Richtig mit Fehlern umgehen – wie geht das? Der Ausgangspunkt hierzu ist: Fehler sind unvermeidbar. Diese Aussage spiegelt eine offene Lernkultur wider, die nicht jede schulische Institution vertritt. Jedoch treten extreme Normen, die Fehler bestrafen, an den meisten deutschen Schulen eher nicht auf. Das Gegenteil ist der Fall. In der Regel ist das Schulbild geprägt von Fairness und Fehlertoleranz. Zumindest sollte das so sein. Deshalb ist es für dich wichtig zu erkennen, wie deine Lehrer und Mitschüler mit Fehlern umgehen. Doch kann der Umgang mit Fehlern eine sehr persönliche Sache sein. Warum ein bestimmtes Maß an Toleranz so wichtig ist, erfährst du hier.

Warum sind Fehler unvermeidbar und gleichzeitig wichtig?

Fehler sind unvermeidbar. Aber warum ist das so? Das liegt daran, dass kein Mensch perfekt ist, auch du nicht. Und das ist vollkommen in Ordnung. An deiner Schule siehst du täglich, wie Lehrer und Schüler versuchen, mit Fehlern richtig umzugehen. Ganz automatisch orientierst du dich an den Reaktionen durch Beobachtung.

Beim Basketball führt ein Fehlpass zum Sieg der anderen Mannschaft, viele Flüchtigkeitsfehler in der Matheklausur haben eine schlechte Note zur Folge, eine Gruppe mobbt einen Schüler, der zum Außenseiter wird. Das sind nur wenige Beispiele für Fehler und Fehlverhalten in der Schule. Nicht immer zeigen sich die richtigen Reaktionen darauf. Mit Fehlern umgehen muss nämlich gelernt sein.




Auch du machst Fehler und es ist höchst unangenehm, wenn diese sich für jeden offen zeigen. Davon solltest du dich jedoch nicht entmutigen lassen. Fehler sind da, um dich weiterzubringen. Deshalb kannst du dir ruhig eine gewisse Fehlertoleranz erlauben. Nicht nur viele Schulen vertreten diese Einstellung, sondern die bedeutendsten Standorte weltweit. Kennst du den Leitspruch des Silicon Valley? Er spiegelt das wider, was auf die Dauer ein persönliches Weiterkommen verspricht: „Scheitere früh, scheitere oft, damit du schneller etwas erreichst.“

Wie kannst du deine Emotionen kontrollieren, wenn du einen Fehler gemacht hast?

Mit Fehlern umgehen ist nicht einfach. Oft ist damit eine Druck- und Stresssituation verbunden. Dieser belastende Zustand kann entstehen, wenn du dich zu sehr auf die Vermeidung von Fehlern konzentrieren solltest. Wenn du aber das Ich nur über Leistungen definierst, kannst du nur verlieren.

Die beste Kontrolle über gemachte Fehler erreichst du, wenn du sie reflektierst. Was weißt du über deinen Fehler? Was kann dazu geführt haben? Welches Verhalten, welche Einstellung oder welche Handlung hat zu diesem Fehler geführt? Setzt du dich mit solchen oder ähnlichen Fragen auseinander, bewegst du dich auf einer Ebene, die die Psychologen John H. Flavell und Henry M. Wellman Metakognition nennen. Auf dieser Ebene setzt du dich mit deiner eigenen Wahrnehmung auseinander. Auch wirst du in der Lage sein, eine Situation, die z. B. zu einem fehlerhaften Verhalten geführt hat, von außen zu betrachten.

Gestehst du dir ein Fehlverhalten ein, ist das lobenswert. Das kann längst nicht jeder. Die richtige Fehleranalyse macht dein Handeln in Zukunft nämlich besser. Der Fokus sollte deshalb nicht darauf liegen, mit einem Fehler ein fehlerhaftes Ich zu verbinden, sondern auf Selbstreflexion und Ausdauer im Gedankenprozess.




Sich selbst für den Prozess, die eigene Anstrengung, die Konzentration und die Vorgehensweise beim Umgang mit den eigenen Fehlern zu loben, befreit dich letztlich von der Angst vor Herausforderungen und Schwierigkeiten. Kurz: Du verlierst die Angst vor dem Scheitern.

Negative Emotionen kommen erst gar nicht auf. Die eigene Fehlertoleranz, die du dir selbst zugestehen kannst, ist maßgeblich. Emotionen richtig zu kontrollieren bedeutet aber auch, dass keine extremen Einstellungen deinen Kopf lenken dürfen. Einen Fehler zu begehen, sollte dir daher nicht gleichgültig sein. Sich selbst dafür zu sanktionieren, macht dich aber auch nicht besser.

In dieser Hinsicht lehrt die Erfahrung und hierzu sagte Winston Churchill: „Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.”

Wie gesteht man anderen gegenüber Fehler ein?

Nicht jedem Schüler fällt es leicht, anderen Mitschülern, Freunden oder Lehrern gegenüber Fehler einzugestehen. Oftmals fühlt sich der Schüler in seinem Selbstwert bedroht. Das Resultat: Der Fehler wird geleugnet. Mit Fehlern umgehen bedeutet aber, diese gerade nicht zu leugnen.

Wer die Schuld ständig auf andere Mitmenschen schiebt und versucht, sich auf diese Weise die Hände reinzuwaschen, verpasst die Chance, die eigenen Fehler zu korrigieren. Das Leugnen von Fehlern offenbart ein geringes Selbstvertrauen.

Du kannst ein Vorbild sein, indem du zu deinen Fehlern stehst. Ein Fehler führt weder zu einer fehlerhaften Persönlichkeit noch kann er frühere Erfolge und positive Einstellungen Frage stellen. Besonders in der Schule bietet sich die Möglichkeit, gemeinsam nach den Ursachen zu forschen. Wie kam der Fehlpass beim Basketball zustande? Vielleicht fehlte es an einer Deckung des gegnerischen Spielers in einem Moment. Wie konnte es zu den Flüchtigkeitsfehlern in der Matheklausur kommen? Vielleicht lag es an mangelnder Konzentration aufgrund von Müdigkeit. Warum wird der Mitschüler gemobbt? Vielleicht kannst du ihn schützen, indem du dich für ihn einsetzt.




Wie schaffst du es, aus Fehlern zu lernen?

Wer einen Fehler macht, erntet nicht selten Kritik. Das ist auch in der Schule so. Wenn dich Mitschüler kritisieren, muss das für dich nicht zwangsläufig schlecht sein. Kritik kann nämlich auch konstruktiv wirken. Oftmals geschieht das in Form von Verbesserungsvorschlägen, die ein positives Ergebnis zum Ziel haben. Hier solltest du die Chance ergreifen und auf die Kritik eingehen. Dabei solltest du dich nicht davor scheuen, eine differenzierte Betrachtungsweise vom Kritiker einzufordern. Dies signalisiert die Bereitschaft, sich mit dem Fehler auseinanderzusetzen. Außerdem zeigst du deinem Gegenüber, dass du Kritik, die auf eine bloße Entwertung abzielt, nicht duldest.

Mit Fehlern umgehen heißt, genau hinzuschauen. Durch eine Fehleranalyse auf der Ebene der Metakognition speichert dein Gehirn Verhaltens- oder Denkmuster, die zu vermeiden sind. Außerdem lernst du ein neues Verhalten, dass du beim nächsten Mal anwenden kannst. Ein neues Denk- oder Verhaltensmuster kannst du auch zu Hause üben, indem du dir die Situation vorstellst, in der der Fehler begangen wurde. Spiele die Situation im Kopf noch einmal durch und setze dein neu erlerntes Verhalten ein. Auch das Auflösen von Fehlern bedarf der Übung.

Richtig mit Fehlern umgehen heißt für dich, deinen Horizont zu erweitern. Es bedeutet, sich von seiner eigenen Engstirnigkeit zu befreien. Bewegst du dich auf dieser Basis, wirkst auch du als Schüler kompetent und konstruktiv.

Lass dich von Henry Ford inspirieren, der sagte:

„Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.”

Überblick

Mit Fehlern umgehen heißt:

  • zu verstehen, dass Fehler unvermeidbar und gleichzeitig wichtig sind.
  • durch Fehleranalyse neues Verhalten lernen.
  • konstruktiv Kritik annehmen.
  • Lösungen gemeinsam erarbeiten.
  • Metakognition üben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.