Als Watt wird eine Küstenfläche bezeichnet, welche zweimal täglich von der Flut, auch Hochwasserzeit genannt, überspült, und von der Ebbe, auch Niedrigwasserzeit, komplett frei- und trockengelegt wird. Komplett ausgetrocknet, wie von richtigen Sandstränden bekannt, wird Wattboden jedoch kaum. Es bleibt immer eine Restfeuchte im Boden zurück. Kommt die Flut, so strömt das Wasser durch Priele ein und läuft bei Ebbe durch diese wieder ab. Priele sind wellenförmige, gleichmäßig über die Wattfläche verteilte Strömungsrinnen.

Es gibt vier verschiedene Wattarten. Das zum Sedimentwatt gehörende Sandwatt, Schlickwatt und Mischwatt und das sich von diesen stark unterscheidende Felsenwatt. Das Wattenmeer ist ein unter Naturschutz stehendes Ökosystem und Heimat vieler perfekt an das Watt angepasster Lebewesen. Wattflächen existieren übrigens nicht nur an Ozeanen, sondern auch an Flussmündungen.

Was zeichnet das Wattenmeer aus?

Mindestens zwei Meter beträgt der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser innerhalb des Wattenmeeres. Nur so ist sichergestellt, dass eine ausreichend große Fläche trockenfallen kann. Es existiert ein geringes Bodengefälle von etwa einem Meter auf einer Länge eines Kilometers. Die Wattfläche wird in drei Zonen unterteilt, welche unterschiedlich stark den Gezeiten und der Überspülung bzw. der Trockenlegung ausgesetzt sind. Die sublitorale Zone, die supralitorale Zone und der eulitorale Bereich.

Die sublitorale Zone ist dem Ozean am nächsten. Sie liegt unterhalb des mittleren Niedrigwasserstandes, zählt zu den feuchtesten Wattbereichen und weist die größte Anzahl an Prielen auf.

Die eulitorale Zone bezeichnet das eigentliche Watt, also jene Zone, welche bei Hochwasser überspült und bei Niedrigwasser freigelegt wird. Sie liegt weiter landeinwärts, hinter der sublitoralen Zone.

Die supralitorale Zone ist ein Bereich, welcher oberhalb des mittleren Hochwasserstandes liegt und nur bei starken Fluten überspült wird. Sie liegt bei Ebbe am weitesten von der Wasserkante entfernt.

Die Arten des Watt

Sedimentwatt

Die durch Flüsse ins Meer transportierte Ablagerungen und Schwebstoffe, bilden die Grundlage des Sedimentwatts. Das Sedimentwatt unterteilt sich in drei Arten: das Sandwatt, das Mischwatt und das Schlickwatt. Diese Wattarten werden anhand ihrer Korngröße und ihrem Anteil an Schluff und Ton unterschieden.

Sandwatt

Sandwatt ist das sauerstoffreichste Watt. Es weist einen geringen Gehalt an Wasser und organischen Bestandteilen auf. Durch Wind und Wellen wird diese leichtere Wattart stark umgelagert. Sandwatt enthält weniger als 10 Prozent Schluff- und Tonanteile.

Mischwatt

Die Schluff- und Tonanteile des Mischwatt liegen zwischen 10 und 50 Prozent. In Brandungsschutzzonen größerer Inseln, auf Wasserscheiden und in der Nähe des Festlandes ist Mischwatt zu finden.

Schlickwatt

Schlickwatt weist über 50 Prozent Schluff- und Tonanteile auf. Vor allem an von Wind und Wetter geschützten Plätzen, ist Schlickwatt zu finden. Zum Beispiel im Windschatten großer Inseln oder im geschützten Inneren von Buchten. Aufgrund geringerer Umlagerungen, weist es einen sehr geringen Sauerstoffanteil auf. Aufgrund der hohen organischen Dichte, ist es besonders nährstoffreich. Oftmals trägt Schlickwatt eine schwarze Farbe und riecht schwefelhaltig. Es gehört zu den seltensten Wattarten.

Felsenwatt

Felsenwatt entsteht nicht aus Ablagerungen und Schwebstoffen, sondern ist Produkt von Erosionen. Als Felsenwatt werden Felsplattformen bezeichnet, welche unmittelbar einem Kliff vorgelagert sind. Durch die starke Brandung sind die Felswände beinahe eben und fallen nur seicht ab. Dort, wo die Brandungsplattform aufgrund starker Gezeiten trockenfallen, wird von Felsenwatt gesprochen. Die meisten Felsenwatts bestehen aus verschiedenen Kalk- oder Sandsteintypen oder aus Granit.

Wo auf der Welt gibt es Wattenmeere?

Es existieren weltweit etwa 350 Küstenbereiche, an welchen Wattenmeer zu finden ist. Das deutsche Wattenmeer der Nordsee bildet zusammen mit der nordholländischen und dänischen Küste das größte zusammenhängende Wattenmeergebiet der Welt. Auf über 500 Kilometern zieht es sich vom niederländischen Den Helder über die deutsche Nordseeküste, bis ins dänischen Esbjerg hinein.

Kleinere europäische Wattenmeere finden sich in England, Frankreich und Portugal.

In Afrika gibt es Wattenmeere in Guinea-Bissau, Mosambik, Südafrika und Mauretanien.

Zu Ländern mit Wattenmeeren in Asien zählen Nord- und Südkorea, China, Thailand, Bangladesch, Indien, die Vereinigen Arabischen Emirate, Pakistan, Kuwait, der Iran, der Irak und die Halbinsel Thamir in Russland.

Auf dem amerikanischen Kontinent gibt es Wattenmeere in der Delaware Bay in den USA, der Bay of Fundy in Kanada und in kleinen Buchten Mexikos, Argentiniens, Surinams und Grönlands.

Auch in Australien und Neuseeland gibt es wenige Küstenabschnitte mit Wattenmeer.

Tiere und Pflanzen des Wattenmeeres

Unzählige Tier- und Pflanzenarten besiedeln das Wattenmeer. Dabei leben sie in perfekter Symbiose mit den wechselnden Gezeiten und sind an das Ökosystem Watt perfekt angepasst. Große Unterschiede in der Ansiedlung der Flora und Fauna bestehen zwischen den Arten des Sedimentwatts und des Felsenwatts. Viele Tiere halten sich besonders während der Trockenphase im Sand bzw. im Schlick vergraben, wie etwa die Strandkrabbe. Der Wattwurm und die Herzmuschel hingegen leben teilweise durchgehend im Wattboden. Bei Ebbe können die sich aus dem Boden schlängelnden Kothäufchen der Wattwürmer und die Atemlöcher der Krabben bestaunt werden.

Aber auch im Felsenwatt leben unzählige an die felsige Landschaft angepasste Tiere. Viele Felsen sind mit Napfschnecken übersäht, welche sich von den auf den Felsen angesiedelten Cyanobakterienrasen ernähren. In sogenannten Gezeitentümpeln bleibt in engen Felsspalten etwas Meereswasser bestehen, in welchen Seeigel und Seesterne Zuflucht vor der Trockenheit finden. Diese Tümpel werden von Seeanemonen sogar dauerhaft bewohnt. Neben zahlreichen Tierarten finden sich am Felsenwatt unzählige Algenarten. Das Wattenmeer zählt ebenfalls zu den wichtigsten Rastgebieten für Zugvögel, welche sich von den Kleinstlebewesen aus dem Watt ernähren.

Warum ist der Schutz des Wattenmeers so wichtig?

Das Wattenmeer ist ein hochspezieller Lebensraum für vielerlei Tierarten, welche ausschließlich im Watt überleben können. Wie viele natürliche Lebensräume ist auch das Wattenmeer der hauptsächlichen Bedrohung durch den Menschen ausgesetzt. Neben Umweltgiften durch die Industrie, allgemeiner Vermüllung der Meere und Nährstoffüberschüssen durch die Landwirtschaft gehören Eindeichungen, Entwässerungen der supralitoraler Gebiete des Wattenmeeres und auch Belastungen durch den Tourismus zu den Gefahren.

Weltweite Initiativen und Schutzmaßnahmen sollen für den Erhalt und den verantwortungsvollen Umgang des geschützten Lebensraums sorgen. Zum Schutz des Niederländisch-Deutsch-Dänischen Wattenmeeres wurde 1987 das sogenannte Common Wadden Sea Secretariat (CWSS), auf Deutsch Wattenmeersekretariat, gegründet.