Die Drachenwand ist eine Felswand in den Nördlichen Kalkalpen und erhebt sich über den Mondsee in Österreich. Hier handelt der 2018 erschienene Roman Unter der Drachenwand des Österreichers Arno Geiger. Es geht um die seltsame Normalität in einem Dorf während des Zweiten Weltkriegs und um die Liebe.

Inhalt

Das Buch Unter der Drachenwand handelt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, genauer gesagt 1944. Der junge Wehrmachtssoldat Veit Kolbe wird in Russland durch Granatensplitter schwer verwundet und nach der Operation in einem Lazarett zur Genesung zu seinen Eltern nach Wien geschickt. Dort war er seit 15 Monaten nicht und er hält es auch nicht lange dort aus. Er beschließt, zu seinem Onkel Johann nach St. Lorenz an den Mondsee zu ziehen, das unter der Drachenwand liegt. Der Onkel hat eine Stellung als Postenkommandant inne.

Veit kommt bei der boshaften Quartiersfrau Trude Dohm unter. In der Nähe leben noch einige andere Leute, unter anderem Robert Raimund Perttes, der nur „der Brasilianer“ genannt wird, aber kein Brasilianer ist, sondern lange in Brasilien gelebt hat und von Rio de Janeiro träumt.

Zudem lernt Veit die Lehrerin Margarete „Grete“ Bildstein, die mit ihrer Wiener Hauptschulklasse aufs Land geschickt wurde, und Margot aus Darmstadt samt ihrer kleinen Tochter Lilo kennen. Veit trifft zudem das Schulmädchen Annemarie Schaller und freundet sich mit Robert, dem Brasilianer, an. Dieser lässt sich häufig über das Dritte Reich und den Nationalsozialismus aus und wird eines Tages abgeholt und verhaftet. Etwa zur selben Zeit verschwindet Annemarie Schaller spurlos. Veit liest daraufhin die Briefe ihres Liebhabers Kurt Ritler, einem Cousin Annemaries.

Zwischen Veit und Margot entwickelt sich eine romantische Beziehung. Margots Mann ist in den Krieg gezogen, während sie mit dem gemeinsamen Kind zurückbleiben musste. Die Beziehung der beiden wird immer enger, bis Veit wieder an die Front berufen wird. Er schafft es aber, dass der Antrag abgelehnt wird. Auch der Brasilianer kommt aus dem Gefängnis zurück. Er wird nun allerdings überwacht und Veits Onkel Johann feindet ihn regelmäßig an. Kurz darauf wird die Leiche von Annemarie Schaller auf der Drachenwand gefunden.

Die Anfeindungen zwischen Johann und dem Brasilianer werden immer heftiger. Es kommt so weit, dass Johann den Brasilianer erschießen will, weil er gegen die Gesetze des Dritten Reichs verstößt. Veit geht dazwischen und erschießt den Onkel. Allerdings wird der Brasilianer des Mordes verdächtigt und muss untertauchen.

Veit wird erneut einberufen und kann sich dem Kriegsdienst dieses Mal nicht entziehen. Somit kehrt er an die Front zurück.

In den Nachbemerkungen wird berichtete, dass Veit den Krieg überlebt, später Margot heiratet, die sich von ihrem Mann hat scheiden lassen, mit ihr zwei Kinder bekommt und 2004 stirbt.

Figuren

Die wichtigsten Figuren in Unter der Drachenwand sind:

Veit Kolbe, der Protagonist. Der 24-jährige Soldat zieht sich nach einer schweren Verwundung im Krieg an den Mondsee zurück. Hier lernt er unter anderem seine große Liebe Margot kennen, die er später heiratet.

Veit ist ein Anti-Held. Er ist eigentlich ein normaler Zivilist, der studieren wollte, aber nun unglücklicherweise feldtauglich ist und in den Krieg muss. Zu Beginn des Romans ist er sehr erschöpft und beschädigt, sowohl geistig als auch körperlich. Am Mondsee kommt er wieder etwas zu sich. Er fängt auch an zu schreiben, was ihm zusätzliche Stabilität gibt.

Robert Raimund Perttes, genannt der Brasilianer. Robert ist der Bruder der Quartiersfrau Trude Dohm, bei der Veit unterkommt. Er hat einige Jahre in Brasilien gelebt und träumt von Rio de Janeiro, da er es ihm schwerfällt, unter Menschen zu leben, die denken, dass sie von Haus aus etwas Besseres sind. Diese Einstellung bringt ihn ins Zuchthaus, wo er sechs Monate bleiben muss. Nach dem vermeintlichen Mord an Johann muss er untertauchen.

Margot aus Darmstadt. Sie ist die Mutter von Lilo und mit dem Linzer Soldaten Ludwig verheiratet. Sie bereut jedoch ihre Ehe, da sie weiß, dass Ludwig nicht der Richtige ist. Sie fängt eine romantische Beziehung mit Veit an. Sie ist sehr offen und erzählt Veit beispielsweise ungeniert von ihren Vorlieben im Bett. In den Nachbemerkungen erfahren die Leser*innen, dass Margot und Veit 1946 heiraten und zusammen zwei Kinder bekommen.

Themen

Das zentrale Thema in Unter der Drachenwand ist das Leben während des Zweiten Weltkriegs. Es geht vor allem um eine vielschichtige Darstellung der damaligen Zeit. Dies schafft Geiger, indem er die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, auch mit Hilfe von Briefen.

Ein weiteres Thema, das aber mit dem zentralen Thema verknüpft ist, ist die Liebe in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Margot hat Ludwig vor dem Krieg geheiratet. Dann trifft sie Veit, in den sie sich verliebt. Dieser muss aber an die Front zurückkehren. Er versucht jedoch so gut wie möglich für Margot und Lilo vorzusorgen und besorgt ihnen beispielsweise eine Wohnung. Am Ende geht es für die beiden gut aus. Für viele Paare jedoch war der Zweite Weltkrieg mit Verlust verbunden.

Informationen zum Buch

Der Roman Unter der Drachenwand wurde von Arno Geiger geschrieben und erschien 2018 im Carl Hanser Verlag. Im selben Jahr erschien es auch als Hörbuchfassung bei Hörbuch Hamburg, es lesen Torben Kessler, Michael Quast, Cornelia Niemann und Torsten Flassig.

Das Buch ging durch die Feuilletonteile der großen Zeitungen und bekam durchweg positive Kritiken.

Arno Geiger

Arno Geiger wurde am 22. Juli 1968 in Bregenz im österreichischen Vorarlberg geboren. Er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft erst in Innsbruck und später in Wien.

Sein Romandebüt heißt Kleine Schule des Karussellfahrens und erschien 1997. Neben vielen anderen Preisen bekam Geiger 2005 den ersten je verliehenen Deutschen Buchpreis für seinen Roman Es geht uns gut. Nach dem Erfolgsroman Unter der Drachenwand erschien 2019 das aktuelle Werk Der Hahnenschrei.

Geiger ist verheiratet und lebt seit 1993 als freier Schriftsteller in Wien und Wolfurt/Vorarlberg.

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