Die Französische Revolution

Redaktion


Zwischen 1789 und 1799, dem Staatsstreich Napoleons, erschüttert die Französische Revolution ganz Europa. Sie läutet ein neues Zeitalter ein.

Die Einberufung der Generalstände in Versailles

Im Jahre 1789 eskalierten die Verwerfungen in der französischen Monarchie, die sich aufgrund von Finanznöten und schlechter Führung seit Jahren in der Staatskrise befand. Nach Kriegen wie dem Siebenjährigen Krieg und der Teilnahme am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, vor allem aber durch die enormen Kosten für die Pracht am königlichen Hof drohte der Staatsbankrott.

König Ludwig XVI. berief die französischen Generalstände ein, eine seit dem 14. Jahrhundert als Beratungsgremium der Monarchie dienende Versammlung. Hier hatten die drei Stände Klerus, Adel und Bürger jeweils 300 Sitze inne. Adel und Klerus, die nur eine verschwindende Minderheit in der Bevölkerung bildeten, dominierten die Versammlung. Dort hatten also Klerus und Adel das Sagen, steuerpflichtig aber war allein der Dritte Stand. Die Bürger*innen und die Bauern und Bäuerinnen auf dem Lande trugen die Lasten des Reichtums der herrschenden Schichten. Ziel des Königs war die Durchsetzung einer Steuererhöhung. Was ihm nicht bewusst war, war sein Einläuten der Französischen Revolution.

Aufstand des Dritten Standes mit der Gründung der Nationalversammlung

Das alles aber lief nicht wie erhofft. Bürgerliche Mitglieder der Generalstände zielten auf eine Umwandlung der Herrschaft Ludwigs in eine nur repräsentative Rolle nach britischem Vorbild. Die Mitglieder des Dritten Standes beanspruchten, 98 % der Bevölkerung zu vertreten, und forderten mehr Rechte.

König Ludwig taktierte hin und her, gewährte aber keinerlei Zugeständnisse. Der Dritte Stand gab sich den Namen Nationalversammlung und forderte die anderen Stände zum Beitritt auf. Teile des Klerus, vor allem vom Lande, schlugen sich auf die Seite des Dritten Standes. Abbé Sieyès, einer der Priester, übernahm eine führende Rolle, der Adel aber schlug sich auf die Seite des Königs. Die Nationalversammlung trat im Ballhaus, einer Sporthalle im Schloss Versailles, zusammen, nachdem Ludwig die Sitzungssäle hatte sperren lassen. Im Ballhausschwur vom 20. Juni 1789 schworen die Mitglieder der Versammlung, nicht eher auseinanderzugehen, als dass sie eine neue französische Verfassung verabschiedet hätten.

Der gewählte Präsident der Versammlung, der Astronom Bailly, verweigerte den Abgesandten des Königs die Auflösung. Schließlich schlugen sich auch einige Adlige unter der Führung des Herzogs von Orléans auf die Seite des Dritten Standes. Am 27. Juni 1789 erkannte der König gezwungenermaßen die Versammlung als Nationalversammlung an. Der erste wichtige Schritt in die Französische Revolution war gemacht.

Der Sturm auf die Bastille

Gleichzeitig mit der Anerkennung der Nationalversammlung berief der ängstlich lavierende König Ludwig Militäreinheiten nach Paris, was zu erheblicher Unruhe führte. Die Pariser Mitglieder der Nationalversammlung formten eine Bürgermiliz, aus der sich später die vom liberalen Marquis de La Fayette geführte Nationalgarde entwickelte. Das Volk drängte zur Bewaffnung. Eine entschlossene Gruppe von 5000 Menschen plünderte ein Waffenlager und zog am 14. Juli zur Bastille, dem Gefängnis und Symbol der verhassten Monarchie. Die dortigen Wächter wurden mit ihrem Kommandanten getötet und die Gefangenen, Frauen wie Männer, befreit.

Dieses Ereignis gilt für die Französische Revolution als ein Höhepunkt. Der König geriet in Panik und zog seine Truppen zurück, um den Konflikt zu deeskalieren. Als Zeichen dafür, dass er das Geschehen billigte, heftete sich der opportunistische Ludwig sich das blau-weiß-rote Abzeichen als Symbol für die Französische Revolution an den Hut, blieb in seinem Herzen aber Gegner der Revolution. Gleichzeitig verbreitete sich die Revolution im ganzen Land, Bauern und Bäuerinnen griffen die Schlösser und Klöster ihrer Grundherren an.

Am 26. August 1789 wurde von der Nationalversammlung die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte verabschiedet, die das moderne Europa begründete. Dieses Papier gehört zu den wichtigsten Dokumenten der Menschheitsgeschichte und ehrt die Französische Revolution. Sie beginnt mit den Worten: Von ihrer Geburt an sind und bleiben die Menschen frei und an Rechten einander gleich.

Die Französische Revolution und ihre Ursachen

Du magst dich fragen, warum kam es in Frankreich zu dieser Eskalation kam, in anderen Ländern aber nicht?

Tatsächlich war Deutschland etwa nicht von einer zentralen Gewalt, sondern von vielen, teils aufgeklärt agierenden Fürsten regiert. In Österreich herrschte bis 1790 der als Aufklärer geltende Kaiser Joseph II. Seine aufklärerischen Ansätze wurden nach der Revolution in Frankreich durch seine Nachfolger jedoch schnell eingefroren und durch Kerker und Hinrichtungen ersetzt. Italien gab es noch nicht als zentralen Staat. In Russland fehlte jede Form der Öffentlichkeit und der Aufklärung.

In Frankreich dagegen herrschte der Absolutismus des Königs weiter scheinbar unumschränkt. Das stand im Kontrast zu dem öffentlichen Geist der Aufklärung. Das Land galt gleichwohl europaweit als Vorbild und als Elite des Kontinents. Der dortige Absolutismus aber provozierte Denker wie Voltaire, Montesquieu, Diderot oder auch Rousseau zu ihrem radikalen Ansatz der Aufklärung und der Befreiung des Menschen. Das urbane Pflaster der Hauptstadt Paris war ideal für die Verbreitung ihrer Gedanken und förderte einen ganz neuen Faktor in der Geschichte – die handelnde Volksmasse.

Paris war die Mutter der Revolution. Keine andere europäische Stadt besaß diese Mischung aus Größe, absolutistischer Gewalt, intellektueller Überlegenheit und öffentlicher Kommunikation in den Theatern und auf den Plätzen. Der Einfluss dieser Denker auf das Volk wurde vom König bei Weitem unterschätzt. Sein absolutistisches System zerbrach an sich selbst, die Rettung der Staatsfinanzen war nicht mehr möglich. Er fühlte sich solange sicher, bis es zu spät war und die Ereignisse der Revolution mit der Nationalversammlung und dem Sturm auf die Bastille ihren Lauf nahmen. Die Selbstsicherheit diktatorischer Herrscher*innen war in der Geschichte oft der Beginn des Untergangs.

In Paris ging es auch um soziale Fragen. Die Bevölkerung auf dem Land litt unter Missernten und wurde durch die Abgaben an die Grundbesitzer*innen gequält. Die Not der Staatsfinanzen wurde von astronomischen Brotpreisen begleitet, was die Bildung einer revolutionären Öffentlichkeit förderte. Handwerker*innen in Paris mussten etwa die Hälfte ihres Verdienstes nur für den Einkauf von Brot ausgeben. Es war auch diese wirtschaftliche Not, die das Volk auf die Straßen brachte und zum Akteur der Geschichte verwandelte.

Die Revolution zwischen Gegenrevolution und Verfassung

Nach dem Sturm auf die Bastille war die Nationalversammlung die einzig gültige politische Instanz. Die Macht des Königs war zerbrochen. Viele Adlige flohen aus dem Land und versuchten vom Ausland aus die Gegenrevolution zu organisieren. In ganz Europa herrschte große Furcht vor einem Überschwappen der Revolution und die europäischen Herrscher*innen begannen, Frankreich zunächst verbal zu bedrohen. Es war vor allem der bedrohliche Krieg mit den Osmanen, der die Habsburger und Russen zunächst von militärischen Abenteuern abhielt.

Die Nationalversammlung ordnete noch im August 1789 umfassende Reformen an. Die Leibeigenschaft wurde abgeschafft, die Gerichtsbarkeit der Grundbesitzer*innen abgeschafft, Ämterkauf und Kirchenzehnter verboten. Die Steuerbefreiung des Adels und des Klerus wurde aufgehoben. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sollten im ganzen Land gelten und das Feudalregime zerbrochen werden. Eigentum, Sicherheit und ein Widerstandsrecht gegen Unterdrückung wurden als Maximen beschlossen. Die Schriftstellerin Olympe de Gouges verfasste ein Manifest zur Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin, in dem sie die Gleichstellung forderte. Sie wurde später dennoch als Gegnerin der Revolution hingerichtet. Tatsächlich wurde das Frauenwahlrecht in Frankreich erst 1936 eingeführt.

Noch wollte die Nationalversammlung die Monarchie nicht abschaffen, sondern nur die Rechte des Königs beschränken. Der weigerte sich, einige Dekrete zu unterschreiben und stellte Bedingungen hinsichtlich seiner zukünftigen Stellung. Erst ein Zug von mehreren Tausend Pariser Frauen nach Versailles in sein Schloss zwang ihn zur Unterschrift. Sie zwangen gleichzeitig König und Nationalversammlung, ihren Sitz endgültig nach Paris zu verlegen. Am 14. Juli 1790 wurde auf dem Pariser Marsfeld feierlich der erste Jahrestag des Sturmes auf die Bastille begangen. 1791 wurde eine Verfassung beschlossen, die dem König noch ein aufschiebendes Vetorecht gegen Gesetze der Versammlung einräumte. Durch einen Umbau des Staatshaushaltes und die Verstaatlichung der Kirchengüter wurden die Finanzen saniert. Das Wahlrecht wurde auf Bürger*innen mit Besitz beschränkt, wogegen der Rechtsanwalt Robespierre heftig protestierte.

Die Angst beim König nahm dennoch überhand. Nach der Weigerung der Habsburger, eine Intervention durchzuführen, verließ er mit seiner Gemahlin Marie-Antoinette im Juni 1791 heimlich Paris und floh zunächst Richtung Niederlande. Er wurde jedoch erkannt und unter Bewachung zurück nach Paris gebracht.

Gruppenbildung und Radikalisierung bei den Revolutionären

Bereits im Herbst hatte sich, da damals Parteien noch unbekannt waren, der Klub der Jakobiner gebildet, in dem die führenden Revolutionäre ihre Gedanken austauschten. Der Klub hatte seinen Namen vom Tagungsort, einem Jakobinerkloster. Die führenden Köpfe der Nationalversammlung entmachteten nach seiner Flucht den König, waren aber der Überzeugung, dass sie für eine rechtslegitime Verfassung die Unterschrift des Königs unter das Verfassungsdekret benötigten.

Nachdem im Jakobinerklub Robespierre die Absetzung des Königs forderte, zogen gemäßigte Revolutionäre wie Lafayette aus und gründeten den konkurrierenden Klub der Feuillants: Ein weiterer Klub wurde von den radikalen Revolutionären Marat, Desmoulins und Danton beherrscht, die die Abschaffung der Monarchie ebenso wie die Jakobiner forderten. Sie organisierten im Juli 1791 erfolgreich eine Großdemonstration, die Lafayette durch die Nationalgarde und mit vielen Toten auseinandertreiben ließ. Die Revolutionäre waren von nun an tief gespalten.

Im September 1791 trat die neue Verfassung mit Unterschrift und Eid des Königs in Kraft. Die Revolution hatte gesiegt.

Französische Revolution und der Krieg der Revolutionäre

Nach der Rückverbringung des Königs nach Paris nahmen die Drohungen der europäischen Mächte gegen Frankreich zu. Die Feuillants wie La Fayette forderten einen Krieg gegen europäische Könige, um die Revolution innen wie außen zu stabilisieren. Robespierre bekämpfte diese Kriegsabsichten, der König aber unterstützte sie, weil er sich eine schnelle Niederlage Frankreichs erhoffte. Im April 1792 stimmte die neu gewählte Nationalversammlung mit riesiger Mehrheit der Kriegserklärung, zunächst gegen Böhmen und Ungarn, zu. In diesen Tagen entstand die Marseillaise, die bis heute Nationalhymne Frankreichs geblieben ist.

Der Krieg aber war ein Desaster für die Revolutionsarmee und die Furcht im Volk vor den Komplotten von Adligen und Revolutionsgegnern wuchs. Es kam in Paris zu einem neuen Volksaufstand durch die neu gebildete Kommune von Paris. Im August 1792 wurde der Tuilerien-Palast gestürmt. Die Folge waren Hunderte von Toten auf beiden Seiten. Die Nationalversammlung beschloss die Absetzung des Königs, der ins Gefängnis gesteckt wurde. Nachdem in seinen Unterlagen verräterische Korrespondenz mit den Konterrevolutionären im Ausland entdeckt wurde, musste ihm der Prozess gemacht werden. Preußische Truppen besetzten Verdun. Die Pariser Kommune reagierte mit Massenmobilisierungen, Massenverhaftungen und der Ermordung von Tausenden vermeintlichen Revolutionsgegnern.

Die Französische Revolution erkämpft die erste Französische Republik

Im September 1792 konnten die Preußen ausgerechnet am Tage der Neuwahl des Nationalkonvents durch die Revolutionsarmee besiegt werden. Frankreich wurde Republik.

Im Januar 1793 wurde König Ludwig als Verräter hingerichtet. Es kam zu neuen Angriffen der europäischen Mächte auf Frankreich. Die Ereignisse eskalierten in Paris erneut, ein Revolutionstribunal urteilte über der Sabotage verdächtigte Gegner. Als Regierung wurde der Wohlfahrtsausschuss gebildet, in dem zuerst der gemäßigte Danton und nach dessen Ermordung durch das Revolutionstribunal Robespierre die beherrschende Stellung hatte.

Du kannst an diesen Ereignissen erkennen, wie sehr die französische Gesellschaft instabil und im Umbruch nach der Zerstörung des jahrhundertealten Absolutismus war. Beim Aufstand der radikalen Sansculotten wurden wirtschaftsfreundliche Girondisten mit Gewalt aus dem Konvent vertrieben, die Gewichte in Richtung sozialer Gleichheit verschoben. Letztlich wurde die Schreckensherrschaft dieser nachrevolutionären Phase erst durch Napoleon beendet, dem es gleichzeitig gelang, die erste Republik gegenüber den Monarchisten im Inneren und ihren Feinden in Europa militärisch abzusichern. Er sicherte faktisch die Errungenschaften, die die Französische Revolution erkämpfte, dauerhaft.

Die Folgen

Die Französische Revolution hat ganz Europa umgeformt. Die Aufklärung nahm ihren unaufhaltsamen Weg, Demokratien haben sich etabliert. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit haben sich als europäische Werte erwiesen. Der Historiker Jacob Burckhardt zog folgendes Fazit: Das entscheidende Neue, was durch die Französische Revolution in die Welt gekommen, ist das Ändern-Dürfen und das Ändern-Wollen.

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