Amerikanisches und britisches Englisch unterscheiden sich nicht nur durch die Schreibweise einzelner Wörter oder eine andere Aussprache. Es gibt ganze Wörter und Ausdrucksweisen, die auf dem jeweils anderen Kontinent nicht bekannt oder wenigstens nicht geläufig sind. Im Grunde ist das aber auch nicht anders, als wenn ein Oberbayer auf einen Friesen trifft und beide Dialekt sprechen. In einem Londoner Eastend-Pub werdet ihr dann wohl auch weniger auf die korrekte Verwendung irgendwelcher Zeitformen treffen, wenn denn mit Schulenglisch überhaupt etwas verstehen. Nachfolgend die klassischen Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch:

Schreibweise

Obwohl die Amerikaner Mitte des 18. Jahrhunderts offiziell die britische Rechtschreibung übernommen haben, haben sich im Laufe der Jahrhunderte doch einige Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch eingebürgert. Bestimmte Wortendungen werden auf beiden Kontinenten unterschiedlich geschrieben.
  • Die britische Endung „-our“ wird im amerikanischen Englisch zu „-or“. Beispiele dafür sind colour – color, flavour – flavor und behaviour – behavior.
  • Die britische Endung „-ise“ wird im amerikanischen Englisch zu „-ize“. Beispiele dafür sind organise – organize, realise – realize und mesmerise – mesmerize.
  • Die britische Endung „tre“ wird im amerikanischen Englisch zu „-ter“. Beispiele dafür sind centre – center, theatre – theater und litre – liter.
  • Die britische Endung „-ogue“ wird im amerikanischen Englisch zu „-og“. Beispiele dafür sind dialogue – dialog und catalogue – catalog.

Unterschiedliche Ausdrücke

Während sich der Amerikaner spätestens im Herbst einen sweater über das Shirt streift, trägt der Brite einen jumper. Briten wohnen in ihrer flat, wenn sie denn kein eigenes Haus haben, und in den USA leben die Menschen in ihrem apartment. Den Begriff College kennen wir alle aus dem Fernsehen, doch weniger bekannt ist, dass diese Oberschule tatsächlich mit der britischen University gleichgestellt ist. Der „Englishman“ knabbert am biscuit zum Tee und die Amerikaner tauchen ihre cookies wahrscheinlich eher in ein exotisches Kaffeegetränk. Es gibt auch witzige Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch, wie das Wort pants. Wer in pants zum britischen Dinner erscheint, wird eher in Unterhosen, denn in den züchtigen trousers erwartet.

Zeitformen

Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch gibt es in der Verwendung der Zeitformen hauptsächlich beim simple past und present perfect. So verwenden die Amerikaner gerne und das ganz offiziell das simple past, wo eine britische Englischlehrerin das present perfect verlangen würde. In den USA sagt man: „I ate too much“ (simple past) für das noch anhaltende Völlegefühl und die Mahlzeit, die erst kürzlich statt fand. Der korrekt sprechende Brite dagegen sagt „I’ve eaten too much“. Im britischen Sprachgebrauch sind die Wörter already, just und yet Signalwörter und der Gebrauch des present perfect obligatorisch. Die Amerikaner hingegen verwenden auch bei diesen kleinen Wörtchen das simple past.
  • Britisches Englisch: „I’ve just had dinner“, „Have you had dinner yet?“, „I’ve already had dinner“.
  • Amerikanisches Englisch: „I just had dinner“, „Did you have dinner yet“, „I already had dinner“.
Weitere Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch zeigt das häufig verwendete Verb to get. In Großbritannien gilt die ursprüngliche, alte Konjugation „get – got – gotten“ inzwischen als überholt und gebräuchlich ist get – got – got. Die Amerikaner dagegen verwenden im past participle immer noch gotten. Interessant in dem Zusammenhang ist auch, dass Sprachwissenschaftler aus diesen und anderen Gründen das britische Englisch für die lebendigere Sprache halten, da sie sich im Laufe der letzten Jahrhunderte mehr entwickelt habe als das amerikanische Pendant.

Haben oder Nehmen?

Ein recht häufig anzutreffendes Phänomen der Ausdrucksweise ist der Unterschied, dass die Briten häufiger haben während die US-Amerikaner nehmen. Vielleicht gilt der Brite auch deswegen als der feinere und noblere Zeitgenosse, während dem Amerikaner ganz gerne ein rude als Stempel aufgedrückt wird. Ein Beispiel dafür ist das britisch-englische „I have a bath“ und das amerikanische „I take a bath“.

Aussprache

Grundsätzlich gilt wie bereits angedeutet, dass es sowohl innerhalb Großbritanniens als auch der Vereinigten Staaten Dialekte und Sprachgewohnheiten gibt, die regional sind. Dennoch gibt es auch bei der allgemeinen Aussprache einige Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch, die typisch für die jeweilige Nation sind, sowie etliche Wörter, die insgesamt ganz anders ausgesprochen werden, z.B. advertisement, adult, garage, brochure und ballet.
Zu den allgemeinen Unterschieden in der Aussprache des britischen und amerikanischen Englisch gehören folgende Beispiele.
  • Die Briten schlucken das „r“, wenn es in der Wortmitte oder am Ende vorkommt, während die Amerikaner die meisten „r“ ganz normal und deutlich sprechen. Beispiele dafür sind more und mother.
  • Das „a“ wird von den Briten klassisch in vielen Wörtern als etwas lang gezogenes normales „a“ gesprochen. Die Amerikaner dagegen sprechen meistens ein „ä“. Britische Jugendliche, die den Amerikanern nacheifern, sprechen inzwischen auch auf der Insel „ä“ während das klassische „a“ als posh, also etwas überkandidelt, empfunden wird. Ähnliches gilt auf der anderen Seite des Ozeans, dort sprechen Jugendliche, die als nobel empfunden werden möchten ein vornehmes britisches „a“.
  • Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch gibt es auch bei der Aussprache des „t“. In der Wortmitte wird es im britischen Englisch hart, im amerikanischen dagegen weich, mehr wie ein „d“ ausgesprochen, Beispiele dafür sind water, meter und later.

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