Das Sprichwort, Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, beschreibt anschaulich die Tatsache, dass es manchmal sehr lange dauern kann, bis etwas Großes und Schönes entsteht. Ein treffendes Bild, denn in der Tat brauchte es Jahrzehnte, bis sich aus mehreren kleinen Ansiedlungen die mächtige Stadt Rom entwickelte.

Wirklichkeit und Mythos der Gründung Roms

Nach heutigen Erkenntnissen wurde die Stadt Rom von den Etruskern gegründet. Etwa im siebten Jahrhundert vor Christus erweiterte das kulturell hochstehende Volk ihr Siedlungsgebiet im Norden Italiens immer weiter Richtung Süden. Schließlich trafen sie am Fluss Tiber auf einige Dörfer der dort ansässigen Latiner. Aufgrund der günstigen geografischen Lage gründeten die Etrusker hier die Siedlung Roma, die später Ausgangspunkt und Zentrum des mächtigen Römischen Reiches werden sollte.

Nach dem römischen Gründungsmythos aber gründeten die Zwillinge Romulus und Remus Rom. Der römische Geschichtsschreiber Titus Livius nennt sogar ein konkretes Datum: den 21. April 753 vor Christus. Dank der Eselsbrücke: sieben-fünf-drei – Rom schlüpft aus dem Ei, lässt sich dieses Datum gut merken.

Machtkampf um die Herrschaft in Alba Longa

Die Legende von der Gründung Roms beginnt mit dem Ende des trojanischen Krieges. Askanius, Sohn des Kriegshelden Äneas, gründete am rechten Ufer des Tibers die Stadt Alba Longa. Sie lag etwa 20 Kilometer vom späteren Rom entfernt.

Viele Herrscher nach Askanius regierten die Siedlung friedlich, bis Numitor König von Alba Longa wurde. Dessen Bruder Amulius riss die Macht gewaltsam an sich und entthronte König Numitor.

Um seine Herrschaft zu sichern, tötete er alle männlichen Nachkommen seines Bruders. Numitors Tochter, Rhea Silvia, zwang er, Vestalin zu werden. Priesterinnen der Göttin Vesta mussten in Keuschheit leben und durften nicht heiraten. So war Amulius sicher, dass ihm kein rechtmäßiger Thronfolger die Herrschaft über Alba Longa streitig machen würde.

Romulus und Remus

Dennoch brachte Rhea Silvia die Zwillinge Romulus und Remus zur Welt. Vater der Kinder war nach dem römischen Mythos Kriegsgott Mars höchstpersönlich.

Amulius sah seinen Thron durch die Geburt der Kinder in Gefahr. Deshalb befahl er, Romulus und Remus zu töten. Rhea Silvia ließ er einkerkern.

Die Kinder sollten im Hochwasser des Tiber ertrinken und wurden deshalb von den Dienern des Herrschers in einem Korb auf dem Fluss ausgesetzt.

Doch der Korb verfing sich in einem Gebüsch und trieb ans Ufer. Dort fand ihn eine Wölfin. Sie kümmerte sich um die Kinder, säugte sie, wärmte und beschützte sie. Schließlich fand der Schäfer Faustulus die Zwillinge und zog Romulus und Remus als seine eigenen Kinder auf.

Romulus und Remus wuchsen zu kräftigen Männern heran. Eines Tages geriet Remus in einen Streit mit den Hirten des entmachteten Numitor. Er wurde verhaftet und dem ehemaligen König vorgeführt.

Romulus und Faustulus traten vor Numitor, um Remus zu helfen. So erfuhr Numitor die Geschichte der Brüder und erkannte in ihren Gesichtszügen seine Enkel wieder. Romulus und Remus wussten jetzt über ihre wahre Herkunft und über die Taten des machthungrigen Amulius Bescheid. Die Brüder schworen ihrem Großonkel Rache; sie töteten Amulius und setzten Numitor als rechtmäßigen Herrscher von Alba Longa wieder ein.

Die Gründung Roms

Aus Dankbarkeit gestattete Numitor den Zwillingen, selbst eine Stadt zu gründen.

Romulus und Remus beschlossen, an der Stelle zu siedeln, wo sie als Kinder ausgesetzt worden waren. Über den genauen Standort aber konnten sie sich nicht einigen. Romulus wollte die Stadt auf dem Hügel Palatin erbauen, während Remus den Hügel Aventin bevorzugte.

Sie einigten sich darauf, dass ein Vogel-Orakel entscheiden sollte. Remus erblickte als erster sechs Geier. Romulus aber sah zwölf Vögel. Remus bestand darauf, gesiegt zu haben, weil er die Vögel zuerst gesehen hatte.

Romulus wiederum verwies darauf, dass ihm doppelt so viele Geier erschienen waren. Die Brüder verfielen in einen erbitterten Streit über das Vorrecht, den Standort der neuen Stadt bestimmen zu dürfen. Schließlich gab Remus klein bei und überließ Romulus widerwillig den Sieg.

Romulus begann, eine Stadtmauer zu errichten. Remus, der seinem Bruder noch immer zürnte, machte sich jedoch über das langsame Fortschreiten der Bauarbeiten lustig. Um seinen Bruder zu verhöhnen, sprang er über eine unfertige, niedrige Mauer.

Romulus wurde sehr wütend, denn eine Stadtmauer, sei sie auch noch so niedrig, galt zur damaligen Zeit als heilige Grenze. Diese Grenze hatte Remus missachtet. In seinem Zorn erschlug Romulus seinen Zwillingsbruder und schwor, dass es jedem Frevler, der seine Stadtmauer nicht respektierte, ebenso ergehen sollte, wie Remus. So wurde Romulus alleiniger Gründer und Namensgeber von Rom.

Romulus’ mystisches Ende

Romulus regierte zunächst klug und wurde von seinem Volk geachtet. Unter seiner Führung wuchs Rom zur dominierenden Kraft in der Region heran.

Je länger Romulus jedoch an der Macht war, umso autokratischer wurde sein Herrschaftsstil. Schließlich verschwand Romulus unter mysteriösen Umständen. Nach der Legende zog ihn Kriegsgott Mars in einem gewaltigen Wirbelsturm zu sich hinauf in den Götterhimmel. Dort wachte er fortan an der Seite seines Vaters als Gott Quirinus über die Geschicke der Menschen.

Bereits in der Antike entstand jedoch eine zweite Version vom Ende des ersten römischen Königs. Danach soll der immer mehr zum Tyrannen gewordene Romulus von unzufriedenen Soldaten erschlagen worden sein. Möglicherweise mit dem Wissen oder sogar im Auftrag von Senatoren, die Romulus beseitigen wollten.

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