Polen mit seiner horizontal zweigeteilten Nationalflagge in den Farben Weiß und Rot ist eins der Nachbarländer Deutschlands, das an den Nordosten der Bundesrepublik grenzt. Die Hauptstadt und größte Stadt ist Warschau, gefolgt von Krakau, Lodz, Breslau, Posen, Danzig und Stettin. Polen ist eine parlamentarische Demokratie, das sechstgrößte Land der Europäischen Union, bevölkert von 28,5 Millionen Einwohnern. Die Landessprache ist Polnisch, nach Russisch die weltweit am häufigsten gesprochene slawische Sprache.

Kurzer Abriss: neuere Geschichte, Politik und Wirtschaft

Im 18. Jahrhundert kam es zu den drei polnischen Teilungen, 1772, 1793 und 1795. Russland, Preußen und Österreich teilten Polen nach und nach unter sich auf. Von 1796 bis 1918 war der polnische Staat nicht existent.

Im Zweiten Weltkrieg überfielen Deutschland und die Sowjetunion gemeinsam Polen, es folgte die Zeit der Besetzung. Nach Kriegsende wurden die polnischen Grenzen neu gezogen, das Staatsgebiet war von da an ein gänzlich anderes.

Das Land besitzt jetzt eine starke Armee, finanziert durch einen hohen Wehretat. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsminister; oberster Befehlshaber ist der Präsident, Andrzej Duda (Präsidentschaft seit 2015).

Der Staat ist heute eine parlamentarische Demokratie mit einem marktwirtschaftlichen System. 1989 geschah die Wende auch in Polen. Zum großen Teil war das Ende des sozialistischen Regimes der oppositionellen Gewerkschaft Solidarność und ihrem Vorsitzenden Lech Wałęsa zu verdanken – und der katholischen Kirche mit ihrem Oberhaupt, dem polnischen Papst Johannes Paul II., bürgerlich Karol Józef Wojtyła.

Tourismus ist eine der bedeutendsten Einnahmequellen. Hauptenergieträger sind Stein- und Braunkohle. Polen betreibt keine Kernkraftwerke. Złoty heißt die Währung, denn Polen gehört nicht zur europäischen Währungsunion.

Natur

Im Norden grenzt das Land an die Ostsee, im Süden ist es gebirgig. Dazwischen gibt es verschiedene Naturreiche mit allen denkbaren Übergängen vom Tief- bis zum Hochland. Die Gebirge gliedern sich von West nach Ost in die Sudeten, die Karpaten und das Heiligkreuzgebirge. An der Grenze zur Slowakei, im südöstlichen Polen, befindet sich die Tatra, die neben den Alpen das einzige Hochgebirge Mitteleuropas ist – es gibt dort Gipfel von über 2000 Metern Höhe.

Der längste Fluss ist die Weichsel, die Oder markiert die Grenze zwischen Deutschland und Polen. Das Land ist reich an Seen; in Europa verfügt nur Finnland über mehr Binnengewässer. Biber gehören hier zur Tierwelt. In den großen Wäldern leben Bären, Wölfe, Luchse, Elche und natürlich Wild, wie wir es auch aus Deutschland kennen. Aber es gibt hier sogar Tierarten, die in weiten Teilen Europas ausgestorben sind, Wisente zum Beispiel.

Das Klima ist gemäßigt, im Norden und Westen herrscht vorwiegend See- und im Osten und Süden eher Kontinentalklima.

Religion

Fast 90 Prozent der Polen sind römisch-katholischen Glaubens. Der Pole Karol Józef Wojtyła wurde 1978 zum Papst gewählt und war fortan unter dem Namen Johannes Paul II. bekannt. Sechundzwanzig Jahre lang hatte er das höchste Amt in der römisch-katholischen Kirche inne. Auch er spielte eine entscheidende Rolle bei der Auflösung des sozialistischen Gesellschafts- und Regierungssystems.

Polen hatte die zahlenmäßig stärkste jüdische Gemeinde der Welt. In Lodz befindet sich auch der größte jüdische Friedhof Europas. Über die Hälfte aller Juden weltweit lebte vor dem Zweiten Weltkrieg in Polen. Seit der Wende 1989 kann die Glaubensgemeinschaft auch dort wieder Wachstum verzeichnen.

Die meisten anderen Religionsgemeinschaften bilden eine verschwindend geringe Minderheit. Der zweitgrößten Kirche, der Polnisch-Orthodoxen, gehört kaum mehr als ein Prozent der Bevölkerung an.

Bildung und Kultur

Das Schulsystem wird zur Zeit (Stand: 2019) reformiert. Es soll sich demnächst wie folgt gliedern: Am Anfang steht der Kindergarten, danach folgt im Alter von sechs oder sieben Jahren die achtjährige Grundschulzeit. Der Besuch einer weiterführenden Schule schließt sich an, entweder in Form eines vierjährigen Lyzeums oder einer fünfjährigen Berufsoberschule. Beide enden mit dem Ablegen des ziemlich anspruchsvollen Abiturs, das Voraussetzung für die Aufnahme eines Hochschulstudiums ist. Schulgeld wird nicht erhoben, Lehrbücher und alle anderen notwendigen Materialien müssen allerdings bezahlt werden.

Im PISA-Ranking liegt Polen über dem Durchschnitt der OECD-Staaten, also der zur Zeit 36 demokratischen und marktwirtschaftlich organisierten Mitgliedstaaten.

Etwa zwei Millionen Studierende sind an polnischen Hochschulen eingeschrieben. Seit dem Ende der totalitären Regime in Europa herrscht Freiheit von Forschung und Lehre.

Auf zwei naturwissenschaftliche Berühmtheiten ist man in Polen besonders stolz.

Nikolaus Kopernikus, der in Krakau studiert hat, entdeckte im 15. Jahrhundert, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht umgekehrt.

Die in Warschau geborene Physikerin Marie Curie wies im Jahre 1898 die beiden Elemente Polonium (!) und Radium nach und ist damit die Entdeckerin der Radioaktivität.

Und die Kunst?

In der Musik (du hast bestimmt schon mal von dem weltberühmten Pianisten und Komponisten des 19. Jahrhunderts Frédéric Chopin gehört), der Literatur, der Bildenden Kunst, der Architektur und der Filmkunst (Roman Polanski ist ein bekannter Regisseur) haben Polen unzählige Werke von Weltrang hervorgebracht, deren Aufzählung allein viele Bände füllen würde.

Ganze Bibliotheken sind über polnische Kunst und Kultur geschrieben worden, deren ungeheure Vielfalt und deren Reichtum ihre Ursachen auch in der wechselhaften Geschichte des Landes haben.

Dieses Land zwischen Ost- und Westeuropa verfügt über eine bewegte Vergangenheit und über reiche Natur und Kultur. Es lohnt sich, über unsere Nachbarn ein paar grundlegende Dinge zu wissen. Du bist jetzt hoffentlich neugierig geworden und hast einige Anregungen bekommen, um weiter nachzuforschen.