So klappt der Unterricht zuhause

Wenn die Schulen weiterhin geschlossen bleiben, stellt das viele Eltern vor eine Herausforderung, die sie schon ein wenig kennen: Homeschooling, Job (teilweise auch im Homeoffice) und Alltag müssen unter einen Hut gebracht werden. Und das in einer ohnehin schon belastenden und ungewissen Situation.

Aus unserer Erfahrung in der Online-Nachhilfe und im Homeschooling, mit der wir regelmäßig Schüler*innen beim Zuhauselernen unterstützen, haben wir die besten Tipps zusammengetragen, um den Unterricht zuhause so zielgerichtet, harmonisch und erfolgreich wie möglich umzusetzen.

Unsere Überzeugung dabei ist, dass wir alle noch etwas beim Unterrichten lernen und uns dabei selbst weiterentwickeln können. Homeschooling kann außerdem eine Chance sein, das eigene Kind viel intensiver beim Lernen zu erleben, zu verstehen, woran es manchmal hakt und auch mittelfristig besser zu begleiten.

Wie das funktionieren kann, erklären wir im Folgenden.

Distance Learning als Vorbild

Das Homeschooling während des Corona-Lockdowns ist aus der Not heraus entstanden. Schulen, Eltern und Schüler*innen waren unvorbereitet und haben sich gezwungenermaßen mit dem Thema auseinandergesetzt. Dass es da teils holperte, ist nicht wirklich überraschend.

Wenn wir wissen wollen, wie es besser gehen kann, sollten wir daher an andere Stellen schauen, dorthin, wo Distance Learning bewusst und aufgrund seiner vielen Vorteile praktiziert wird.

Vorteile?

Ja, die hat es definitiv auch, wenn man zuhause lernen kann. Und manchmal hilft es, sich diese Vorteile bewusst vor Augen zu führen, um dem ganzen Thema etwas Gutes abzugewinnen. Solche Vorteile sind zum Beispiel:

  • mehr Flexibilität und Selbstbestimmtheit in Bezug auf Lernzeiten (natürlich im abgesteckten Rahmen),
  • ungestörtes Arbeiten in gewohnter Umgebung,
  • Lernen im eigenen Tempo mit kürzeren oder längeren Lerneinheiten – so, wie es am besten passt,
  • Verwendung von asynchronen Kommunikationsmitteln (Bücher, Arbeitsblätter, E-Mails, Videoaufzeichnungen) – alles kann so oft nachgelesen werden, wie man möchte oder braucht,
  • Recherchemöglichkeit im Internet.

Diese Vorteile bringen viele Menschen dazu, beispielsweise ein Fernstudium zu absolvieren, eine Fortbildung per Fernunterricht abzuschließen oder im Distance Learning ihren Schulabschluss nachzuholen. Und das mit großem Erfolg. Die Nachteile – dass niemand direkt für Fragen zur Verfügung steht und man sich den Lernstoff selbst oder mit Hilfe von anderen erarbeiten muss – muss man natürlich ausgleichen. Und genau darum geht es in unseren 5 einfachen Tipps für gelungenes Homeschooling.

5 Tipps für besseres Lernen zuhause

Tipp 1: Rollen vergegenwärtigen und klären

Leider macht der Alltag es uns oft nicht leicht, die Chancen von Homeschooling zu sehen und zu nutzen. Denn Stress beim Unterricht in den eigenen vier Wänden ist oft an der Tagesordnung: Plötzlich soll man Lehrer*in sein – und zwar für alle Fächer, was „normalen“ Lehrer*innen nicht abverlangt wird. Die Zeit, die fürs Unterrichten aufgewendet werden soll, war vorher schon mehr als verplant. Und – ganz wichtig – es haben sich in der Familie bereits Routinen und Dynamiken eingespielt, die sich nicht so einfach abstellen lassen.

Ganz konkret: Wenn ich als Mutter meinem Kind sage, dass die Mathe-Aufgabe anders gelöst werden muss, schwingt da unbewusst immer alles mit, was im gemeinsamen Leben gerade eine Rolle spielt. Vielleicht ärgere ich mich noch darüber, dass ich gestern wieder mit dem Hund rausmusste, obwohl das anders abgesprochen war. Vielleicht ist mein Kind sauer, weil ihre beste Freundin zum Treffen mit den Klassenkameradinnen durfte, ich aber streng bleibe. Egal, was gerade das Leben bestimmt, es macht die neue Rolle – die der Lehrkraft – deutlich schwieriger und lädt sie bereits auf. Denn wir haben schon Rollen und handeln teilweise automatisch in ihnen.

Wie bei den meisten Dingen ist Selbsterkenntnis schon mal ein wichtiger erster Schritt. Wenn wir uns unsere Rollen vergegenwärtigen, sie – je nach Alter – auch aktiv mit dem Kind besprechen und uns darauf konzentrieren, während der Unterrichtszeit andere Rollen außen vor zu lassen, können wir uns viel besser auf das Lernen fokussieren.

Ein wichtiger Schritt dorthin ist die Selbstkontrolle. Aber auch Rituale oder Zeichen (zum Beispiel ein Lehrerhut, ein Unterrichtsschild, ein extra eingerichteter Lernplatz) helfen allen Beteiligten dabei, sich von den Alltagsrollen zu distanzieren.

Und auch, wenn es schwerfällt: Die Rolle der Unterrichtenden ist eine begleitende. Am besten fragen wir uns zunächst, was das Kind alleine leisten kann und wobei es wirklich Unterstützung braucht. Das stärkt das Kind, gibt ihm Selbstbewusstsein und die Gewissheit, dass es immer ein Sicherheitsnetz gibt, das es auffangen wird.

Tipp 2: Den Überblick behalten

Je jünger das Kind ist, desto wichtiger ist es, als Erwachsene*r den Überblick zu behalten. Die Schulen sind oft nicht vorbereitet auf das Distanzlernen, sodass die verschiedenen Lehrkräfte sich selbst Methoden und Vorgehensweisen ausdenken mussten. Daher sind die Anforderungen von Fach zu Fach häufig unterschiedlich.

Wir empfehlen, zwei Übersichten nach Fächern zu erstellen – eine allgemeingültige und eine wöchentlich wechselnde. Um kein Fach zu vergessen, empfiehlt es sich, einfach anhand des normalen Stundenplans alle Fächer untereinander aufzuschreiben (natürlich jedes nur einmal) und dann die Übersichten auszufüllen.

Die allgemeingültige Übersicht enthält folgende Informationen:

  • Fach
  • Anzahl Stunden / Woche im Regelbetrieb
  • Lehrer*in
  • Kontakt
  • Lehrwege (z. B. Zoom, Arbeitsblätter in Teams)
  • wichtige regelmäßige Termine
  • Lernquellen
  • erforderliche Unterstützung

Den letzten Punkt kann man ganz leicht auf einer Skala von 0 (keine) bis 5 (intensive Unterstützung) bewerten. Gut ist es, diese Bewertung gemeinsam mit dem Kind vorzunehmen, da es selbst am besten einschätzen kann, wo es Unterstützung braucht und will.

Die wöchentlich wechselnde Übersicht ist ebenfalls nach Fächern aufgeschlüsselt. Sie enthält die Termine der jeweiligen Woche sowie die zu erledigenden Aufgaben, die Stelle, an der die Aufgaben eingereicht werden müssen und im Idealfall eine Spalte, in der man abhaken kann, wenn das Thema erledigt ist. So ist immer klar, was in dieser Woche noch ansteht.

Achtung!
Einige wenige Lehrkräfte geben mehr als einmal in der Woche Aufgaben. Das muss dann natürlich auch auf der allgemeinen Übersicht vermerkt und bei der Erstellung der wöchentlichen Übersicht berücksichtigt werden.

Den Überblick behalten sollte man als erwachsene*r Lernpartner*in aber auch im Hinblick auf das Lernen selbst. Denn es reicht natürlich nicht, wenn das Ergebnis am Ende stimmt, sondern das Kind muss den sinnvollsten Weg dorthin erkennen und verstehen. Oft sind Aufgaben im Ergebnis zwar falsch gelöst, der Weg dorthin folgt jedoch einer inneren Logik des Kinds. Richtig gute Lehrkräfte erkennen diese Logik und erklären dem Kind dann genau, an welcher Stelle es warum „falsch abgebogen“ ist. Das hilft dann nicht nur bei der einen Aufgabe, sondern bei allen ähnlichen – und lässt außerdem Meta-Kompetenz beim Lernen entstehen, also die Kompetenz, Neues selbstständig erarbeiten zu können.

Es erfordert ein wenig Übung, solche Dinge zu erkennen. Ein Weg dorthin ist, zu beobachten, wie das Kind arbeitet, und es zusätzlich selbst erzählen zu lassen, wie es zu einem bestimmten Ergebnis kommt. Es ist sehr spannend, welche Einsichten man dadurch gewinnen kann. Wenn das Kind zum Beispiel „es brännt“ statt „es brennt“ schreibt, weil es das Wort „Brand“ schon kennt, dann hat es – um ehrlich zu sein – einen validen Punkt und die Rechtschreibung ist hier einfach nicht besonders logisch. Das kann man dann auch genau so erklären.

Tipp 3: Regelmäßigkeit einführen

Nein, hier steht jetzt nicht, dass der Home-Unterricht am besten jeden Tag zur selben Zeit stattfindet, um Routine ins Lernen zu bekommen. Wenn das klappt, ist es natürlich super. Es widerspricht unserer Erfahrung nach aber dem Alltag der meisten Eltern, dass das einfach so machbar ist.

Regelmäßigkeit ist trotzdem wichtig, einfach, um leichter den Überblick zu behalten (siehe Tipp 2), um dem Kind Sicherheit zu geben und um alle Termine einzuhalten.

Als erste regelmäßige Routine sollte man täglich die Todos besprechen und planen, wann man sich zusammen hinsetzen kann – und ob überhaupt Unterstützung notwendig ist. Diesen kurzen regelmäßigen Termin kann man an einen Termin knüpfen, an dem man ohnehin zusammenkommt. Zum Beispiel bietet sich der Zeitraum direkt nach dem Frühstück an. So ist keine fixe Uhrzeit vorgesehen – weil das Frühstück aus organisatorischen Gründen auch mal früher oder später stattfinden kann -, aber es entsteht trotzdem eine Routine.

Sinnvoll ist natürlich auch, sich die Arbeit im Homeschooling auf beide Elternteile aufzuteilen – sofern dies möglich ist. Möglicherweise springen sonst auch ältere Geschwister, Großeltern, Tanten oder Onkel gerne mit ein und ergänzen den Heimunterricht gegebenenfalls auch online. Wichtig ist dann, dass es feste Ansprechpartner*innen für bestimmte Fächer gibt und dass diese auch immer auf dem aktuellen Stand sind. Ältere Kinder (Teenager) können die Organisation eventuell schon selbst übernehmen und sich das Wissen immer dann ziehen, wenn sie es brauchen.

Wenn mehrere Geschwister unterrichtet werden sollen, ist es übrigens sinnvoll, jedem Kind separat ein bisschen Zeit zu widmen und nicht parallel unterrichten zu wollen. Oft kann man Dinge schon in zehn Minuten erklären und das Kind dann selbstständig üben lassen. Wenn es weiß, dass es diese zehn Minuten die volle Aufmerksamkeit der Eltern hat, wird es auch konzentrierter bei der Sache sein. Mehrere Kinder parallel zu unterrichten, spart am Ende keine Zeit, sondern strapaziert nur die Nerven aller Beteiligter.

Tipp 4: Vorbereiten

Die meisten Eltern kennen das: Das Kind kommt mit dem Mathe-Buch, man schaut sich die Aufgabe an, rechnet selbst ein bisschen, es klappt nicht, dann schaut man hektisch irgendwo nach, alle werden ungeduldig, irgendwann kippt die Stimmung und am Ende ist niemand schlauer und keine Aufgabe erledigt.

Solche Situationen lassen sich durch Vorbereitung leicht vermeiden. Dazu ist auch die wöchentlich wechselnde Übersicht da. Denn wenn ich als Mutter schon weiß, was diese Woche Thema sein wird, kann ich mir im Vorfeld ein paar Minuten Zeit nehmen und mir das Ganze anschauen. So bin ich gelassener und fokussierter, wenn ich das Thema dann mit meinem Kind erarbeite.

Wichtig ist hier auch, sich die verwendeten Methoden anzuwenden. Manches, was wir in unserer Schulzeit gelernt haben, wird heute anders unterrichtet. Das Ergebnis ist am Ende zwar dasselbe, aber das Kind beschwert sich vielleicht mit „Frau Schmidt macht das aber anders!“ Solche Sätze stacheln bei manchen den Ehrgeiz an, Frau Schmidt zu beweisen, dass man es mindestens genauso draufhat wie sie, für andere sind diese Sätze verletzend. Am Ende ist das aber egal, denn wenn Frau Schmidt die Lehrerin des Kinds ist, entscheidet sie über die Methode, die zum Ergebnis führen soll. Als Eltern sollten wir uns daran orientieren.

Tipp 5: Zusammenarbeiten

Das Homeschooling während des Corona-Lockdowns ist für alle Beteiligten eine große Anstrengung. Umso wichtiger ist es, dass alle am selben Strang ziehen und zusammenarbeiten.

Das gilt natürlich zunächst mal zuhause: Als Eltern stehen wir immer auf der Seite des Kinds und wollen als ein Team mit dem Kind dafür sorgen, dass es die gesetzten Schulziele gut und entspannt erreicht.

Aber auch die Zusammenarbeit mit der Schule und den Lehrkräften ist sehr wichtig. Es ist immer besser, einfach mal der Lehrerin eine E-Mail zu schreiben, als selbst herumzuprobieren und am Ende kein gutes Ergebnis zu haben. Die meisten Lehrkräfte sind froh über den Kontakt zu den Eltern, weil dieser ihnen den Einstieg später leichter macht.

Gut ist es auch, den Kontakt zu anderen Schüler*innen und Eltern zu suchen. Auch hier kann man aus dem Fernunterricht der Erwachsenenbildung lernen: Lerngruppen helfen unglaublich dabei, Routinen entstehen zu lassen und Fragen schnell und unkompliziert zu klären. Dabei ist es unerheblich, ob man sich „nur“ online treffen kann. Wichtig ist die Verlässlichkeit und das Gefühl, dass alle im selben Boot sitzen.

Wo finde ich Material fürs Homeschooling?

Material fürs Homeschooling stellen normalerweise die Schulen zur Verfügung, und wenn es auch nur in Form der genutzten Schulbücher ist. So lange die Schulen geschlossen sind, ergänzen viele Lehrkräfte diese Materialien aber auch durch Arbeitsblätter oder Links zu Lernmaterialien.

Am besten ist es, immer das Material der Schule zu nutzen, weil dann sichergestellt ist, dass die Kinder genau das lernen, was die Lehrkräfte vorgesehen haben. Wenn das nicht ausreicht, um zum Beispiel kniffligere Themen zu besprechen, kann eine Internet-Recherche weiterhelfen. Es gibt online sehr viele Arbeitsblätter, Lernvideos und zusätzliche Materialien. Wichtig ist aber, dass die Unterlagen aus der Schule führend bleiben. Also: Vorher am besten sichten und anpassen und genau das passende heraussuchen.