Lord of the Flies (Der Herr der Fliegen) von William Golding

Redaktion


Der Roman Lord of the Flies, zu Deutsch: Der Herr der Fliegen, handelt von einer Gruppe Jungen, die einen Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel überlebt und von da an völlig auf sich allein gestellt ist. Der Roman wurde von den Kriegserfahrungen des Autors Sir William Golding geprägt und behandelt verschiedene soziologisch bedeutsame Themen.

Inhaltliche Zusammenfassung Lord of the Flies

Nach dem Ausbruch eines Atomkrieges soll eine große Gruppe sechs- bis zwölfjähriger britischer Jungen per Flugzeug evakuiert werden. Dies schlägt fehl, da das Flugzeug auf einer einsamen Insel havariert. Die Jungen können sich retten und müssen fortan, auf sich allein gestellt und ohne Erwachsene, überleben. Von nun an entwickelt sich eine ganz eigene Gruppendynamik.

Die Gruppe Überlebender spaltet sich bald nach dem Absturz in den „Chor“, einer Gruppe vorheriger Eliteschüler, für die der Spaß im Vordergrund steht, und eine zweite Gruppe, die vor allem darauf bedacht ist, notwendige Arbeiten zu verrichten. Diese möchten lieber ein Signalfeuer entzünden und in Gang halten und Behausungen bauen, statt wie der „Chor“ auf die Jagd zu gehen. Dabei wird deutlich, dass die Mitglieder des „Chors“ nicht jagen möchten, um die Gruppe zu ernähren, sondern weil die Jagd schnelle Erfolge und Spaß verspricht.

Beide Gruppen haben gleich zu Beginn jeweils einen Anführer: Der egozentrische Jack führt den „Chor“ an, während der charakterlich gefestigte und anständige Ralph der anderen Gruppe vorsteht.

Bald schon entwickelt sich eine ernste Rivalität zwischen beiden Gruppen, die immer brutaler wird. Zur gleichen Zeit scheint im Dschungel ein Monster zu lauern, das immer wieder Jungen jagt. Dieses stellt sich später als toter Fallschirmjäger heraus, der in einem Baumwipfel hängt und von seinem im Wind wehenden Fallschirm bewegt wird.

Mit der Zeit verliert Ralphs Gruppe immer mehr Mitglieder. Entweder werden diese durch den „Chor“ zwangsrekrutiert oder sie sterben durch diverse Zwischenfälle. Am Ende steckt der „Chor“ sogar die Insel in Brand, um Ralph, der noch immer an seinen festen Grundsätzen hängt, in die Knie zu zwingen. Ralph kann sich am Ende mit Hilfe eines Marineoffiziers retten, der mit seinem Schiff zufällig in einer Bucht der Insel angelegt hat.

Die wichtigsten Figuren in Der Herr der Fliegen

Ralph ist einer der älteren Jungen und eine Symbolfigur für seine Mitstreiter. Er hat einen aufrechten und freundlichen Charakter, behält in gefährlichen Situationen besonnen den Überblick und dient als moralischer Kompass. Er tut, was getan werden muss, damit seine Gruppe überlebt. Seine eigenen Bedürfnisse stellt er stets denen der Gruppe hintenan.

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Jack ist Ralphs Antagonist und besitzt einen gefährlichen Scharfsinn, den er meist für grausame Spiele nutzt. Er liebt den Spaß und den Nervenkitzel. Seinen eigenen Bedürfnissen geht er als Erstes nach, danach erst denkt er an die anderen. Er sieht sich als Krieger und jagt Ralph gnadenlos und mit allen Mitteln.

Piggy gilt als das typische Mobbingopfer. Der Brillenträger ist klein und dicklich. An Intelligenz jedoch übertrifft er alle anderen auf der Insel, weshalb er oft verlacht wird. Er schlägt sich schnell auf Ralphs Seite, da sein Gerechtigkeitssinn keinen anderen Weg zulässt, und setzt sich für die anderen Jungs ein, was er teuer bezahlen muss.

Themen und Aussagen

Wer Der Herr der Fliegen verstehen möchte, muss das Werk Goldings zeitgeschichtlich einordnen. Nach dem zweiten Weltkrieg verarbeitete Golding seine Erlebnisse in seinem Roman. Der Krieg war für ihn Ausdruck der menschlichen Natur, geprägt von Gewalt und Verrohung der Moral und Sitten. Daher ist der Versuch Ralphs und Piggys, nämlich der Aufbau einer der Demokratie ähnlichen Gesellschaft und dem zu Grunde liegenden Bedürfnis nach Zivilisation der Jungen, eins der zentralen Themen von Der Herr der Fliegen.

Die zuvor behütete Kindheit der Jungen endet spätestens mit dem Absturz des Flugzeugs. Wuchsen sie in einer Welt auf, in der Eltern, Lehrer, Polizei und andere Mitglieder der Gesellschaft, kurz: Erwachsene, sie beschützten, sind sie nun vollständig auf sich allein gestellt und müssen ums Überleben kämpfen. Sie dürfen nicht mehr Kind sein und schneller erwachsen werden, als es von der Natur vorgesehen war. Dieser Prozess sowie die fortschreitende charakterliche Verrohung der Kinder geht mit dem Verlust der Unschuld einher – die Jungen sind nun keine kleinen Kinder mehr, sondern werden zu Erwachsenen, mehr noch: zu Kriegern. Außerdem geht es in Lord of the Flies auch um den Verlust der menschlichen Unschuld allgemein.

Ein weiteres Thema von Lord of the Flies ist die stets vorherrschende Angst der Jungen. Sie leben in einem fortwährenden Zustand der Ungewissheit. Sie wissen nicht, ob sie genug Feuerholz finden, ob sie einen festen Unterschlupf bauen, ob sie genügend Nahrung finden werden. All dies brauchen sie jedoch zum Überleben. Die Furcht, ob ihnen dies gelingen wird, schwebt stets über ihnen. Personifiziert wird die Angst durch das Monster, das angeblich im Dickicht lauert und das sich später als toter Fallschirmjäger und dessen im Wind wehender Fallschirm herausstellt.

Weitere Infos zum Buch

Der Herr der Fliegen ist 1954 erschienen und wurde 1963 zum ersten Mal verfilmt, damals noch in schwarz-weiß. Im Jahre 1990 folgte eine weitere Verfilmung, die jedoch eher nachlässig mit der Symbolik des Buches umgeht. Sie basiert mehr auf den spannenden Elementen des Konflikts und den Aggressionen der beiden Gruppen.

In Amerika und Kanada stieg Der Herr der Fliegen schnell zu einer Art Kultbuch auf. Erst später wurde der Zugang zu Lord of the Flies in Teilen erschwert, da es plötzlich hinsichtlich seiner religiösen und soziologischen Themen in die Kritik geriet. In Großbritannien hingegen wurde es von Anfang an kontrovers aufgenommen.

Über den Autor

Sir William Golding wurde 1911 in Cornwall geboren. Bereits mit sieben Jahren fing er zu schreiben an. Er studierte zunächst Naturwissenschaft, brach dieses Studium aber zu Gunsten eines Literaturstudiums ab. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Marineoffizier, was seine Arbeit nachhaltig beeinflusste. Lord of the Flies war sein erster Roman und wurde mit Abstand sein erfolgreichster. 1983 erhielt er den Literaturnobelpreis. Er starb 1993 in Cornwall.

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