Je nach Bundesland und Schule gehören ein oder mehrere Praktika zum Pflichtprogramm für Schülerinnen und Schüler. Ein gutes Schülerpraktikum zu ergattern, ist allerdings gar nicht so einfach. Zum einen suchen alle Schüler einer Stufe gleichzeitig in derselben Gegend, so dass gerade spezielle Wunschpraktika schnell vergeben sind. Zum anderen bieten viele Unternehmen gar keine Praktika für Schüler an, weil sie nicht so richtig wissen, was sie ihnen bieten können. Daher haben wir für dich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zusammengestellt, mit der auch du die Praktikumsstelle deiner Träume finden kannst und eine richtig gute Praktikumsbewerbung erstellst.

Zum perfekten Schülerpraktikum in 7 Schritten

Schritt 1: Dich selbst fragen: Was will ich lernen?

Wenn du dein erstes Schülerpraktikum machst, bist du wahrscheinlich 15 Jahre alt. Das ist relativ früh, wenn du nicht ein oder zwei Jahre später eine Ausbildung anfangen möchtest, und wahrscheinlich weißt du noch gar nicht so genau, was du später beruflich machen möchtest. Insofern ist die Auswahl noch schwieriger, weil du vielleicht noch gar nicht weißt, was du machen möchtest.

Das kannst du als Schwierigkeit, aber auch als Chance ansehen. Denn ein Schülerpraktikum ist eben auch dazu da, festzustellen, welche Berufe vielleicht doch nichts für dich sind. Du kannst also getrost aus dem Vollen schöpfen und auch mal Dinge ausprobieren, an die du vielleicht bisher noch nicht gedacht hast. Warum kein Praktikum als Tierpfleger oder im Krankenhaus? Schränke dich nicht von vorneherein bei der Auswahl ein, indem du dich auf etwas festlegst, was du vielleicht mal werden willst. Das kann sich in den nächsten Jahren nämlich noch stark ändern.

Du kannst aber überlegen, welche Tätigkeiten dir grundsätzlich liegen und in welchen Berufen diese eine Rolle spielen. Das müssen keine Schulfächer sein, sondern können auch Dinge sein, die du in der Freizeit machst. Du nähst gerne? Vielleicht wäre ein Praktikum bei einem Schneider etwas für dich. Du kannst sehr gut erklären? Bewirb dich doch mal in einer Schule (und zwar am besten nicht in deiner eigenen).




Schritt 2: Recherche

Viele Unternehmen bieten keine Schülerpraktika an, weil sie keine Zeit haben, sich sinnvoll um weniger erfahrene Praktikanten zu kümmern. Andere haben sogar feste Programme für Praktika für Schüler, die jedes Jahr aufs Neue stattfinden. Bevor du also einen Haufen Bewerbungen verschickst und doch nur Absagen bekommst, mache am besten eine kurze Internet-Recherche und suche Unternehmen in deiner Gegend heraus, die entweder

  • extrem interessant sind für dich oder
  • explizit Schülerpraktika anbieten.

Du solltest mindestens eine Liste von fünf bis zehn Unternehmen haben, die für dich in Frage kommen. Schreibe dir die Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse und nach Möglichkeit den Namen eines Ansprechpartners heraus. Falls es keinen konkreten Ansprechpartner fürs Schülerpraktikum gibt, versuche, jemanden aus der Personalabteilung oder dem HR-Team (HR = Human Resources = Personal) ausfindig zu machen.

Wähle den Umkreis, in dem du suchst, nicht zu eng. Manchmal gibt es die interessantesten Praktikumsstellen nicht bei dir im Ort. Überlege, was du vielleicht noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kannst oder wo du bei Verwandten unterkommen kannst, damit du mehr Auswahl bei der Recherche hast.

Schritt 3: Anruf

Bevor du irgendjemandem eine Praktikumsbewerbung schickst, solltest du anrufen und nachfragen, ob sich das überhaupt lohnt. Dafür hast du im zweiten Schritt ja die Ansprechpartner herausgesucht. Weil du wahrscheinlich noch nicht so oft mit Unternehmen telefoniert hast, ist es gut, wenn du zum Beispiel mit deinen Eltern probst, bevor du wirklich anrufst. Dadurch steigen auch deine Chancen, das Praktikum zu ergattern.

Wichtig ist, dass du nicht einfach fragst „Bieten Sie Praktikumsplätze für Schüler an?“ Eine solche Frage lässt sich leicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten und dann ist das Gespräch schon vorbei. Am besten bereitest du kurz vor, was du sagst. Beispielsweise könntest du folgendes sagen: „Hallo, ich heiße Max Schneider und bin in der 9. Klasse. Ich suche eine Stelle für ein Schülerpraktikum in den Osterferien und interessiere mich für eine Stelle im Bereich Webdesign. Ich bin bei einer Internet-Recherche auf ihr Unternehmen aufmerksam geworden, weil sie schon verschiedene Preise im Bereich Webdesign gewonnen haben. Daher wollte ich fragen, ob sie Praktika für Schüler anbieten.“

Du siehst, jeder einzelne deiner Anrufe muss individuell vorbereitet sein, damit du dem jeweiligen Unternehmen zeigen kannst, dass du dich wirklich dafür interessierst. Wenn grundsätzlich Schülerpraktika möglich sind, versuche außerdem, während des Gesprächs die folgenden Informationen herauszufinden:

  • An wen sollst du deine Praktikumsbewerbung richten?
  • Welche Unterlagen musst du beilegen?
  • Bis wann sollst du deine Unterlagen spätestens einreichen?

Anschließend machst du dich am besten direkt an die Vorbereitung deiner Bewerbung.




Schritt 4: Praktikumsbewerbung

Deine Praktikumsbewerbung reichst du am besten per E-Mail ein. Folgende Unterlagen sollten deine Bewerbung mindestens enthalten:

  • ein Bewerbungsschreiben,
  • einen Lebenslauf und
  • dein letztes Zeugnis, eventuell auch das letzte Halbjahreszeugnis.

Ins Bewerbungsschreiben schreibst du noch einmal, warum du dich auf die Stelle als Schülerpraktikant bewirbst. Außerdem gehören die genauen Daten für dein Praktikum hier hinein. Du kannst auch schreiben, was dich an der Stelle besonders interessiert und welche Eingenschaften dich dafür qualifizieren. Wenn du vorher im Unternehmen angerufen hast, kannst du im ersten Satz auch schreiben „Hiermit bewerbe ich mich wie mit Frau Schneider aus Ihrer Personalabteilung besprochen um eine Stelle als Praktikantin in Ihrem Hause“. Somit weiß das Unternehmen sofort, dass du dich vorher schon gemeldet hast .Das erhöht deine Chancen.

Da man bei der Suche nach einem Schülerpraktikum noch recht jung ist, wird dein Lebenslauf sehr kurz sein. Hier gehören deine persönlichen Daten (Name, Geburtsdatum, Anschrift) sowie deine bisherige Schullaufbahn hinein. Wenn du schon andere Praktika gemacht hast, einen Ferienjob hattest oder andere berufliche Erfahrungen hast, listest du sie ebenfalls auf, und zwar absteigend chronologisch, d.h. die neueste Erfahrung zuerst. Fremdsprachen- und Computer-Kenntnisse kannst du ebenfalls aufführen, und zwar mit einer Einschätzung, wie gut du darin bist. Wenn du möchtest, kannst du auch Hobbys angeben. In einen Lebenslauf gehört außerdem ein Foto.

Zusätzlich zu diesen Unterlagen scannst du das letzte oder die letzten beiden Zeugnisse ein oder fotografierst sie sauber ab.

Alle Unterlagen packst du in einer PDF-Datei zusammen und schickst diese in einer E-Mail an deinen Ansprechpartner. In die E-Mail selbst schreibst du nur kurz eine Grußformel, einen Satz, der darauf hinweist, dass anbei deine Bewerbungsunterlagen für ein Schülerpraktikum zu finden sind und einen Abschiedsgruß. Selbstverständlich müssen alle Unterlagen und auch die E-Mail fehlerfrei sein. Lasse sie am besten von deinen Eltern gegenlesen.

Schritt 5: Vorstellungsgespräch

Wenn deine Praktikumsbewerbung gut angekommen ist, kommt es wahrscheinlich zum Vorstellungsgespräch. Hier wollen sich deine künftigen Praktikumsgeber ein persönliches Bild von dir verschaffen. Auch du hast Gelegenheit, Fragen zu stellen. Folgende Tipps helfen dir, einen guten Eindruck im Vorstellungsgespräch zu hinterlassen:

  • Sei auf jeden Fall pünktlich. Probe den Weg am besten vorher.
  • Trage saubere und ordentliche Kleidung. Du musst keine Geschäftskleidung tragen, aber dein T-Shirt sollte frisch gewaschen und gebügelt sein.
  • Gib jedem Gesprächspartner zur Begrüßung die Hand und stelle dich mit Vor- und Nachnamen vor.
  • Merke dir die Namen deiner Gesprächspartner.
  • Lasse deine Gesprächspartner ausreden.
  • Antworte ruhig und selbstsicher auf alle Fragen. Wenn du etwas nicht weißt, kannst du es ruhig sagen.
  • Stelle auch selbst Fragen, zum Beispiel nach deinen Aufgaben, nach anderen Praktikanten und nach dem Team, in das du kommst.

Nach dem Vorstellungsgespräch erhältst du normalerweise relativ schnell telefonisch Rückmeldung, ob es mit dem Praktikum klappt. Manche Firmen verzichten für Schülerpraktika auch ganz auf Vorstellungsgespräche.

Schritt 6: Vertragliches und Organisatorisches

Da dein Schülerpraktikum ein Pflichtpraktikum im Rahmen deiner Schulausbildung ist, gilt es als Schulveranstaltung. Deswegen werden Schülerpraktika auch nicht vergütet. Du bekommst auch keinen Arbeitsvertrag, sondern schließt mit dem Unternehmen eine Praktikumsvereinbarung ab. Vordrucke dazu gibt es wahrscheinlich in deiner Schule. Ansonsten kann das Unternehmen auch einen Vordruck bei der Industrie- und Handelskammer finden.

Im der Praktikumsvereinbarung ist geregelt, wie lange das Praktikum dauert, welche Arbeitszeiten du hast und dass du über die Schule unfallversichert bist. Außerdem wird ein Betreuer oder eine Betreuerin benannt. Da du wahrscheinlich noch nicht volljährig bist, wenn du dein Schülerpraktikum absolvierst, brauchst du auch die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten, manchmal auch beider Eltern.

Die Praktikumsvereinbarung solltest du schon vor dem eigentlichen Beginn bekommen und unterschreiben, damit du genug Zeit hast, sie durchzulesen. Um den Aufwand zu reduzieren, stellen manche Unternehmen sie aber auch erst an deinem ersten Tag aus. Falls das im Unternehmen in Vergessenheiet gerät, frage ruhig nach.




Schritt 7: Der erste Tag

Am ersten Tag bist du wahrscheinlich sehr aufgeregt. Das ist jeder, wenn er irgendwo neu anfängt, egal, ob es sich um ein Schülerpraktikum oder um eine neue Stelle handelt. Also kannst du ganz beruhigt sind. Wichtig ist, dass du morgens pünktlich vor Ort bist. Dein Ansprechpartner wird dich begrüßen und wahrscheinlich führt dich jemand durchs Unternehmen oder durch deine Abteilung.

Wahrscheinlich erhältst du dann bald erste Aufgaben. Auch hier ist wichtig: Du kannst immer fragen. Niemand erwartet von Schülerpraktikanten, dass sie schon alles können. Und schließlich willst du in der Zeit ja etwas lernen. Wenn du keine Aufgaben bekommst, kannst du auch nachfragen und deine Hilfe anbieten. Auch so lernst du viel dazu. Und außerdem kann es ganz schön langweilig werden, wenn man den ganzen Tag nichts zu tun hat.

Mit diesen Tipps sollte der Weg zum Schülerpraktikum geebnet sein. Wir wünschen dir viel Glück, Erfolg und vor allem Spaß dabei!

Hast du bereits ein Schülerpraktikum gemacht? Was musstest du bei der Praktikumsbewerbung beachten?

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