„In Mathe ist es furchtbar langweilig!“ „Ich bin immer als Erster fertig.“ „Immer muss ich den anderen alles erklären, weil die das  nicht so schnell verstehen“. Solche und ähnliche Aussagen lassen Eltern und Lehrer früher oder später stutzig werden. Kannst du dich selbst als Schüler diesen Ausführungen nur anschließen, ist selbstverständlich ebenfalls Aufmerksamkeit geboten.
Kann es sein, dass du beziehungsweise dass Ihr Kind im Unterricht aufgrund einer Hochbegabung regelmäßig unterfordert ist? Um das Konstrukt der Hochbegabung ranken sich mittlerweile viele Mythen und Halbwahrheiten. Doch was hat es mit Hochbegabung in der Schule wirklich auf sich? Wie kann man hochbegabte Schüler identifizieren? Welche Konsequenzen hat Hochbegabung in der Schule für Schüler, Eltern und Lehrer und wie gehen Betroffene am besten mit der Situation um?

Hochbegabung in der Schule – Was steckt dahinter?

Im alltäglichen Gebrauch ist eine Beschreibung für das Phänomen Hochbegabung schnell gefunden: Kinder, die erkennbar intelligenter als ihre Mitschüler sind und sich dementsprechend im Unterricht regelmäßig langweilen, werden als hochbegabt eingestuft. Unter Wissenschaftlern gelten demgegenüber andere Maßstäbe, wenn es um die Definition von Hochbegabung in der Schule geht. Grundsätzlich lassen sich zwei Ansätze unterscheiden. Einige Wissenschaftler definieren Hochbegabung allein über die so bezeichnete allgemeine Intelligenz, die mit dem IQ beziffert werden kann. Bei einem IQ über 130 gilt man entsprechend als hochbegabt. Andere Hochbegabungsdefinitionen gehen hingegen von fachspezifischen Begabungen aus, die sich im schulischen Kontext beispielsweise nur im mathematischen oder sprachlichen Bereich zeigen können. Generell wird etwa jeder 10. Schüler als potenziell hochbegabt eingeschätzt. Hochbegabung in der Schule ist damit kein Randproblem, sondern in einer Regelschulklasse der Normalfall. Ein bis zwei hochbegabte Schüler sind durchschnittlich in jeder Schulklasse zu finden.

Wie man Hochbegabung in der Schule feststellt

Schritt 1: Informelle Diagnose von Hochbegabung in der Schule

Ist mein Kind oder bin ich nun hochbegabt oder kennt sich der potenziell hochbegabte Schüler nur besonders gut in einem Fach aus? Ist das Gefühl der permanenten Unterforderung vielleicht nur im wenig anspruchsvollen Unterricht begründet? Besteht der Verdacht auf eine Hochbegabung, eröffnen sich verschiedene Möglichkiten der Diagnostik. An erster Stelle sollte zunächst das Gespräch mit den zuständigen Lehrern stehen. Haben auch sie den Eindruck, dass du bzw. Ihr Kind den anderen Schülern häufig voraus bist? Weitere erste Anhaltspunkte können die Antworten auf folgende Fragen geben:
  • Arbeitest du bei guten Ergebnissen regelmäßig wesentlich schneller als deine Mitschüler?
  • Interessierst du dich für Themen, die andere Kinder in deinem Alter eher langweilig finden?
  • Kannst du dir Fakten sehr schnell merken und verstehst auch komplexe Sachverhalte auf Anhieb?
  • Liest du viel und bist insgesamt wissbegierig?
  • Hast du sehr früh lesen, schreiben und rechnen gelernt?
Kannst du mehrere dieser Fragen mit ja beantworten und geben auch deine Lehrer grünes Licht, wird es Zeit für eine genauere Diagnose.

Schritt 2: Formelle Diagnoseverfahren

Um eine Hochbegabung professionell diagnostizieren zu lassen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Engagierte Lehrer geben dir gerne die Adressen spezieller Hochbegabungszentren, die gezielte Testverfahren zur Bestimmung der allgemeinen oder fachspezifischen Intelligenz durchführen. Auch im Netz kannst du dich über solche Angebote informieren. Als Ergebnis bekommst du je nach Testverfahren eine IQ-Zahl genannt oder erhältst ein umfangreiches Begabungsprofil, aus dem sich die Begabungen in einzelnen Bereichen ablesen lassen.

Was tun, wenn eine Hochbegabung vorliegt?

Hat sich der Verdacht einer Hochbegabung bestätigt, sind zunächst vor allem Gelassenheit und besonnenes Handeln gefragt. Ob überhaupt besondere Maßnahmen erforderlich sind, hängt vom individuellen Wohlbefinden hochbegabter Schüler in ihrem schulischen Umfeld ab. Gehst du gerne in die Schule und bestehen keine Probleme mit den Mitschülern, warten in der Regel entspannte Schuljahre auf dich. Entgegenkommen sollten dir heutzutage zudem in den meiste Schulen moderne Unterrichtsangebote: Viele Lehrer arbeiten mit differenzierten Materialien und bieten in regelmäßigen Abständen besonders herausfordernde Aufgaben an, bei denen logisches Denken und Kreativität gewinnbringend eingesetzt werden können. Besteht besonderes Interesse an einem bestimmten Thema, lohnt sich zudem die Recherche geeigneter Nachmittagsaktivitäten. Vereine und Clubs bieten vielfältige Angebote, um außergewöhnliche Interessen zu vertiefen und sich selbst herauszufordern. Wer gezielt seine Denkfähigkeiten trainieren möchte, kann zudem an speziellen Angeboten etwa an den Universitäten oder in Bibliotheken teilnehmen und sich hier mit Gleichgesinnten austauschen. Nicht zuletzt gibt es auch an Schulen zunehmend passende Aktivitäten für Hochbegabte. Vom Mathe-Forscher-Club bis zur AG für junge Schriftsteller machen viele Schulen außerhalb des Regelunterrichts vertiefende Entdeckungen möglich.

… Und wenn das nicht reicht?

Du findest keine gemeinsame Basis mit den Klassenkameraden oder fühlst sich stetig unterfordert und gelangweilt? In diesem Fall ist das Gespräch mit den Lehrern die erste Methode der Wahl. Je nachdem, ob die Begabung nur ein Fach oder das gesamte schulische Leben betrifft, kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht.
  • Vergleichsweise wenig Aufwand und viel Ertrag bietet die Organisation von zusätzlichem Material, an dem du im Unterricht arbeiten kannst. Statt schon Gekonntes endlos zu wiederholen, beschäftigt sich der Hochbegabte mit herausfordernden Aufgaben, die den Unterrichtsstoff vertiefen, ohne die Inhalte späterer Schuljahre vorwegzunehmen.
  • Bei einer besonderen Begabung in einem Fach können Schüler in einigen Schulen am Fachunterricht höherer Jahrgangsstufen teilnehmen. Auf diese Weise ist der Schüler mit neuen Inhalten auf höherem Niveau konfrontiert und muss dennoch nicht seine Klasse verlassen.
  • Ist die Hochbegabung in sämtlichen Fächern nicht zu übersehen und ist der Schüler dazu bereit, seine Klasse zu verlassen, kann er auch ein Schuljahr überspringen und in die nächsthöhere Klassenstufe wechseln. Oft ist das auf Probe möglich. So kann man testen, ob man mit der neuen Situation zurecht kommt.
  • Vermisst du den Kontakt zu Gleichgesinnten und suchst Tag für Tag besondere Herausforderungen, die die unbändige Neugier befriedigen, kommt auch der Wechsel auf eine Schule für Hochbegabte oder in eine Hochbegabtenklasse in Betracht. Gerade bei einer sehr festgefahrenen Situation an deiner alten Schule kann der Schulwechsel regelrecht befreiend wirken.

Hochbegabung in der Schule – der wichtigste Tipp zum Schluss

Streber hier, Außenseiter da – besonders bei besorgten Eltern steht beim Thema „Hochbegabung“ schnell der Gedanke an mögliche Probleme im Vordergrund. Im Kontrast dazu solltest du Hochbegabung in der Schule als das sehen, was es eigentlich ist: eine echte Chance, aus der du jede Menge machen kannst. Bring deine Fähigkeiten in den Schulalltag ein und nutze jede Herausforderung, um dich weiterzuentwickeln!

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