Die Zeit zwischen 1947 und 1991 wird in welthistorischer Hinsicht oft als „Zeit des Kalten Krieges“ bezeichnet. Diese Bezeichnung steht für den politischen Dauerkonflikt zwischen den damaligen Supermächten USA und Sowjetunion (UdSSR). In der Zeit des Kalten Krieges waren fast alle Staaten der Welt zwei gegnerischen Gruppen zugeteilt: Den von den USA angeführten Staaten („Westliches Lager“) und den von der UdSSR angeführten Staaten („Ostblock und Verbündete“).

 Kapitalismus gegen Kommunismus

Seit der Oktoberrevolution 1917, durch die Russland kommunistisch geworden war, standen sich USA und UdSSR feindlich gegenüber. Für die spätestens seit 1927 vom brutalen Parteichef Josef Stalin diktatorisch beherrschte Sowjetunion waren die USA die Verkörperung eines menschenverachtenden Kapitalismus. In diesem System wurden nach sowjetischer Ansicht die Menschen ausgebeutet. Die wahre Macht in den USA lag nach dieser Ansicht nicht beim Volk, sondern bei einer kleinen Clique von Fabrikbesitzern und Bankiers. Für die USA dagegen war die Sowjetunion das Zentrum eines menschenverachtenden Kommunismus. In diesem System wurde die Bevölkerung nach US-Ansicht ihrer Rechte auf Selbstbestimmung und Demokratie beraubt. Die wahre Macht in der Sowjetunion lag nach dieser Ansicht nicht beim Volk, sondern bei Stalin und einer kleinen Clique von Parteifunktionären.

Zweckbündnis und Konfliktbeginn

1941 wurden die USA und die UdSSR Verbündete im Zweiten Weltkrieg durch den Kampf gegen den gemeinsamen Feind Hitler-Deutschland. Nach Kriegsende 1945 begann Stalin, in den von der Sowjetarmee besetzten mittel- und osteuropäischen Gebieten kommunistische Regierungen einzusetzen. Dieses Vorgehen führte zu Spannungen der UdSSR mit den USA und anderen westlichen Siegermächten.

Zum endgültigen Bruch kam es dann 1947 nach dem gescheiterten Versuch Stalins, Teile des Irans zu sowjetischen Satelliten-Staaten zu machen. Daraufhin verkündete US-Präsident Truman, dass die USA in Zukunft allen Ländern, denen die Eroberung durch die UdSSR drohen würde, beistehen würden („Truman-Doktrin“). Im Ergebnis erkannten die USA damit die Oberherrschaft der UdSSR über die von ihnen bereits beherrschten Länder an. Sie machten aber auch deutlich, dass alle weiteren Ausweitungsversuche des kommunistischen Lagers massiv bekämpft werden würden.

Hochrüstung und Stellvertreterkriege

In den Folgejahrzehnten war die Welt praktisch in zwei Lager geteilt. Es entstanden zwei sich feindlich gegenüber stehende Militärbündnisse: Die von den USA geführte NATO sowie der von der UdSSR geführte Warschauer Pakt.

Zu den NATO-Staaten gehörten während des Kalten Krieges unter anderem Großbritannien, Frankreich, die Türkei und die Bundesrepublik Deutschland. Zum Warschauer Pakt gehörten unter anderem Polen, die Tschechoslowakei und die DDR.

Jeder tatsächliche oder mutmaßliche Versuch der Sowjetunion, ihren Einfluss auf Staaten außerhalb des Warschauer Pakts zu erweitern, wurde von den USA bekämpft. Dabei wurden alle politischen und militärischen Mittel außer dem eines direkten militärischen Schlagabtausches zwischen den beiden Supermächten eingesetzt.

Ein „heißer“ Krieg zwischen den hochgerüsteten Supermächten hätte zur Weltkatastrophe werden können. Denn beide Staaten verfügten massenhaft über Atomwaffen (USA seit 1945, UdSSR seit 1949). Wenn eine Supermacht unmittelbar an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt war, vermied die andere Supermacht direktes Eingreifen, um keinen Anlass für den Ausbruch eines Atomkrieges zu geben. So im Koreakrieg (1950 – 1953) und im Vietnamkrieg (1955-1975), in denen die USA mit eigenen Truppen kämpften. Oder im Afghanistan-Krieg, in dem sowjetische Truppen von 1979 bis 1989 eingesetzt worden sind.

Die jeweiligen Geheimdienste waren im Kalten Krieg sehr aktiv, swe anderen Seite durch verdeckte Aktionen zu schaden oder missliebige Regierungen zu stürzen. So organisierte der US-Geheimdienst CIA 1973 in Chile den Sturz des sozialistischen Präsidenten Allende durch einen rechten Militärputsch. Es wurden aber von beiden Seiten auch Untergrundbewegungen oder befreundete Staaten militärisch unterstützt, die dann sozusagen als Stellvertreter für die USA und die UdSSR gegeneinander kämpften. Ein Beispiel für einen solchen Stellvertreterkrieg war der Ogaden-Krieg: 1977/78 war es zwischen dem pro-sowjetischen Äthiopien und dem US-unterstützten Somalia zum Krieg gekommen.

Kalter Krieg wird fast zum „Heißen Krieg“

Mehrere Male sind die Menschen auf der Erde knapp einem drohenden Umkippen vom Kalten zum Heißen Krieg entgangen. So zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Bau der Berliner Mauer 1961.

Die wohl gefährlichste Situation im Kalten Krieg war die Kuba-Krise 1962. Die Stationierung von sowjetischen Atomraketen auf der vom US-Gegner Fidel Castro regierten, in der Nähe der US-Küste liegenden Karibik-Insel Kuba führte 1962 zum ernsten Konflikt. US-Präsident Kennedy hatte gegen sowjetische Schiffe, die Kuba mit Militärmaterial anlaufen sollten, eine Seeblockade um die Insel errichtet. Der sowjetische Staatschef Chruschtschow befahl die Schiffe in letzter Minute zurück, um nicht eine Auseinandersetzung mit der US-Marine und einen möglicherweise dann folgenden Atomkrieg zu riskieren.

Wirtschaftssanktionen, Sport und Raumfahrt

Im außermilitärischen Bereich wurde der Kalte Krieg auch auf dem Gebiet der Wirtschaft geführt. Wirtschaftsblockaden wurden genauso eingesetzt wie Einflussnahmen auf den internationalen Finanzmarkt. Wichtig waren daneben auch Erfolge im Sport. Das galt insbesondere bei Olympischen Spielen. Der sportliche Sektor wurde auch mehrmals unmittelbar politisch genutzt. Der Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980 durch die USA und viele ihrer Verbündeten wegen des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan gehörte zu den bekanntesten dieser Aktionen. 1984 revanchierte sich der Ostblock mit dem Boykott der Olympischen Spiele in Los Angeles.

Ebenso war der Wettbewerb im technisch-wissenschaftliche Bereich eine Waffe im kapitalistisch-kommunistischen Dauerkonfikt. Für die USA war es ein Schock, als die UdSSR 1957 mit Sputnik 1 den ersten künstlichen Satelliten und 1961 mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins All schickten. Danach war es für die USA ungeheuer wichtig, die erste Mondlandung (1969) für sich verbuchen zu können.

Entspannungsbemühungen

Der Kalte Krieg war nicht immer gleich intensiv. Die Intensität war nicht zuletzt davon abhängig, welche Persönlichkeiten in Washington und Moskau an der Spitze ihrer Staaten standen. Als „Eiszeiten“ beschriebene Jahre wurden durch „Tauwetter-Perioden“ aufgelockert. So folgte der Kuba-Krise 1962 eine vorsichtige Phase von „Friedlicher Koexistenz“ mit Abrüstungsverhandlungen. Dann gab es wieder Phasen von hartem Gegeneinander und Wiederaufrüstung wie Anfang der 1980er Jahre unter US-Präsident Reagan und Kreml-Chef Breschnew.

Ende des Kalten Krieges

Die insbesondere vom sowjetischen Staatschef Gorbatschow ab Mitte der 1980er Jahre vorangetriebene Entspannungs- und Abrüstungspolitik sowie die von Gorbatschow geförderte Selbstbestimmung der Ostblockstaaten führte im Ergebnis 1991 zur Auflösung des Warschauer Pakts. Die Sowjetunion löste sich im selben Jahr ebenfalls auf. Damit war die Ära des sowjetischen Kommunismus beendet.Und damit war auch der auf dem Gegensatz von Kapitalismus und Kommunismus begründete Kalte Krieg Geschichte.

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