Nachdem das noch junge 20. Jahrhundert in der Zeit zwischen 1914 und 1918 den schrecklichen Ersten Weltkrieg erleben musste, strukturierte sich Europa neu. In Deutschland wurde mit der Weimarer Republik erstmals eine parlamentarische Demokratie ausgerufen und damit die konstitutionelle Monarchie der Kaiserzeit abgelöst. Auslöser für den Ausruf der demokratischen Republik war die Novemberrevolution, die 1918 gegen Ende des Ersten Weltkriegs begann. Der Name geht auf die Stadt Weimar zurück, in der die entscheidende Nationalversammlung zur Gründung der Republik stattfand.

Die Anfänge der Weimarer Republik

Nach Kriegsende und mit der Abdankung Kaiser Wilhelms II. musste sich das damalige Deutsche Kaiserreich politisch neu ordnen.

Am 9. November 1918 wurden in Berlin gleich zwei verschiedene politische System ausgerufen. Der SPD-Politiker Philipp Scheidemann rief vom Balkon des Reichstags die sogenannte deutsche Republik aus. Als Basis schlug Scheidemann eine auf parlamentarisch-demokratischer Linie vor. Nur zwei Stunden später verkündetet Karl Liebknecht, Gründungsmitglied der KPD, im Berliner Tiergarten die frei sozialistische Republik Deutschlands.

Die zwei unterschiedlichen Systeme sorgten für Spannungen in Deutschland und es kam zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Am 19. Januar 1919 fand die erste reichsweite Wahl seit der Novemberrevolution statt. Die Wahl war wegweisend für die kommenden Jahre. Als stärkste Kraft konnte sich die SPD in der Wahl durchsetzen. Damit konnte in Koalition mit der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) die Weimarer Republik nach Vorstellungen von Philipp Scheidemann verabschiedet werden.

Der Beschluss dazu wurde auf der Weimarer Nationalversammlung getroffen.

Doch auch der offizielle Beschluss für die demokratische Republik beruhigte das Land nicht. Schon im März 1920 kam es zum ersten nennenswerten Putschversuch. Der ehemalige preußische Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp besetzte mit seinen Anhängern das Regierungsviertel und ernannte sich zum Reichskanzler. Da Kapp aber weder die Armee noch die Bevölkerung auf seine Seite bringen konnte, ist der Putsch schnell gescheitert.

Auf Grund der anhaltenden Unruhen kam es zu einer vorgezogenen Reichstagswahl im Juni 1920. Hier musste die SPD erhebliche Verluste hinnehmen. Mit rund 22% schnitt die Partei 16% schlechter ab als im Vorjahr. Im Anschluss an die Wahl wurde Constantin Fehrenbach vom Zentrum zum Reichskanzler ernannt.

Die SPD war nicht mehr Teil der Regierungskoalition. Die Neuwahl konnte die Lage in der Weimarer Republik jedoch nicht beruhigen.

In den kommenden Jahren kam es zu zwei politisch motivierten Morden an Ministern. Im August 1921 wurde der damalige Finanzminister Matthias Erzberger erschossen. Nur zehn Monate später traf es den Außenminister Walther Rathenau, der ebenfalls erschossen wurde. Beide Taten hatten einen rechtsradikalen Hintergrund.

Den vorläufigen Tiefpunkt erreichte die Weimarer Republik im Winter 1922/1923. Nach Streitigkeiten mit der französischen Regierung, in denen es vorwiegend um die im Versailler Vertrag vereinbarten Kriegsreparationen ging, besetzten französische Truppen im Januar 1923 das Ruhrgebiet.

Der Streit um ausstehende Zahlungen sorgte für eine dramatische Abwertung der deutschen Währung. Innerhalb von wenigen Wochen bestimmte die Hyperinflation die politischen Geschicke der Weimarer Republik. Zu ihrem Höhepunkt im November 1923 waren 5-Billionen-Mark-Scheine erhältlich.

Gestoppt werden konnte die Inflation erst mit einer dringend nötigen Währungsreform. Die Mark war Geschichte und wurde durch die Rentenmark ersetzt. Durch eine Einigung mit der französischen Regierung und durch die Währungsreform konnte die noch junge Weimarer Republik das turbulente Jahr 1923 überstehen.

Vorrübergehende Stabilisierung der Weimarer Republik

In den folgenden Jahren konnte sich die auf Grund der vorherigen Inflation nun schuldenfreie Republik stabilisieren. Die Rückzahlungen der Reparationen wurden im Dawes-Plan mit den Siegermächten des ersten Weltkriegs neu verhandelt. Dadurch wurde das Fundament für den wirtschaftlichen Aufschwung gelegt.

Neben den wirtschaftlichen Verbesserungen profitierte die Gesellschaft auch von den technologischen Errungenschaften der damaligen Zeit. Schallplatten, Kinofilme und der Rundfunk waren allgegenwärtig und für alle sozialen Schichten erreichbar.

Unter den Goldenen Zwanziger Jahren ist die Zeit auch heute noch bekannt. Der deutsche Aufschwung hielt bis ins Jahr 1929 an und war geprägt von kultureller Freiheit. Auch wenn es im politischen Berlin immer wieder zu Machtwechseln kam, tat es dem Aufschwung keinen Abbruch.

Wirtschaftlicher Abschwung und Übernahme der Nationalsozialisten

Mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 und der darauffolgenden Weltwirtschaftskriese verschlechterte sich auch die Situation in der Weimarer Republik. Vergrößert wurde der Abschwung von den ausstehenden Reparationszahlungen, die trotz des Dawes-Plan das deutsche Finanzsystem erdrückten.

Mit dem neu verhandelten Young-Plan gestand die deutsche Regierung den Siegermächten Ausgleichszahlungen bis ins Jahr 1988 zu. Die Gesamtkonstellation sorgte für aufkommende Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Befeuert wurde die Stimmung von stetig steigenden Arbeitslosenzahlen, die durch die allgemeine Weltwirtschaftskriese begründet waren.

Um das Zahlungsvermögen der Republik zu gewährleisten, wurden regelmäßig sowohl die Einkommensteuer als auch die Umsatzsteuer erhöht. Parallel dazu wurden öffentliche Investitionen drastisch gekürzt oder ganz eingestellt. Die anhaltende Depression sorgte auch für eine politische Neuordnung.

Am stärksten profitierte die nationalsozialistische NSDAP von der anhaltenden Unzufriedenheit. An der Spitze der Partei stand Adolf Hitler, der Deutschland später in den schlimmsten Krieg der Weltgeschichte führte.

Schon Anfang der 1930er Jahre wurde klar, dass die NSDAP und Hitler mit aller Macht die Geschicke Deutschlands leiten wollten. Mit radikalen Ansichten und populistischen Reden wuchs der Einfluss der Partei auf die politischen Entscheidungen.

In der Reichstagswahl im Juli 1932 wurde die NSDAP erstmals stärkste Kraft. Da es keine politische Mehrheit gab, kam es im November desselben Jahres erneut zur Reichstagswahl. Der Ausgang ergab abermals keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Dies machte sich die NSDAP zunutze.

Nach einer kurzen Regierungszeit von Kurt von Schleicher wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Es folgte im März 1933 die achte und letzte Wahl zum Deutschen Reichstag in der Weimarer Republik. Diese wurde allerdings schon stark von der aufkommenden Diktatur beeinflusst und war daher keine demokratische Wahl.

Durch den klaren Erfolg der NSDAP war die demokratische Weimarer Republik Vergangenheit und mit der Zeit des Nationalsozialismus und des Deutschen Reichs (1933–1945) begann die dunkelste Stunde der deutschen Geschichte.

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