und mündlich. Andere Fächer wie z.B. Sport, Rechtskunde oder Religion gelten unter Schülern oft als Nebenfächer, weil sie oft mit weniger Stundenumfang unterrichtet werden und hier oft die mündliche Mitarbeit stärker oder ausschließlich gewichtet wird. Diese Fächer sind aber selten frei wählbar. Ein Beispiel aus dem beruflichen Gymnasium für Wirtschaft und Verwaltung: Die Leistungskurse werden mit 4-5 Wochenstunden unterrichtet, die Grundkurse und der Differenzierungsbereich mit 2 bis 3 Stunden. Entscheidend für die Benotung der Leistungen aus den Nebenfächern ist, ob das Fach als Prüfungsfach oder als zusätzliches Programm gewählt wurde. Im ersten Fall wird es mündliches Prüfungsfach in der Abiturprüfung, im zweiten Fall geht die erreicthe Punktzahl des Faches mit in die Gesamtwertung ein oder kann auch ganz herausfallen. Ob du dich darauf einlassen kannst oder nicht, hier musst du sehen, dass du über die mündliche Mitarbeit einen kompetenten Eindruck hinterlässt. Faktisch wird in der Praxis die Wahlfreiheit der sogenannten Nebenfächer einerseits durch amtliche Ausschulsskriterien, andererseits durch die jeweiligen schulischen Rahmenbedingungen eingeschränkt.

Nebenfächer: gut gewählt ist halb gewonnen

Berufskollegs bieten zum einen Bildungsgänge der beruflichen Bildung an. Früher hieß dieser Schulbereich Berufsschule. Hier werden teilzeitlich Schülerinnen und Schüler unterrichtet, die eine betriebliche Ausbildung absolvieren. Auch hier – und das wissen die wenigsten – können zum Teil schulische Abschlüsse erworben werden. Andererseits bieten sie vollzeitschulische Bildungsgänge von der Berufsfachschule bis zum beruflichen Gymnasium an. Die Zahl der als Wahlpflicht-, Wahl-, oder Differenzierungsfächer wählbaren Nebenfächer hängt von den beruflichen Schwerpunkten der jeweiligen Kollegs und Bildungsgänge ab.
Jeder Bildungsgang hat allgemein gefasste Vorgaben, die von der jeweiligen Schule in Bildungsgangkonferenzen konkretisiert wird. Hierbei orientiert die Schule sich an dem selbst gesetzten Profil und am organisatorisch Machbaren. Deshalb ist es sinnvoll, sich vor der Wahl einer Schule und eines Bildungsgangs über das dortige Angebot genau zu informieren. Ein einfaches Beispiel: Du möchtest gern Spanisch als Nebenfach sprich Wahlqualifikation bei der Berufsausbildung zum Industriekaufmann wählen, das kaufmännische Berufskolleg am Ausbildungsort bietet aber nur Französisch an. In diesem Fall kann ein Vergleich der Schulangebote dir helfen, das passende Berufskolleg für deine Profilbildung zu finden.

Wie triffst du die richtige Wahl?

Anders, als viele Schüler und Schülerinnen glauben, sollte man Nebenfächer nicht stiefmütterlich behandeln und Ungeliebtes in diesen Bereich verbannen. Nebenfächer als notwendiges Übel zu betrachten, hilft nicht weiter. Vielmehr solltest du dir gut überlegen, wie du die gegebenen Möglichkeiten optimal nutzen kannst. Wer seine eigenen Interessen und Stärken kennt und ein konkretes berufliches Ziel vor Augen hat, hat es da leichter. Berufsorientierung und Nebenfachauswahl sollten also aufeinander abgestimmt sein. Wer nicht so genau weiß, wohin die Reise geht, sollte sich – wenn möglich – an seinen Interessen orientieren. Eine gute Note im Nebenfach hilft in vielen Fällen, Schwächen im Hauptfach auszugleichen und vielen Schülerinnen und Schülern fällt die mündliche Mitarbeit leicht. Wer gern laut mitdenkt, wer für Tests lernt und gern präsentiert, findet hier gute Möglichkeiten, seine Noten zu optimieren und dabei entspannt viel Interessantes und Wichtiges zu lernen und auszuprobieren. Im kaufmännischen Bereich sind es oft freiwillige Zusatzqualifikationen in zusätzlichen Fremdsprachen, die durch eine Prüfung vor der KMK oder von der IHK zertifiziert werden und für das Bewerbungsportfolio entscheidend sein können. Wer sich in den Sprachen fit fühlt, sollte sich diese Gelegenheiten nicht entgehen lassen. Differenzierungsmöglichkeiten im Wirtschaftsrecht bieten dir wertvolle Zusatinformationen, die dir im beruflichen Alltag helfen. Allerdings sollte man keine Scheu vor spröden Texten haben und ein bisschen Spaß an Fallanalysen mitbringen. Wer sein Wissen um den Einsatz der Datenverarbeitung erweitern möchte, ist mir Wirtschaftinformatik gut bedient. In manchen Bildungsgängen werden praktisch orientierte Differenzierungsbereiche angeboten. Hier wird gern in Projekten gearbeitet, das kann bedeuten, dass von der Lerngruppe in Eigenverantwortung ein Schulkiosk betrieben wird. Mal wird für eine öffentliche Ausschreibung ein Plakat, Fleyer oder Kurzfilm produziert. Diese praktischen Nachweise machen sich bei jeder Bewerbung gut. Informiere dich gut über die angebotenen Nebenfächer und die dort geplanten Projekte in den in Frage kommenden Kollegs. Neben den allgemeinen Beratungszeiträumen sind in den meisten Fällen auch persönliche Gesprächstermine außer der Reihe nach Absprache möglich. Du musst nur wissen, was du willst und konkret nachfragen. Eine gute Hilfe bei der Wahl der Nebenfächer bieten auch von der Schule angebotene Infoveranstaltungen und nicht zuletzt die Schülerinnen und Schüler der entsprechenen Bildungsgänge. Wer fragt, gewinnt!

Du bist eher der stille Typ?

Mündliche Mitarbeit, das kann alles sein von der Heftführung über die Beteiligung im Unterricht, besonderen Arbeitseinsatz oder das gute Abschneiden bei Tests, die auch im Nebenfach durchaus vorkommen. Auch schriftliche Übungen bis hin zur Facharbeit können in die Wertung eingebracht werden. Die Sorge, dass man im Nebenfach nicht wahrgenommen wird und deshalb schlechte Noten bekommt, hängt eher mt der persönlichen Motivation zusammen. Wer nicht gern vor Gruppen spricht, kann hier eine gute Trainingsmöglichkeit finden und diesen Nachteil meist nach Absprache durch andere Leistungen ausgleichen. Wer seine Chancen nutzt und aktiv an den Themen bleibt, muss keine Bühnennatur sein, um zu punkten. Mancher fühlt sich davon vielleicht bedroht, aber ganz ehrlich? Wer kommt denn heute noch ohne Vertrauen in die eigene Darstellungsfähigkeit zurecht? Hilfreicher ist es doch, diese Schwierigkeit aktiv anzugehen und sich nicht hinter dem Argument: „Das Fach interessiert mich nicht!“ zu verstecken. Auch hier kann man nur sagen, wenn du die Wahl hast, nimm, was dich interessiert und nicht was dich pressiert! An fast allen Berufskollegs gibt es mitlerweile Beratungslehrer und Sozialpädagogen. Wenn die Probleme zu groß werden, sind sie ausgebildet, dir zu helfen und Schritt für Schritt deine Hemmungen abzubauen. Schüchternheit sollte also kein Stolperstein sein, sondern ein erster Schritt zu neuen Chancen. Informiere dich gründlich über die Bidungsgänge und das Angebot der in Frage kommenden Berufskollegs! Vereinbare einen Beratungstermin in den Schulen deiner engeren Wahl!  Bereite dich sorgfältig auf dieses Gespräch vor, erkunde  deine eigenen Interessen, Fähigkeiten und Ziele und messe das schulische Angebot daran!  Nimm Nebenfächer nicht als Nebensächlichkeit sondern als Chance zur Profilschärfung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.