Ernest Hemingway

Redaktion


Ernest Miller Hemingway wurde 1899 in Oak Park (US-Bundesstaat Illinois) geboren und starb 1961 in Ketchum (Idaho) durch Selbstmord. Er ist ein überragender Stilistiker und gleichzeitig ein Zeitzeuge der größten Dramen des 20. Jahrhunderts, die er als Kriegsberichterstatter und Kämpfer im 1. und 2. Weltkrieg sowie im Spanischen Bürgerkrieg miterlebte. Er wurde verwundet, erlebte und schilderte unfassbare Gräueltaten, tötete möglicherweise (nach eigenen Angaben tatsächlich) viele feindliche Soldaten und war dennoch imstande, die überragende Schönheit unserer Welt und der Liebe zu schildern.

Leben von Ernest Hemingway

Ernest Hemingway wurde in eine angesehene Familie in Oak Park hineingeboren. Sein Großvater war dekorierter Kriegsveteran und wurde später als Immobilienmakler vermögend, sein Vater war Arzt, seine Mutter war Opernsängerin und kam aus dem wohlhabenden Haus von Geschäftsleuten. Bis 1917 besuchte Ernest die Highschool, schon mit 18 Jahren wurde er Lokalreporter. Mit 19 Jahren meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst als Sanitäter des Roten Kreuzes. Es war das letzte Jahr des Ersten Weltkrieges, Hemingway wurde an die Front nach Italien versetzt und dort schwer verwundet. Im Hospital verliebte er sich in eine Krankenschwester. Die Kriegserlebnisse und diese Liebe verarbeitete er in “In Another Land” (1929). Dem Roman stellte er das Marlow-Zitat voran:

“Barnardine: “Thou hast committed … ?- Barabas: Fornication: but that was in another land; and besides the wench is dead.” (“Du triebst …? – Hurerei. Aber es war in einem anderen Land, und außerdem: Die Dirne ist tot.”)

Mit diesem Zitat und dem Sujet des Romans, der fast ausschließlich auf eigenen Kriegserlebnissen fußte, kennzeichnete Hemingway erstmals sein Gefühl der Entfremdung unter dem Eindruck von globaler Gewalt, die er mit der eigenen psychischen Konstitution – nach heutigem Verständnis eine endogene bipolare Störung – ertragen musste.

Nach dem Krieg und seiner Genesung wurde Hemingway wieder Reporter, zunächst in Toronto und dann in Chicago (hier Polizeireporter). Er bereiste in den 1920er Jahren Europa, hielt sich in Paris auf und schrieb für verschiedene Magazine Lifestyle-Geschichten, die ihn anwiderten. Zwar lernte er sehr bedeutende Zeitgenossen kennen, er wollte sich jedoch ganz seiner Literatur widmen und gab die Reportertätigkeit sukzessive auf, wodurch er extrem verarmte und sich oft von Freunden aushalten ließ. In Teilen verarbeitete er das in “Paris – Ein Fest fürs Leben”.

Hemingway hatte zwar schon einen Verleger für seine Romane, jedoch schrieb er keine Bestseller, wie sie heute mit Blick auf das Massenpublikum gestrickt werden (flachgeistig, aber technisch gut) und sich dann millionenfach verkaufen. Hemingway ist ein Künstler, ein überragender Stilistiker und genialer Erzähler.

Mit 22 Jahren heiratete Hemingway zum ersten Mal, begann vier Jahre später in Europa eine Affäre, ließ sich 1927 scheiden und heiratete seine Freundin. Literarisch wurde er ab 1927 mit “Fiesta” erfolgreich. Ab 1928 wohnte er in Key West und später bei Havanna (Hauptstadt von Kuba). Er ließ sich wieder scheiden und heiratete in den 1930er Jahren ein drittes Mal. In dieser Zeit bereiste er Afrika und nahm an Großwildsafaris teil, die er künstlerisch verarbeitete. Er segelte ab 1934 auch in der Karibik, dann ging er Mitte der 1930er Jahre wieder nach Europa und berichtete als Reporter von mehreren Kriegen, so dem Griechisch-Türkischen Krieg und dem Spanischen Bürgerkrieg.

In dieser Zeit entstanden zahlreiche Romane, die den Ruhm von Hemingway begründeten. Inzwischen brach der Zweite Weltkrieg aus (ab 1939). Ernest Hemingway war Kriegsberichterstatter bei der Ardennenoffensive und soll gekämpft sowie nach eigenen, aber umstrittenen Angaben 122 feindliche (deutsche) Soldaten getötet haben (darunter sogar mindestens einen Kriegsgefangenen, was ein Kriegsverbrechen wäre). Diese Tagebuchaussagen von ihm sind bis heute nicht verifizierbar. Er war 1944 in Paris, als die Stadt aus den Händen der Deutschen befreit wurde, und sah mit eigenen Augen alle Schrecken, die ein Krieg und eine Besatzung anrichten können. Dennoch trieb ihn die Abenteuerlust weiter.

1954 war er wieder in Afrika und überlebte nur knapp zwei Flugzeugabstürze. Seine Faszination galt dem Krieg, der Jagd, der Hochseefischerei und dem Stierkampf. Mit seiner vierten Ehefrau lebte Ernest Hemingway ab Mitte der 1950er Jahre in Kuba, ab 1960 siedelte das Ehepaar nach Ketchum (Idaho) um. Hemingway war zeitlebens ein schwerer Alkoholiker gewesen, was im frühen 20. Jahrhundert keinesfalls so geächtet war wie heutzutage. Offenbar hatte er mit dem Alkohol seine vom Vater ererbte bipolare Störung mit manischen Phasen höchster Kreativität und schweren Depressionsschüben bekämpft. Ab 1960 konnte er jedoch nicht mehr schreiben. Daraufhin erschoss er sich 1961. Auch sein Vater hatte sich umgebracht.

Ernest Hemingway: Themen seiner Werke

Die Themen von Hemingways Werken sind Würde, Liebe, Gewalt, Tod, Krieg und unbedingter Lebenswille. Er bringt seine Aussagen in einem kargen, schnörkellosen Stil unter, der als einzigartig und “moderner Klassizismus“ gilt. Für diesen Stil entwickelte er eine besondere Arbeitstechnik: Er setzte sich für wenige Stunden des Tages mit einem Block und Bleistiften an einen einsamen Ort und ließ stets eine Zeile frei, um streichen und ausbessern zu können. Es sollte kein Wort zu viel sein. Diese Erzähltechnik beschrieb Ernest Hemingway in seiner “Eisberg-Theorie” in etwa so: Ein Prosaschriftsteller solle nur das Wesentliche erzählen und langatmige Beschreibungen (etwa von Gefühlen) auslassen. Der Leser werde das Ausgelassene verstehen und ausreichend stark empfinden. Auch ein Eisberg bewege sich anmutig auf dem Wasser, da sein größter Teil unter der Wasseroberfläche liege.

Wichtige Werke, die du von Ernest Hemingway gelesen haben solltest

  • „In einem anderen Land“ (1929)
  • „Haben und Nichthaben“ (1937)
  • „Wem die Stunde schlägt“ (1940)
  • „Über den Fluss und die Wälder“ (1950)
  • „Der alte Mann und das Meer“ (1952)
  • “Paris – Ein Fest fürs Leben” (postum 1964)
  • “Inseln im Strom” (postum 1970)

Das Gesamtwerk von Ernest Hemingway ist wesentlich größer und umfasst unter anderem bemerkenswerte Kurzgeschichten, die in Sammelbänden zu finden sind.

Ernest Hemingway: Auszeichnungen

  • Pulitzer-Preis (1953)
  • Nobelpreis für Literatur (1954)
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