Ein Klassenlehrerwechsel nach mehreren Jahren wird von den meisten Eltern als etwas Schlechtes angesehen. Auch vielen Schüler*innen gefällt der Gedanke nicht, sich im nächsten Schuljahr an eine neue Person gewöhnen zu müssen. Dabei wird ein Klassenlehrerwechsel aus pädogischer Sicht in der Regel befürwortet. In Niedersachsen empfiehlt das Kultusministerium zum Beispiel, diesen automatisch nach zwei Schuljahren durchzuführen.

Die Angst vorm Klassenlehrerwechsel

Natürlich haben Eltern und Schüler*innen berechtigte Sorgen, wenn ein Klassenlehrerwechsel ansteht. Gerade wenn Klassenlehrer*innen in der Lage sind, auf die Bedürfnisse einzelner Schüler*innen einzugehen und diese trotzdem im Klassenverbund zu motivieren, besteht die Angst, ein Wechsel könnte eine Verschlechterung hervorrufen. Die Kommunikation zwischen Eltern, Lehrenden und Kindern unter- und miteinander spielt sich oft erst über einen längeren Zeitraum hinweg ein. Ist erst einmal eine für alle passende Balance erreicht, kann ein Klassenlehrerwechsel schnell wie ein Störelement wirken.

Natürlich kann dieser Fall eintreten. Nicht alle Schüler*innen kommen immer mit allen Lehrer*innen klar. Manchmal sehen Eltern ganz direkt, dass bestimmte Lehrer*innen besonders positive Entwicklungen bei ihren Kindern erzielen. Bei der nächsten Lehrkraft lassen die Leistungen dann vielleicht nach. Da Eltern das Beste für ihre Kinder wollen, ist es verständlich, wenn sie aktiv versuchen, einen Wechsel zu verhindern oder rückgängig zu machen. In Deutschland wird an einigen Schulen darum von Klassenlehrerwechseln abgesehen, wenn alles einwandfrei funktioniert.

Veränderung als Chance sehen

Klassenlehrerwechsel können aber auch eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich bringen. Aus pädogischer Perspektive bieten sie auf mehreren Ebenen Chancen, allen in der Klasse langfristig die bestmögliche Betreuung zu bieten.

Schüler*innen werden irgendwann so oder so einen Klassenlehrerwechsel erleben. 12-13 Jahre lang von denselben Klassenlehrer*innen unterrichtet zu werden, wäre schon aufgrund des vielseitigen und bundesländerspezifischen deutschen Schulsystems unmöglich. Dass Dinge sich ändern und Veränderungen dazu gehören, ist nicht nur in Schulen eine Realität, sondern ein grundsätzlicher Bestandteil des Lebens. Durch Klassenlehrerwechsel werden Schüler*innen frühzeitig darauf vorbereitet, dass nicht immer alles gleich bleibt. Sie haben so die Möglichkeit, den Umgang mit Veränderungen zu lernen.

Stillstand im Klassenraum verhindern – Schüler*innen helfen

Natürlich lernen Lehrer*innen, die über viele Jahre hinweg dieselben Schüler*innen unterrichten, diese besonders gut kennen. Bestimmte Schwächen und Stärken zeigen sich darüber hinaus bei Schüler*nnen oft erst nach längerer Zeit und intensiver Betreuung. Aber Menschen entwickeln und verändern sich auch das ganze Leben lang. Gerade in den ersten 18 Jahren unseres Lebens durchlaufen wir viele verschiedene Phasen. Lehrer*innen, die Kinder am Anfang einer Lebensphase kennenlernen und unterrichten, können Veränderungen bei ihren Schüler*innen nach langjähriger Betreuung übersehen. Ein frischer Blick von anderen Lehrkräften verhindert diese Form von Stagnation im Klassenraum.

Je näher Schüler*innen einem Abschluss kommen, desto mehr geht es auch um Leistung. Gute Noten sind immer noch das A und O für einen erfolgreichen Schulabschluss. Schüler*innen an weiterführenden Schulen haben, zum Beispiel in Mathematik, manchmal von der 5. bis zur 10. Klasse Unterricht bei derselben Person. Wenn dann die Chemie nicht stimmt, kann das bei einzelnen Schüler*innen zu deutlich bemerkbaren Notenverschlechterungen kommen. Häufig werden diese dann den Kindern selbst angelastet, und die Fehler bei ihnen gesucht. Nach spätestens drei Jahren in solchen Situationen einen Klassenlehrerwechsel vorzunehmen, lässt Schüler*innen, die unter der bisherigen Lehrkraft nicht klar kommen, oft aufatmen und ihre Noten verbessern sich umgehend.

Die Klassenlehrer*in wechselt – was du tun kannst

Wenn du bald eine neue Klassenlehrerin oder einen neuen Klassenlehrer bekommst, hast du womöglich Angst, dass du die neue Person nicht mögen wirst. Oder du befürchtest, dass deine Noten sich verschlechtern könnten. Vielleicht hast du auch einfach keine Lust auf neue Lehrkräfte. Und deshalb auch keine Lust mehr auf Schule.

Das muss aber nicht so sein. Du kannst dir sicher sein, dass alle Lehrer*innen möchten, dass ihre Schüler*innen erfolgreich sind, Spaß am Lernen haben und sich in der Schule bestmöglich entwickeln. Versuche, den anstehenden Veränderungen gegenüber offen zu sein. Dann wirst du bald das Positive an der neuen Lehrkraft sehen. Solltest du aber tatsächlich große Probleme bekommen und das Gefühl haben, dass es dir mit dem Klassenlehrerwechsel gar nicht gut geht, kannst du das gegenüber deinen Eltern, Vertrauenslehrer*innen oder anderem Lehrpersonal jederzeit ansprechen. Oft hilft schon ein klärendes Gespräch zwischen Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern unteinander.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.